Eischwiele Tön in Frankreichs Norden

Von: Laura Beemelmanns
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Traditionsgruppe aus Frankreic
Traditionsgruppe aus Frankreichs Norden: Die Menschen in der Partnerstadt feierten am Sonntag ausgelassen ihren Karneval. Foto: Laura Beemelmanns

Eschweiler. Aschermittwoch liegt lange hinter uns. Daher wurden die Karnevals-Top-Hits schon wieder in die CD-Schränke geräumt und die Uniformen im Keller verstaut. Denkste! Nicht so in Eischwiele. „Ene Trupp” von über 200 Jecken der Eschweiler Karnevalsvereine machte sich am frühen Sonntagmorgen in Richtung Wattrelos, Frankreich, auf.

Die Busse waren mit Uniformen in fast allen Farben gefüllt und starteten mal mehr, mal weniger laut ins französische Abenteuer. Mit an Bord die besagte Karnevals-CD, die jeweilige Vereins-Uniform, Käse, Brötchen und das eine oder andere Bierchen sowie die Top-Ten der beliebtesten Karnevalslieder, dargeboten von jecken Mariechen, die just sämtliche Refrains mixten. Denn im beschaulichen Wattrelos war noch lange nicht Schluss mit Karneval, pardon: Carnaval. Jean-Luc Doyen, Präsident der Confrèrie du Carnaval Wattrelos, und Bürgermeister Dominique Baert hatten eingeladen.

Pünktlich um 11.11 Uhr versammelten sich die Eischwiele Präsidenten „à l´Hôtel de Ville”, um die „géants” zu empfangen. Je drei verkleidete Mexikaner zogen die drei riesigen Pappmaché-Figuren Jeanne de Wattrelos, Ferrand du Portugal und Thomas de Savoie durch den Ort bis hin zum Rathaus. Begleitet wurden sie von einer Bande jecker Franzosen, die Blumenschmuck auf den Köpfen trugen, bunte Regenschirme in den Händen hielten und zusammengewürfelte Kleidungsstücke präsentierten. Dabei sangen sie und drängten sich gegenseitig vom Weg, sodass sich eine farbenfrohe „grande Masse” vor dem Rathaus tummelte. Ein Spektakel, dass auf den ersten Blick kurios, dann jedoch wahnsinnig unterhaltsam anmutete. In Frankreich wird eben ganz anders Karneval gefeiert.

So viel sei schon an dieser Stelle vorweggenommen: Dort tanzte auch ein Mann mit einer Art riesigem Federschmuck auf dem Kopf, der zudem an einen überdimensionalen Staubwedel erinnerte, im Rathaus. Wild wirbelte er seinen Kopf umher, damit das Federkleid hoch und runter sprang. Letzten Endes hätte er damit durchaus jeden Winkel entstauben können. Doch der Empfang im Rathaus diente einem ganz anderen Zweck. Jean-Luc Doyen, Dominique Baert, Bürgermeister Rudi Bertram und Vorsitzender des Karnevalskomitees Norbert Weiland stießen verbal auf ihre langjährige Freundschaft an.

Schon seit 34 Jahren feiern Wattrelos und Eschweiler gemeinsam Karneval. „Dieser Ausflug hat einen festen Platz in unseren Terminkalendern”, so Bertram. Denn der Karneval sei Grundlage dieser langjährigen Freundschaft. „Im Karneval gibt es keine Grenzen”, umschrieb es Norbert Weiland, „der Karneval macht alle gleich.” Ob da nun ein Mann mit einem Staubwedel durch das Rathaus tanzt, unsere Präsidenten mit ihren Uniformen die Stadt erobern oder die Tanzmariechen singend durch den Ort ziehen - Karneval ist und bleibt Carnaval, ob in Eschweiler oder Wattrelos. Jeck sind sie alle.

Und in der Fünften Jahreszeit ist bekanntlich ohnehin alles möglich. So tauschte Prinz Alfred III. mit seinem Dolmetscher flott die Rôle und sprach en petit peu du francais. Das muss so gut gewesen sein, dass auch sein Dolmetscher die Sätze vom Papier ablas, anstatt sie flott zu übersetzen. In jedem Falle klang es trés französisch und selbst für den Fall, dass sich ein kleiner Fehler eingeschlichen hatte, strahlte Prinz Alfred diesen gekonnt weg.

Es war sein letzter Auftritt als Prinz, seine letzte Rede, das letzte Mal, dass er in sein Ornat schlüpfte und das letzte Mal, dass er seinen Prinzenhit gemeinsam mit Zeremonienmeister Gregor anstimmte. Doch es war ein würdiger Abschied. Das Rathaus tobte, alle tanzten mit und verlangten nach einer Zugabe. Zu diesem Zeitpunkt ahnten sie wohl noch nicht, dass der Höhepunkt des Ausfluges nicht mehr lange auf sich warten ließ.

Schließlich stand der große Karnevalsumzug durch Wattrelos schon in den Startlöchern. Und er stand und stand und stand. So anderthalb Stunden etwa. Diese Zeit nutzte Bürgermeister Dominique Baert jedoch, um die meisten Zuschauer persönlich mit Handschlag zu begrüßen, er lauschte der Musik und bat Rudi Bertram, auf der Tribüne neben ihm Platz zu nehmen. Aus gutem Grunde, wie sich bald darauf feststellen sollte. Die Franzosen lieben Konfetti - in allen Variationen. Aus einer Kanone mit etwa 20 cm Abstand zum betroffenen Gesicht, aus einem Sack, per Hand oder gleich ganz pragmatisch - den ganzen Sack über die Person entleeren. Auch wenn Bürgermeister Rudi Bertram zuvor seine Jacke zuknöpfte und überprüfte, ob wirklich alles saß, dürfte er ebenso viel Konfetti Zuhause auf dem Boden gefunden haben, wie alle anderen auch, die sich nach dem Spektakel ihrer Kleider entledigten.

Carnaval in Wattrelos ist einfach anders, aber definitiv ein Event, dass in keinem Terminkalender fehlen darf. Da hatte Bürgermeister Rudi Bertram recht behalten. Und zurückblickend, sind die paar Konfetti-Bomben doch nahezu löblich, schließlich wurde das Komitee vor wenigen Jahren noch sogar mit Sahne besprüht. Demnach also ein Hoch auf die Konfetti-Bombe und ein vorerst letztes Mal: Eischwiele und Wattrelos, Alaaf!
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