Eschweiler - Ein Vulkan vertreibt die Geister im Kulturbahnhof

Ein Vulkan vertreibt die Geister im Kulturbahnhof

Von: vr
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Anne Haigis
So rau und doch so gefühlvoll: Anne Haigis verzauberte ihr Publikum im Talbahnhof mit ihrer kraftvollen Stimme, die sowohl bluesig als auch rockig, nach Folk und Country klang. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Mit der Stimme lassen sich Geister vertreiben: die dunklen Geister, die einem auf der Seele lasten, die oberflächlich-routinierten Alltagsgespenster und am Samstag auch die „Bahnhofsgeister” im Talbahnhof, die Anne Haigis den ein oder anderen Streich beim Stimmen ihrer Gitarre spielten.

Pure Emotion, Kraft, Melancholie, voll wohltuender Vibration -Êall das vereint sich in Anne Haigis Reibeisenstimme, die ihrem begeisterten Publikum von erdigem Rock, tiefdunklem Blues bis hin zum ausgelassenen Country einen beeindruckenden Auszug ihres über mehr als 30 Jahre gewachsenen Repertoires bot.

Gänsehaut zu Beginn

„Wir hoffen, die Statik hälts aus”, begrüßte Eschweilers Jazzclub-Vorsitzender Norbert Klein die gebürtige Schwäbin und Wahl-Bonnerin auf der Bühne des ausverkauften Talbahnhofs. Um es vorweg zu sagen: Die Statik des Talbahnhofs hielt, die persönliche Gänsehaut-Statik jedoch war bereits nach den ersten gesungenen Zeilen von „Dancing in the fire”, das 1992 Melissa Etheridge für Anne Haigis geschrieben hatte, in pure Emotion getaucht.

Liegt zunächst noch der Vergleich mit Bonnie Tyler nahe, so wurde bereits beim zweiten Titel „All I wanna do”, einem Country-Song, klar, dass sich Anne Haigis mit niemanden vergleichen läßt und dies vor allem auch nicht muss, hat sie doch ihren ganz eigenen Sound entwickelt, von ihren Anfängen im Jazz der „Interstate Roadshow” 1974 über den Deutsch-Pop, grundsolidem Rock bis hin zu „Back to the Blues”, bei dem sie schließlich mit ihrem aktuellen Album „Good Day for the Blues” angekommen ist und aus dem sie „Sweet forgiveness”, „Can„t let go” und „Top of the world” präsentierte.

Klassiker der 80er Jahre

Den deutschsprachigen Block bildeten zwei Klassiker von Anne Haigis: der 80er-Jahre-Hit „Kind der Sterne” stieß bereits nach den ersten Takten auf helle Begeisterung bei ihren treuen Fans, während „Nacht aus Glas” unterstützt vom atmosphärischen Schein der Kerzen auf der Bühne eine Melancholie ausstrahlte, die der großen Trude Herr absolut gerecht wurde. Nicht umsonst wirkte Anne Haigis gerade mit diesem Lied bei der legendären Trude-Herr-Revue kurz nach deren Tod auf der Kölner Domplatte mit, und wieder einmal hierbei wurde deutlich, dass dieser stimmliche Vulkan auch ein sehr tiefer, dunkler See sein kann.

Ein weiterer Höhepunkt aus dem musikalischen Schaffen Anne Haigis durfte ebenfalls nicht fehlen: „No mans land”, das sie Anfang der 90er Jahre mit Eric Burdon und Tony Carey sang.

Blindes Verständnis herrschte bei allen Songs zwischen Haigis und ihrem Gitarristen Jens Filser, der nicht umsonst zu den besten Blues- und Jazzgitarristen Deutschlands zählt. Mit ausgefeilten Fingerpickings, viel Improvisation und technisch fehlerfreiem Spiel gelang es ihm immer wieder, die wilde Stimme seiner Partnerin geradezu einzufangen und die Melodie eines Stückes voranzutreiben.

Höhepunkt war das mehrminütige Solospiel zum letzten Song des Abends „When the night gets blind”, das einen würdigen Abschluss am Samstag Abend im Talbahnhof bildete.

Nicht ganz, denn ohne die Zugabe „If God was one of us” wollten die begeisterten Fans Anne Haigis und Jens Filser nicht von der Bühne lassen und eines dürfte seitdem klar sein: Die Bahnhofsgeister in Eschweiler müssen Annes Blues und Folk lieben, denn mehr als zweimaliges Stimmen der Gitarre war dann auch nicht mehr nötig.
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