Eine Stunde im Märchen versinken

Von: nile
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Rund 50 Erstklässler der Eduard-Mörike-Schule lauschten gespannt der Geschichte von den Zwillingen Finon und Finette, die vor einem riesigen Menschenfresser flüchten mussten. Foto: Nina Lessenich

Eschweiler. Es ist mucksmäuschenstill in der Stadtbücherei Eschweiler. Die rund 50 Erstklässler der Eduard-Mörike-Schule sitzen mit großen Augen in der Kinderecke und lauschen gespannt der Geschichte von Märchenerzählerin Regina Sommer.

Michaele Schmülling-Kosel von der Stadtbücherei Eschweiler freute sich schon vorab auf die Erzählung. „Das Tolle an Frau Sommer ist, dass die Kinder ihr wirklich die ganze Zeit gespannt zuhören”, meint sie. „Das schaffen einige Lehrer selbst im Unterricht nicht. Das ist wirklich faszinierend!”

Regina Sommer ist inzwischen seit 23 Jahren als professionelle Erzählerin tätig. „Ich habe diese Kunst kennengelernt, als ich noch in den USA gelebt habe”, erzählt sie. Seit 1992 sei sie wieder in Deutschland und seitdem hier mit vielen Geschichten im ganzen Land unterwegs. Im Rahmen des 18. Internationalen Erzählfestivals, welches vom ersten bis zum fünften Oktober in Aachen stattfindet, kam sie nun zur „Schule des Hörens” in die Stadtbücherei Eschweiler.

Unter anderem erzählte sie dort die Geschichte von Finon und Finette: Die Zwillinge, werden von ihren Eltern im Wald ausgesetzt, weil diese sie nicht mehr ernähren können. Auf der Suche nach einem Weg zurück landen die beiden in einer großen Hütte im Wald, wo sie Unterschlupf finden. Allerdings lebt dort ein fieser, riesiger Menschenfresser und die Kinder müssen sich aus seinen Fängen befreien. „Die Geschichte ist das französische Pendant zu Hänsel und Gretel”, erklärt Sommer.

Die Geschichten für ihre Auftritte suche sie immer spontan aus: je nach Gruppe und deren Stimmung. Die Kinder selbst würden dabei immer in die jeweilige Geschichte mit einbezogen. „Ich greife immer auf, was die Kinder sagen”, sagt die Märchenerzählerin. So zum Beispiel den Einwurf der sechs-jährigen Hillary, die sich Pferde gewünscht hat: Kurzerhand wurden Pferde in die Geschichte von Finon und Finette integriert. „Ich nehme alles, was die Kinder sagen, ernst”, erklärt Sommer. So würden die Kinder sich wertgeschätzt fühlen und zudem eine engere Bindung zu der Geschichte entwickeln.

Dieses Konzept scheint aufzugehen: Die Kinder sind hellauf begeistert von der Erzählung. „Der Menschenfresser war total lustig. Die Geschichte war zwar lang, aber es hat total Spaß gemacht, zuzuhören”, sagt Hillary nach der Erzählung. Auch die Lehrerinnen waren sehr angetan: „So konzentriert kenne ich die Kinder gar nicht”, sagt die Klassenlehrerin Frau Pesch. „Im Unterricht sind die Kinder total schnell hibbelig. Das ist echt eine tolle Sache hier!”

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