Eschweiler - Elly Kugel weltweit unterwegs: Ein Leben als Chefstewardess

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Elly Kugel weltweit unterwegs: Ein Leben als Chefstewardess

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
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Als „Flugkapitän“ im Cockpit: So erobert Elly Kugel die Welt.
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Zuhause fühlt sie sich nach wie vor in Hehlrath: Hier verbringt sie zehn bis 13 Tage im Monat.
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Elly Kugels Arbeitsplatz: Weit über den Wolken.
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Eine der Voraussetzungen: Eine abgeschlossene Ausbildung in einem anderen Beruf. Als Krankenschwester fing für Elly Kugel alles an.
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Elly Kugel ist schon viel herumgekommen: Zum Beispiel nach Dschidda, wo sie Kopftuch und Mantel (Abbaya) tragen muss.

Eschweiler. Ein kleines Haus im Grünen am Rande Hehlraths ist der ruhende Pol in ihrem Leben. Hier ist Elly Kugel zu Hause, hier fühlt sie sich wohl. Und von hier aus erobert sie die Welt: Wohl kein anderer Mensch in Eschweiler dürfte so oft die Weltkugel umkreist haben wie die 48-Jährige.

Im kommenden Jahr feiert sie Jubiläum: Dann ist Elly Kugel seit 25 Jahren Flugbegleiterin und seit 15 Jahren Purser, sprich: Chefstewardess, bei Deutschlands größter Airline.

Ein Traumjob ungezählter junger Frauen. Ist er das nach so vielen Jahren für Sie immer noch?

Elly Kugel: Das war er und das ist er noch heute. Dass ich zunächst im St.-Antonius-Hospital Krankenschwester gelernt habe, hat nur damit zu tun, dass für die Flugbegleiter-Ausbildung eine abgeschlossene Ausbildung in einem anderen Beruf eine der Voraussetzungen war. Die Crews sind dankbar, wenn eine Krankenschwester dabei ist, weil unterwegs ja doch immer wieder etwas passieren kann.

Und bisher – toi toi toi – habe ich all meine Passagiere lebendig runtergebracht. Das nach wie vor Reizvolle an diesem Beruf ist, immer wieder auf interessante Menschen zu treffen, ganz besondere Erfahrungen und Erlebnisse zu sammeln, wie sie kaum ein anderer Job bietet, und an Orte zu gelangen, an die ein normaler Tourist kaum je kommt – ob das jetzt Ashgabat in Turkmenistan oder Äquatorial-Guinea ist.

Seit 24 Jahren sind Sie weltweit unterwegs, kennen alle Ziele, die Ihre Airline anfliegt. Gibt es da für Sie noch Traumziele?

Elly Kugel: Meine persönlichen Favoriten sind Vancouver, wo man Wassersport treiben und Skifahren kann, und Bangkok mit seinem ganz besonderen, thailändischen Flair. Am beeindruckendsten fand ich die Bergwelt des Jemen und eine Wassergrotte in einem Wadi im Oman.

Bleibt in Ihrem Job die Zeit, mehr zu sehen als nur den jeweiligen Flughafen?

Elly Kugel: Durchaus. Manche Trips dauern bis zu sechs Tage. Und ich habe das Glück, monatlich Wünsche äußern zu können. Da versuche ich dann, Routen zusammenzustellen in Städte, in denen ich Freunde treffe oder einfach gerne bin. Und dorthin zu kommen, wo etwas geboten wird. So war ich bei den Olympischen Spielen in Atlanta wie auch bei einer Turandot-Aufführung in der Verbotenen Stadt in Peking.

Was sind Ihrer Beobachtung nach die derzeit angesagtesten Ziele?

Elly Kugel: Im Moment boomt Polen, Krakau, Breslau. Ich war einige Male da – das sind wunderschöne Städte. Ansonsten: Brasilien, Kuala Lumpur, Shanghai, das wir mit zwei Maschinen täglich anfliegen, aber auch Indien – Mumbai, Delhi.

Und wohin zieht es die Chefstewardess, wenn sie Urlaub hat?

Elly Kugel: Dann bleibe ich unter vier Flugstunden – ich liebe Europa und ich liebe Wandern. Allerdings: Wenn ich den Beruf mal an den Nagel hänge, dann möchte ich ein halbes Jahr lang auf Weltreise gehen.

Aber noch ist es ja nicht soweit. Vorläufig ist noch Arbeiten angesagt. Was bedeutet das im Einzelnen?

Elly Kugel: Zunächst steht für mich immer Bahnfahren auf dem Programm, ehe ich in Frankfurt meinen Job beginne. Und das ist manchmal ganz schön nervig. Pünktlichkeit ist da ein völliges Fremdwort. Eine Stunde 15 Minuten vor Abflug treffe ich meine Crew, nachdem ich mir vorher alle Infos über den vor uns liegenden Flug besorgt habe. Ich gestalte das Briefing, verteile die Positionen, bespreche länderspezifische oder andere Besonderheiten – wenn zum Beispiel Flüchtlinge oder unbegleitete Kinder an Bord sein werden – und frage die Crew zu den flugzeugtyp-spezifischen Gegebenheiten ab.

Dann kommt die Cockpit-Crew dazu und gibt unter anderem die Wettervorhersage bekannt. Und dann geht‘s an Bord, wo ich mich um die Verpflegung und die Wünsche der Passagiere kümmern muss. Meine Kabinencrew, für die ich die Verantwortung trage, besteht aus bis zu 15 Kollegen und Kolleginnen. Insgesamt gibt es bei uns rund 130.000 Flugbegleiter. 5000 davon übernachten täglich irgendwo auf der Welt im Hotel. Für Auslandsaufenthalte gibt‘s natürlich Spesen. Nicht aber für die nervige Fahrt zum Flughafen und wieder nach Hause.

Was war in Ihrem Job anders, als Sie angefangen haben?

Elly Kugel: Heute wird man mit viel mehr beunruhigenden Gegebenheiten konfrontiert. Das fing an mit 9/11 und zieht sich bis heute – Stichworte: Ukraine und Gaza, aber auch der Ebola-Ausbruch. Man muss immer auf dem neuesten Stand sein und wissen, wie man sich und seine Crew schützen kann. Dabei gibt es aber auch so viele Dinge, die ungeklärt sind, wie der Verlust der vermissten Malaysian-Maschine und der Abschuss über der Ukraine.

Tel Aviv wird derzeit nur mit Crews aus Freiwilligen angeflogen. Und natürlich haben viele Kollegen auch Bauchschmerzen, wenn es in andere Länder mit Infektionsrisiken oder politischen Unruhen geht. Dennoch habe ich grundsätzlich ein gutes Gefühl, weil ich weiß, dass bei uns Sicherheit oberste Priorität genießt.

Haben Sie selbst denn schon wirklich gefährliche Situationen durchlebt?

Elly Kugel: Ja. Vor etwa zehn Jahren sind wir in ein schweres Gewitter gekommen. Ein Blitz schlug vorne in die Maschine ein und hinterließ eine heftige Beule – die Energie konnte ich als blaue Kugel durch die Kabinen fliegen sehen, ehe sie am Heck wieder austrat. Und einmal gerieten wir kurz nach dem Start in Kinshasa in einen heftigen Sandsturm. Dabei können die Turbinenblätter vom Sand zerfressen oder auch verstopft werden. Wir haben auf dem schnellsten Weg den nächsten, sturmfreien Flughafen angesteuert.

Aber es gibt ja überwiegend erfreuliche Begegnungen in der Luft. Bei Ihren Linienflügen dürfte der Promi-Faktor deutlich höher sein als bei Charterflügen an den nächsten Sonnenstrand.

Elly Kugel: Stimmt. Ich habe schon viele interessante Leute getroffen und betreut. Zahlreiche deutsche Schauspieler, darunter Til Schweiger und etliche andere Tatort-Kommissare, viele bekannte Sportler wie Boris Becker, aber auch Königin Sophia von Spanien, Michael Jackson, den stetig lächelnden Dalai Lama, Leonardo DiCaprio und – vor seinem Unfall – „Superman“ Christopher Reeves.

Besonders interessant fand ich die Begegnung mit Abtprimas Notker Wolf, dem Sprecher aller Benediktiner weltweit, der zahlreiche lesenswerte Lebens-Ratgeberbücher verfasst hat. Und am nettesten war Otto Waalkes, der privat genauso ist wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Und der sich nicht zu schade ist, auch einmal Geschirr abräumen zu helfen.

So freundlich sind nicht alle Passagiere. Welche Typen nerven Sie besonders?

Elly Kugel: Da sind die Fingerschnipper, die unsereins auf diese unangenehme Tour zu sich zitieren wollen. Da sind die Ungeduldigen, die trotz entsprechender Hinweise nach der Landung sofort aufstehen, ehe die Anschnallzeichen erloschen sind. Da sind die Gepäckfächerverstopfer, die gleichzeitig auch die Gänge verstopfen. Da sind die Ignoranten, die immer nur sich selber sehen. Und da gibt es die Typen, die einen nach reichlich Gratis-Alkoholgenuss persönlich beleidigen oder anzufassen versuchen.

Wer die ganze Welt gesehen hat, was bedeutet dem Heimat?

Elly Kugel: Eine ganze Menge. Für mich ist es das Schönste, wenn ich nach Hause komme und das Kraftwerk sehe. Hier habe ich nach wie vor meine besten Freunde, hier habe ich meine Familie. Zehn bis 13 Tage pro Monat bin ich hier und verbringe meine Zeit mit Joggen, Radfahren, Rollerbladen und Reiten.

Und Karneval, speziell Weiberfastnacht, nehme ich mir immer frei, um hier zu sein. Und das selbe gilt für Heiligabend, wo sich alle auf dem Markplatz treffen. Apropos Freunde: Das Schöne an meinem Job ist, dass man immer am Puls der Zeit ist. Man bekommt Trends mit, ehe sie nach Europa schwappen. Das macht einen bei Freundinnen besonders beliebt: weil die immer gerne das eine oder andere mitgebracht bekommen.

Aber nicht nur Freundinnen bringen Sie das eine oder andere mit...

Elly Kugel: Stimmt. Ich arbeite bei „Help Alliance“ mit. Das ist eine Gemeinschaft aus Airlines-Mitarbeitern, die auf Auslandsflügen Restgelder in Fremdwährungen einsammeln und damit weltweit Hilfsprojekte unterstützen. Über das Bistum Aachen habe ich die Adresse einer Schule mit 2000 Kindern im äthiopischen Addis Abeba bekommen. Dorthin habe ich schon wiederholt ziemlich viele Hilfsgüter gebracht.

Keine schlechte Aktion, wenn es darum geht, andere glücklich zu machen. Wie steht‘s mit Ihnen selbst? Wieviele Heiratsanträge hat‘s schon gegeben?

Elly Kugel: Sagen wir mal so: Ich habe eine hübsche Sammlung von Visitenkarten...

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