Einblicke in verzweifelte Seelen einer Familie

Von: bine
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Eine Schlüsselszene in dem Stück: Die Lehrerin findet die zusammengebrochene Bea und alarmiert den Rettungsdienst. Foto: Sabine Bergs

Eschweiler. Eigentlich ist sie ein ganz normaler Teenager, die 15-jährige Bea. Bis sie ihre Mutter durch einen tragischen Autounfall verliert. Ab da ist nichts mehr, wie es war. Sie und ihr Bruder ziehen mit ihrem Vater in eine größere, fremde Stadt und müssen sich im Alltag zurechtfinden. Ganz ohne den Halt der Mutter und ohne Unterstützung des Vaters, denn auch er ist mit der Situation vollkommen überfordert.

Kein übliches Thema für ein Musical, dass sich die Schüler des Städtischen Gymnasiums Eschweiler da ausgedacht haben. Aber nicht nur das unterscheidet diese Musical-Aufführung von den zahlreiche Vorgängern wie „Grease“, „Starlight Express“ und „Phantom der Oper“, die das städtische Gymnasium vor Jahren präsentiert hat. Das Stück stammt aus der Feder der Schüler selbst. Vor mehr als zwei Jahren hatten einige Pennäler nämlich die Idee, ein eigenes Musical zu schreiben, etwas Zeitgemäßes. Nun, zweieinhalb Jahre später ist es vollbracht. „Abgedreht“ lautet der Titel des Stücks, das jetzt Premiere feierte.

Gespenstige Stille

Zur Premiere: Der Vorhang fällt und die beiden Hauptakteure Cara Grafen als Bea und Noah Zeien als der „kleine“ Bruder Leon betreten die Bühne. Es herrscht gespenstige Stille in der Aula, als die beiden erfahren, dass ihre Mutter gestorben ist. Diesen Schmerz drückt die 15-jährige Bea in einem Lied aus, bei dem vielen Zuschauern im Saal eine Gänsehaut anzumerken ist, denn das Thema geht unter die Haut. Der gesamte erste Teil des Musicals, das die Schüler selbst ausgearbeitet haben, von der ersten bis zur letzten Note, ist stark durch die Verzweiflung und Hilflosigkeit des Mädchens und ihres Bruders geprägt. Dies führt zu skurrilen Situationen, als zum Beispiel der Bruder versucht, die Pizza mit dem Fön aufzubacken.

Der zweite Teil des Stücks wirkt lebendiger, aber nicht weniger dramatisch: Bea sucht Anschluss und findet ihn zunächst bei den falschen Menschen. Aber sie will ja dazugehören. Da kommt ihr das kleine Pillchen einer „Freundin“ sehr recht. Für eine Nacht lang geht es ihr gut und schnell glaubt Bea, die Lösung ihrer Probleme gefunden zu haben, denn was einmal funktioniert, kann ja auch immer wieder funktionieren.

Nur einer erkennt das Problem, ihr kleiner Bruder. Doch auf den will keiner hören. Es kommt, wie es kommen muss: Bea bricht tragisch zusammen und wird dank ihrer Lehrerin gefunden und ins Krankenhaus gebracht, wo sie letztlich erkennt, wer ihre wirklichen Freunde sind, aber sich bis zuletzt nicht eingestehen will, dass sie ein Drogenproblem hat.

„Verstaubte“ Lehrerin

Besonders der zweite Akt des Musicals lebt von den interessanten Rollen: von der „verstaubten“ Lehrerin, die nur sieht, was sie sehen will, vom Vater, dem alles zu viel wird, von den „coolen“ Mädels und dem kleinen Bruder, der hilflos daneben steht. Die ohnehin schon packende Handlung ist garniert mit ausdruckstarken Liedtexten, tollen Melodien und Hintergrund-Sounds sowie einer Hauptdarstellerin, der man ihre Rolle hundertprozentig abkauft.

Fazit: ein sehr emotionaler Abend, aus dem jeder Zuschauer seine Schlüsse ziehen kann. Er bleibt vor allem deshalb in Erinnerung, weil er das Potenzial der Darsteller, Autoren, Komponisten und Musiker offenlegte. Denn ein Musical vom ersten Gedanken bis hin zum letzten Akkord der Aufführung zu präsentieren, das gab es noch nie in Eschweiler.

Wichtig ist den Schülern noch, dass es sich nicht um eine erfundene Geschichte handelt, obgleich sicherlich ein Problem im heutigen Schulalltag ist, dass zwischenmenschliche Beziehungen zu kurz kommen. Dessen sind sie sich bewusst. Deshalb möchten sie Kindern helfen, denen es wie der Figur Bea geht: Sie spenden den Erlös der Veranstaltungen der Aachener Organisation Feuervogel, die sich um Kinder suchtkranker Eltern kümmert.

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