Einige Bürger schreiben noch immer 5180

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Jürgen Koch ist Briefträger mit Leib und Seele. Seit über 20 Jahren ist er in seinem Bezirk in der Innenstadt bei Wind und Wetter unterwegs, um die Sendungen an die Haushalte zu verteilen. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Regen und Herbsttemperaturen können Jürgen Koch nicht abschrecken, schließlich hat er wettertechnisch schon Schlimmeres erlebt. Seit dem frühen Morgen dreht er seine Runde durch die Indestadt und legt bis zum Nachmittag zwischen 16 und 18 Kilometer zurück. Jürgen Koch ist Postbote und das mit Leib und Seele.

Bereits seit 35 Jahren arbeitet er bei der Deutschen Post, seit über 20 Jahren ist er Stammzusteller im Bezirk 12, in der Innenstadt. Seine Route, die ihn von der Uferstraße zum City-Center, zum Patternhof und zur Kaiserstraße führt, kennt er in- und auswendig.

Zu Beginn seiner Ausbildung im Jahr 1978 lernte er noch die Zusendungen von Hand nach Postleitzahlen zu sortieren. Doch im Jahr 1993 änderte sich dies. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Post von Maschinen vorsortiert. „Das geht flotter“, meint Jürgen Koch. Grund für diese Neuerung war Folgender: Am 1. Juli 1993 wurde die fünfstellige Postleitzahl in Deutschland eingeführt. Heute feiert sie ihr 20-jähriges Jubiläum und ist mittlerweile kaum noch wegzudenken.

Doch diese Umstellung sorgte in der Bundesrepublik nicht gerade für große Begeisterung. Am ersten Juli 1993 schrieb Politik-Redakteur Karl Plum im „Bote an der Inde“: „Aber mit vier Leitziffern fühlten sich die meisten im Westen auch gut bedient. Hätte so bleiben können.“ Doch das konnte es nicht.

Grund für die Neustrukturierung des Postleitzahlensystems war die Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990. Über 800 Städte in Ost und West verfügten damals über die gleiche Postleitzahl. So wurde zwischen 1990 und 1993 jeweils ein „W“ für West-Deutschland und ein „O“ für Ost-Deutschland vor die Postleitzahl gesetzt. Am 1. Juli 1993 erfolgte schließlich die Umstellung von vierstelligen auf fünfstellige Postleitzahlen.

Für Jürgen Koch hat sich in der Zustellung nicht viel geändert, jedoch stellte sich bei den Kunden zunächst Verwirrung ein. „Die Leute wussten teilweise ihre eigene Postleitzahl nicht und so gab es bei den Zusendungen viele Zahlendreher und teilweise auch Fehlleitungen.“ Doch die Eingewöhnungsphase dauerte nicht allzu lange. „Man stellte sich vieles schwieriger vor, als es eigentlich war“, meint Koch und fügt hinzu: „Bereits nach kurzer Zeit lief alles gut. Da hat die Post wirklich eine gute Arbeit geleistet.“

Bereits Monate im Voraus startete die Deutsche Post eine große Werbe- und Informationskampagne. Das damalige Maskottchen „Rolf“ prägte mit seinem Spruch „Fünf ist Trümpf“ maßgeblich das Jahr 1993. Die gelbe Hand mit den fünf ausgestreckten Fingern und der modernen Sonnenbrille war vor 20 Jahren das Symbol der neuen fünfstelligen Postleitzahl, das den Bürgern auf Drucksachen, im Fernsehen, auf Plakatwänden, als Plüschtier oder auf Frisbee-Scheiben begegnete.

Auch Loriot, alias Vicco von Bülow, griff das Thema in einem TV-Spot auf. Rudi Carrell widmete gleich eine ganze Sendung („Die Post geht ab“) der neuen Postleitzahl. Die Werbe- und Informationskampagne der Deutschen Post zeigte Wirkung. Bereits am Stichtag selbst trugen 57 Prozent aller Briefe die neuen Postleitzahlen, nach einer Woche waren es 78 Prozent und nach zwei Wochen lagen bereits weit über 90 Prozent aller Briefe am Tag nach der Einlieferung beim Empfänger.

Außerdem trug ein 1,3 Kilogramm schweres Postleitzahlenbuch zur Information der Bürger bei, das an 40 Millionen Haushalte in der Bundesrepublik verteilt wurde. Dass dies auch von den Indestädtern mit Spannung erwartet wurde, weiß Jürgen Koch zu berichten. „Jeder wartete darauf“, erzählt Koch, der die Bücher nach den täglichen Zusendungen mit seinen Kollegen per PKW an die Haushalte auslieferte.

Trotzdem kommt es auch heute noch vereinzelt vor, dass Bürger anstatt der aktuellen Postleitzahl, die 5180 auf ihre Briefe schreiben. „Gerade bei älteren Menschen kann das schnell passieren“, meint Koch, der als Zusteller zu den Kunden ein ganz besonderes Verhältnis hat. „Ich bin es gewohnt, mit den Kunden zu sprechen und sie zu informieren. Das war und ist schließlich das A und O eines Zustellers.“

Besonders in seinem Bezirk, indem er seit über 20 Jahren bei Wind und Wetter die Post zustellt, ist Koch nicht nur bekannt, sondern auch sehr beliebt. Das wird auch während des Gesprächs deutlich. Fast jeder vorbeigehende Indestädter grüßt den Postboten freundlich. Für Koch ist dies mittlerweile selbstverständlich geworden. „Früher wusste jeder Postbote in seinem Viertel besser Bescheid als die Nachbarn.“ Auch heute sei er noch für viele Menschen ein Ansprechpartner. „Es gibt Kunden, die ich seit über 20 Jahren jeden Tag sehe. Vor allem für viele ältere Menschen sind die Postboten oft die einzigen Ansprechpartner.“

Koch ist nicht nur zu jedem freundlich, sondern hat auch ein offenes Ohr für die Probleme seiner Kunden. Vor allem eine Sache freut den 50-Jährigen immer wieder. „Oft sehen mich die Menschen schon von Weitem kommen und sagen dann: „Da hinten kommt unser Briefträger.“ Das ist besonders schön.“ Sein Job hält ihn zwar konditionell fit, aber ist auch anstrengend. „Ich stelle jeden Tag rund 2000 Sendungen zu und Papier ist nicht gerade leicht.“

Auch das Wetter und die Höhe der Briefkästen können den Arbeitsalltag erschweren. „Das merkt man schon ganz schön in den Knochen“, so Koch. Trotzdem macht ihm seine Arbeit sehr viel Spaß. „Ich erlebe immer wieder viele schöne und lustige Dinge“, erzählt Koch, der in seiner Freizeit als Vollblutkarnevalist bei der KG Nothberger Burgwache und dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist.

Seiner Meinung nach war die Umstellung der Postleitzahl eine „gute Sache“. „Durch die Wiedervereinigung musste etwas passieren und letztendlich ist es von den Kunden auch positiv aufgenommen worden.“

Auch bei der Stadt Eschweiler lief die Umstellung vor 20 Jahren unproblematisch ab, wie Edmund Müller, Leiter des Ordnungsamtes, berichtet. „Die Umstellung der Postleitzahl vor 20 Jahren hat bei der Stadtverwaltung keine besonderen Schwierigkeiten verursacht“, meint er und fügt hinzu: „Für unsere Ausgangspost hatten wir auch seinerzeit Freistempler, in die ein neues Klischee mit der neuen Postleitzahl eingelegt wurde und dann ging es weiter wie vorher.“

Wagen wieder füllen

Der Einwohnerdatenbestand wurde zu dieser Zeit schon über die EDV verwaltet und auch die Einpflegung der neuen Postleitzahl sei seinerzeit zentral vom Rechenzentrum der Stadt Aachen für die angeschlossenen Kommunen durchgeführt worden, berichtet Müller.

Jürgen Koch macht sich derweil wieder auf den Weg. An der Ablagestelle auf der Hompeschstraße füllt er noch einmal seinen Wagen auf und weiter geht‘s durch die Innenstadt. Einige Haushalte warten noch auf ihre Zusendungen und die will der 50-Jährige schließlich nicht warten lassen.

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