Ein vielseitiger Musik-Mix zum Verlieben

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Rasende Soli, hinreißende Duette: Reno Schnell und Peter Sonntag von Final Virus am Samstag auf der Bühne im Talbahnhof.

Eschweiler. Ungarische Geigenmelodien. Zerhackte Musikcollagen à la Frank Zappa. Rockige Gitarrensoli. Ein indonesisches Volkslied. Und das alles zusammen? Geht das? Oh ja! Das geht nicht nur, das wird zu einer musikalischen Einheit. Das bewies die Rock-Jazz-Formation Final Virus am Samstag im Talbahnhof mit einem grandiosen Konzert.

Final Virus - eine Band aus Individualisten mit sehr persönlichen, unverwechselbaren Stilelementen - und diese Individualisten schaffen es spielerisch, ihre sehr, sehr unterschiedliche musikalischen Zutaten in klugen Arrangements zu etwas mitreißend Neuem zu vermischen. Das kommt so locker, so selbstverständlich und so spielfreudig von der Bühne.

Sonntag und Schnell der Kern

Peter Sonntag, der als Jazz-Bassist zu den ganz Großen der Musikszene gehört (und so lange schon!) und die Rock-Gitarristin Reno Schnell sind seit vielen Jahren der Kern von Final Virus. Als Schlagzeuger ist Max Sonntag dabei. „Mein Herzblut, mein Sohn, meine Rente” - so stellte Peter Sonntag ihn vor.

Individualist Nummer 4: der E-Geiger Mario Triska, der entspannt lächelnd rasante Läufe fiedelt, bei denen ein geübter Zigeuner-Primas blass werden könnte. Ebenfalls unverwechselbar ist Posaunist und Keyborder Markus Plum, dessen rhythmisch hart und klar geblasene Soli immer wieder mitreißen. Am Samstag im Talbahnhof wurde er unterstützt von Jeannine und André Köbernik, die als „Youngblood Horns” gemeinsam mit Plum eine anhörenswerte Bläsergruppe bildeten.

Musik von Franz Zappa, von Jeff Beck, eine Komposition des panamaischer Jazz-Schlagzeugers Billy Cobham, dann wieder Adaptionen osteuropäischer Volksmusik oder klassischer Stücke - die Band hangelte sich von einer musikalischen Überraschung und einem Experiment zur nächsten. Hinreißend eine Rock-Fassung von Aram Chatschaturjans Säbeltanz, gespielt in der Manier von Jimi Hendrix. Und immer wieder Beifall für rasende Soli von Star-Gitarristin Reno Schnell, deren Fingertapping an Eddie van Halen erinnert.

Für die ganz großen Momente dieses Konzerts, für die Gänsehaut-Momente, sorgte aber das neueste Bandmitglied, die Sängerin Julita Elmas. Nicht nur, weil ihre warme, soulige Stimme wie geschaffen scheint für Balladen - sie lebt geradezu ihre Songs, ist in jedem Ton präsent. Am deutlichsten wurde das bei „Epitaph” vom 1969 erschienenen Debütalbum der englischen Rockband King Crimson. „Epitaph” ist schwierig, erzählte Julita Elmas in der Pause. „Das kannst du nicht so einfach covern. Und wir haben es nur viermal geprobt. Aber wenn die Band dich so trägt als Sängerin, so sicher - dann kannst du auf einmal fliegen.”

Dieses Gefühl, mit der Melodie zu fliegen - getragen und gehalten vom Sound der Band, in Zwiesprach mit der Gitarre von Reno Schnell, den virtuosen Basslinien von Peter Sonntag oder der Geige von Mario Triska - übertrug sich immer wieder auf die Zuhörer. Bei Stücken wie „A whiter shade of pale” von Procol Harum, bei einem indonesischen Volkslied, beim Beatles-Titel „A day in the life”, und selbst bei dem 60er-Jahre-Schlager „Wild Thing” von den Troggs.

Als Julita Elmas, ganz am Schluss des Konzerts, als vierte Zugabe, noch einmal „Epitaph” intonierte, fragte Peter Sonntag ins Publikum: „Kann jemand mal Bass für mich spielen? Dann komme ich runter zu euch und höre es mir mit euch an. Es ist zum Verlieben.”
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