EMF: Hinter den Kulissen ist man auch nach 22 Jahren noch aufgeregt

Von: Christina Handschuhmacher
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Die Ruhe vor dem Sturm: Dort wo in wenigen Stunden „The Nix“ und Bobby Kimball und die „Men behind“ beim Eschweiler Music Festival auftreten werden, wurde am Donnerstag acht Stunden lang geschraubt und gebaut. Foto: Christina Handschuhmacher

Eschweiler. Im Büro von Max Krieger herrschte am Donnerstagabendvormittag die buchstäbliche Ruhe vor dem Sturm. Heute Abend wird hier Hochbetrieb sein – dann werden unter anderem Künstler, Ton- und Bühnentechniker, Crew-Mitglieder und sogar ein Masseur durch das weißgeflieste Büro laufen und zwischen Garderobe, Catering-Bereich und Bühne hin und her pendeln.

Rund 60 Helfer werden im Einsatz sein, damit beim Eschweiler Music Festival hinter den Kulissen alles glatt läuft.

Doch bis es soweit ist, hat Kulturmanager Krieger erst einmal noch alle Hände voll zu tun: Banner befestigen, Hinweisschilder laminieren, Leckereien fürs kleine Catering einkaufen, in den Hotels prüfen, ob alle Reservierungen geklappt haben. Die To-Do-Liste ist lang.

Während Max Krieger drinnen am PC sitzt, wird draußen kräftig in die Hände gespuckt. Der Marktplatz ist mit rot-weiß-gestreiftem Band abgesperrt. Männer mit Schutzhelmen auf dem Kopf und Handschuhen an den Händen laufen eilig hin und her.

Einer von ihnen ist Florian „Monti“ Montebaur aus Koblenz. Als technischer Leiter behält der 26-Jährige beim Bühnenaufbau den Überblick. Er weiß, welcher Aluminiumträger an welche Stelle gehört, welche Schraube wo festgedreht werden muss und was wann zu tun ist.

Eine seitenlange Bedienungsanleitung für den Aufbau braucht er dafür nicht. „Wir haben immer mindestens einen Bühnenbauer dabei, der die Bühne kennt“, sagt Montebaur. Mit einem 40-Tonner haben Montebaur und seine Kollegen die Bühnenelemente am Donnerstagmorgen von Koblenz nach Eschweiler transportiert. Und „ihre“ Bühne kennt die Region bereits gut – sie kam auch schon in Stolberg und Aachen zum Einsatz.

Fünf Techniker und vier Aufbauhelfer sind im Einsatz, um die Bühne zum Stehen zu bringen – zuerst wird die Dachkonstruktion samt Lichttechnik zusammengebaut, dann folgt die sogenannte Podiumsfläche. Bis die Bretter, auf denen Bobby Kimball in wenigen Stunden vor 3500 Fans auftreten wird, sicher und fest auf dem Marktplatz stehen, vergehen acht bis zehn Stunden.

Auf den Zentimeter genau hat die Feuerwehr am Donnerstagmorgen markiert, wo die Bühne – Maße: 15 Meter breit, 8 Meter tief, 7,90 Meter hoch – stehen darf. Denn natürlich müssen für den Fall der Fälle Rettungswege und Feuerwehrfahrten frei zugänglich sein.

„Auch wenn sich nach so vielen Jahren natürlich Routine einschleicht, die Sicherheitsvorkehrungen werden immer präzise eingehalten“, sagt Max Krieger. Während Bobby Kimball oder Fools Garden auf der Bühne stehen, wird Max Krieger mit Vertretern von Ordnungsamt, Polizei und Security im Einsatzcontainer zusammensitzen und eine Zahl ganz genau im Blick haben: die Zahl 3500. Denn so viele Menschen dürfen maximal auf den Marktplatz.

„An jedem Eingang werden zwei Mitarbeiter stehen, einer wird Taschen kontrollieren, der andere wird mit einem Personenzähler jeden registrieren, der aufs Gelände geht“, erklärt Krieger. Im Abstand von fünfzehn Minuten laufen die aktualisierten Zahlen von allen Eingängen im Einsatzcontainer ein, so dass falls nötig, schnell reagiert werden kann, wenn der Platz droht, zu voll zu werden.

Aber nicht nur vor der Bühne, auch hinter der Bühne soll auch in diesem Jahr wieder alles stimmen. „Die Künstler sind in diesem Jahr sehr bescheiden“, sagt Krieger. Episch lange Listen mit divenhaften Wünschen wie weißen Lilien, literweise Champagner oder exotischem Gebäck sucht man vergeblich. „Die größten Künstler sind meist auch die bescheidensten“, lobt Krieger.

Doch auch ohne Wunschliste – Max Krieger sorgt sowieso dafür, dass es den Musikern beim EMF an nichts mangelt. Kleine Aufmerksamkeiten in der Garderobe wie frische Blumen, eine schöne Tischdecke oder Süßigkeiten sind für ihn selbstverständlich. Sein Credo: „Profis müssen professionell behandelt werden.“ Max Krieger ist sich sicher: „So wie der Künstler im Backstage-Bereich empfangen wird, so geht er auch auf die Bühne.“

Will heißen: Läuft hinter den Kulissen alles rund – angefangen vom Shuttle-Service über das Essen bis zur Unterbringung – spiegelt sich das auch auf der Bühne wieder. Und ein zufriedener Künstler auf der Bühne sorgt für ein zufriedenes Publikum, was wiederum auch dem Künstler mehr Freude bereitet. So einfach also ist die Rechnung, die ein Konzert zu einem guten Konzert werden lässt.

Max Krieger ist eben Profi. Aber eins hat er auch nach 22 Jahren EMF und 30 Jahren Berufserfahrung in der Organisation solcher Großveranstaltungen immer noch nicht abgelegt: die Aufregung. „Natürlich bin ich noch aufgeregt“, gibt Krieger unumwunden zu. Und es klingt fast so, als ob ihm diese Aufregung gar nicht so unrecht ist, so als ob sie das sprichwörtliche Salz in der Suppe ist, das aus seinem Job eben einen Traumjob macht.

Aus Uganda nach Eschweiler

Denn noch ist nicht alles in trockenen Tüchern, noch ist Bobby Kimball nicht vor Ort. „Kimball ist am Mittwochabend in Uganda losgeflogen und wird wohl gerade in Frankfurt sein“, sagt Max Krieger. „Ich bin einfach froh, wenn meine Künstler dann auch hier in Eschweiler sind und nichts mehr schief gehen kann.“ Dann nämlich legt sich auch bei Max Krieger die Aufregung und macht Platz: für die Vorfreude auf das 22. Eschweiler Music Festival.

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