Eine Anleitung für die Zukunft der Stadt

Von: Patrick Nowicki
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Eschweiler. Die Stadt rüstet sich für die nächsten Jahre, ja Jahrzehnte: „Eschweiler 2030 - mit Energie in die Zukunft” ist das Strategiepapier überschrieben, das die Arbeit der Verwaltung und des Rates prägen soll.

Grob geschrieben, beschreibt das Schriftstück, wie Eschweiler die Carta von Aalborg, der die Stadt schon 2001 beitrat, umsetzen will. Das klingt sehr theoretisch, wird aber an einigen Stellen mit konkreten Beispielen gefüllt. „Wir werden das Ganze natürlich in den nächsten Monaten und Jahrenc mit mehr Leben füllen müssen. Es ist aber ein Anstoß für die Politik, Entscheidungen für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt zu treffen”, erläutert Bürgermeister Rudi Bertram.

Seit zwei Jahren arbeitet man im Rathaus an der Zukunftsstrategie, viele Projekte sind aber schon in den Jahren zuvor auf den Weg gebracht worden. In Eschweiler-Ost zum Beispiel. Oder mit der Sanierung von städtischen Gebäuden, die nun wesentlich weniger Energie verbrauchen als vorher. Auch die Investitionen in die Schullandschaft und in die Kindergärten passen in die jetzt schriftlich fixierten Leitgedanken für die Stadtentwicklung. „Wir sind seit zehn Jahren auf einem richtigen Weg”, meint der Technische Beigeordnete Hermann Gödde.

Unterstützung erhält die Stadt auch von Wissenschaftlern und Fachleuten der RWTH Aachen. Sie untersuchten detailliert jeden Stadtteil nach Stärken und Schwächen. Vorgestellt wird die Studie in den nächsten Wochen. Dadurch will die Verwaltung dann Vorschläge erarbeiten, über die letztlich die Politik entscheidet. „Eines muss natürlich klar sein: Wenn wir Nachhaltiges schaffen sollen, dann muss man auch das Geld dafür geben”, betont Bertram und hat dabei weniger den Rat der Stadt im Visier, sondern die Politiker in Land und Bund.

Wie wohnt man in 20 Jahren? Diese Frage stellt sich auch die Stadt und schließt dabei viele Entwicklungen mit ein. Denn unterschiedliche Anforderungen müssen berücksichtigt werden: Die Nähe zur Universitätsstadt Aachen will Eschweiler nutzen, auch günstige Wohnungen für Studenten anzubieten. Aber auch alternative Wohnformen für ältere Menschen, deren Anteil immer mehr wächst, stehen auf dem Arbeitszettel. Schwerpunkt liegt darauf, die Ressourcen zu schonen: also wenig Land und Energie zu verbrauchen. Nachhaltig eben.

Klare Vorstellungen gibt es schon, wie der Wirtschaftsstandort gestärkt werden soll. Handel und Dienstleistung wolle man in der nördlichen Innenstadt fördern. „Es muss aber auch allen klar sein, dass man ohne Industrie nicht leben kann”, legt Bürgermeister Bertram wert darauf, dass Eschweiler seine Identität nicht verliert. Neben der Unterstützung für bereits ansässige Unternehmen sollen auch brachliegende Flächen wieder zu neuem Leben erweckt werden. Das ehemalige Fuchs-Areal an der Jülicher Straße ist ein Beispiel dafür. Auch das Projekt „Camp Co2ZerO” im ehemaligen Camp Astrid liefert eine Möglichkeit, Brachflächen nachhaltig zu nutzen.

Der Umweltschutz zählt zu den bedeutendsten Themen der nächsten Jahre, auch in Eschweiler. Das Rathaus will die Bürger durch Beratungen, Workshops und Angeboten wie die „Eschweiler Energiespartage” informieren. Umweltfreundliche Energieformen sollen bei Baugebieten stärker gefördert werden. Dass die Stadt mit gutem Beispiel voranschreitet, belegt der Energiebericht. Zahlreiche Gebäude wurden saniert. Erst vor wenigen Monaten beschloss der Stadtrat, die alte Straßenbeleuchtung durch moderne Energiesparlampen auszutauschen.

Unter der Überschrift „Leistungsfähige soziale und technische Infrastruktur” verbirgt sich der Ausbau des Kindergartenangebots ebenso wie die Gestaltung der Schullandschaft. Mit der Erweiterung der Realschule und des Städtischen Gymnasiums habe man auch dort schon Schritte unternommen, so Hermann Gödde. Auch die Zusammenlegung der Hauptschulen ziele in die gleiche Richtung.

Baugebiete sollen in Zukunft stärker auf den Aspekt der Nachhaltigkeit überprüft werden, schließlich will die Stadt sparsamer mit dem Grund umgehen. So sollen nach Möglichkeit keine weiteren Flächen versiegelt werden. Das Gewerbegebiet Camp Astrid soll das Label „Eco Industrial Park” erhalten. Das Projekt „Bürgerwald Propsteier Wald” haben die Stadtväter noch nicht abgeschrieben, obwohl sich die Grundstücksverhandlungen hinziehen.

Zu guter Letzt steht auch der Öffentliche Personennahverkehr auf dem Prüfstand: Die Anbindung von St. Jöris an die Euregiobahn, die Park & Ride-Plätze und die Fahrradboxen steigern dessen Attraktivität. Bei Baumaßnahmen an Straßen will man nun verstärkt das Blickfeld auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer, also Kinder und alte Menschen, legen. Innenstadtnahe Wohnbereiche sollen vom Autoverkehr in Zukunft mehr verschont werden.

Einen großen Katalog gibt es in den nächsten Jahren zu bearbeiten. Bürgermeister Rudi Bertram spricht von einer „Herkulesaufgabe für die Stadt”.

Dies ist die Charta von Aalborg

Der vollständige Titel der Aalborg-Charta lautet „Charta der Europäischen Städte und Gemeinden auf dem Weg zur Zukunftsbeständigkeit” (Charter of European Cities & Towns Towards Sustainability).

Sie wurde am 27. Mai 1994 auf der Europäischen Konferenz über zukunftsbeständige Städte und Gemeinden in der dänischen Stadt Aalborg verabschiedet und seitdem von rund 2500 Verwaltungen in 39 Ländern unterzeichnet. Eschweiler trat ihr im Jahr 2001 bei.

Sie enthält eine Selbstverpflichtung für eine zukunftsbeständige, nachhaltige Politik und ist Ausgangspunkt der Europäischen Kampagne zukunftsbeständiger Städte und Gemeinden.

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