Eschweiler - Eine Prise Salz: Whitehorse Theatre begeistert

Eine Prise Salz: Whitehorse Theatre begeistert

Von: ran
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König Llyr glaubt, dass seine jüngste Tochter Cordelia ihn nicht genügend liebt und verstößt sie. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Sie sind quasi Stammgäste an der Städtischen Gesamtschule: die Schauspieler des englischsprachigen „White Horse Theaters”. Schon seit Jahren besuchen die Darsteller in wechselnden Ensembles die Lehranstalt und erfreuen Schüler und Lehrer mit ihren Aufführungen, die grundsätzlich einen pädagogischen Hintergrund haben und den Englisch-Unterricht bereichern.

Am Mittwoch standen nun mit „A Pinch of Salt” (Jahrgangsstufe 7), „Food for Thought” (Jahrgangsstufe 9) und „Romeo and Juliet” (Oberstufe) gleich drei Aufführungen auf dem Programm.

Mit großer Spielfreude starteten die vier britischen Darsteller am Mittwochmorgen im vollbesetzten Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule vor den aufmerksamen Schülern der siebten Jahrgangsstufe mit dem englischen Volksmärchen „A Pinch of Salt”, das Shakespeare als Vorlage für „King Lear” verwendete und das dem deutschen Märchen „Aschenputtel” ähnelt.

Dabei bezogen sie die Schüler immer wieder mit in das Geschehen auf der Bühne ein. Einige Schüler hatten sogar kleine Statistenrollen inne, für die sie von ihren Klassenkameraden natürlich starken Applaus ernteten.

Zur Handlung: Der alte König Llyr hat mit Goneril, Regan und Cordelia drei Töchter. Während Goneril und Regan hinter seinem Rücken über ihren Vater lachen, ihm aber scheinheilig ins Gesicht lügen, dass sie ihn mehr lieben als alles andere auf der Welt, versichert Cordelia, die ihren Vater wirklich liebt, dass sie ihn so liebe, wie „frisches Fleisch das Salz”. Doch Llyr ist erbost über diese Aussage und verstößt seine Tochter.

Cordelia legt ihre Prinzessinen-Kleidung ab, trägt nun Jacke und Kappe, nennt sich Pat Flatcap und findet Arbeit in der Küche eines anderen Schlosses, wo sie sich mit Küchenhilfe Letty Lummox anfreundet. Beide leiden zwar unter dem strengen Regiment der Köchin Mrs. Sourdough, doch als Prinz Percival anlässlich seines 21. Geburtstages ein Fest gibt, naht die Rettung. Cordelia alias Pat Flatcap erscheint standesgemäß auf dem Ball, tanzt mit dem Prinzen und beide verlieben sich ineinander. Doch noch ist so mache Irrung und Wirrung zu überstehen, bis Prinz Percival seine Herzensdame zu Prinzessin Pat Flatcap macht und heiratet. Zur Hochzeit erscheint auch Konig Llyr, der von der wahren Identität der Braut nichts ahnt. Als er sie erkennt und sie sich über das Wiedersehen von ganzem Herzen freut, sieht er, dass sie ihn wirklich liebt und er sich getäuscht hat. Nun kann sie endlich auch Prinz Percival ihre wahre Geschichte erzählen. Als schließlich Letty Lummox zur Köchin befördert und Mrs. Sourdough zur Küchenhilfe degradiert wird, ist das Happy-End perfekt.

Auch das Stück „Food for Thought”, das genau wie „A Pinch of Salt” von Theatergründer Peter Griffith geschrieben wurde, kam bei den Gesamtschülern sehr gut an. Im Mittelpunkt steht dabei die Jugendliche Sam, die immer weniger isst und extrem viel Sport treibt. Sie leidet an Magersucht, eine Krankheit die vor allem für junge Menschen zu einem immer größer werdenden Problem wird. Den Shakespeare-Klassiker „Romeo und Julia” setzte das Schauspieler-Quartett dann in gekürzter und unkonventioneller Form um, zu der auch eine große Portion Humor zählte.

Nach Anfängen im englischen Somerset gastierte das „White Horse Theatre” im Jahr 1980 erstmals an britischen Schulen in der Bundesrepublik. Doch auch deutsche Schulen wurden auf die Aufführungen aufmerksam, erste Engagements folgten.

Als Peter Griffith, Gründer des „White Horse Theatres” und mit einer deutschen Frau verheiratet, im Jahr 1985 nach Nordrhein-Westfalen zog, verlegte er den Sitz des Theaters nach Soest.

Da die Nachfrage nach Aufführungen weiter stieg, gab er die eigene Schauspielerei auf. Heute schreibt der Brite Theaterstücke, führt Regie und organisiert die Tourneen.

Inzwischen ist das „White Horse Theatre” zur größten professionellen Theatergruppe dieser Art in Europa geworden. Es besteht aus sechs je vierköpfigen Gruppen und gastiert hauptsächlich an Gymnasien, Gesamt-, Real- und Hauptschulen, mittlerweile aber auch an Grundschulen.

Die Darsteller sind junge Briten, die die Schauspielschule in ihrer Heimat erfolgreich absolviert haben, also über eine professionelle Ausbildung verfügen, und nun in Deutschland Berufserfahrung sammeln.
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