Eschweiler - Ein Stück Peru mitten im Maarfeld

WirHier Freisteller

Ein Stück Peru mitten im Maarfeld

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:
lama5_
Schaut schon ganz schön keck in die Welt: das kleine Bergrather Lama-Fohlen. Noch hat das Wollknäuel auf den staksigen Beinen keinen Namen. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Was dem einen sein Lamm, ist dem anderen sein Lama. In diesen Tagen, in denen allerorten Osterlämmer das trübe Licht der Vorfrühlingssonne erblicken, stolziert in Bergrath ein neugeborenes Lama auf staksigen Beinen durch die Welt.

In Bergrath - nicht in Ayacucho, Pachacámac oder Chachapayos in Andenhochland Perus. Eine absolute Rarität in unseren Breiten, weiß Elfie Weidenhaupt. Sie ist es, die dafür gesorgt hat, dass das wollige Baby mitten im Bergrather Neubaugebiet eine Heimat gefunden hat. Gemeinsam mit vier anderen, ausgewachsenen Artgenossen.

Begonnen hat alles vor knapp zwei Jahren. Damals unternahmen Elfie und ihr Mann Werner mit der Eschweiler Volkshochschule eine Studienreise durch Peru und Bolivien. „Das war klasse - total beeindruckend, perfekt organisiert und mit toller Reiseleitung”, schwärmt die Bergratherin. Und Tierfreundin Elfie verguckte sich völlig in die langhaarigen Minikamele, die in den Anden nach wie vor als Lasttiere beliebt sind. Wenig später, wieder zu Hause, eröffnete sie ihrem Mann ihren Geburtstagswunsch: ein Lama!

Lamas sind Herdentiere und brauchen Gesellschaft. Was aus einem Lama mindestens zwei machte. Werner Weidenhaupt machte sich im Internet auf die Suche. Informierte sich über Ansprüche der Tiere an Haltung und Ernährung, erkundigte sich nach Züchtern und Preisen. Und bekam zunächst einen Schock: Bis zu 10.000 Euro kostet ein Alpaka. Der feinen Wolle wegen. Gewöhnliche Lamas dagegen gibt´s schon für 200 bis 300 Euro. Weil deren Wolle zu grob ist, um es außerhalb archaischer Andendörfer zu Beliebtheit zu bringen. In der Lüneburger Heide fanden die Weidenhaupts einen Züchter. Und holten die ersten beiden ihrer Lamas nach Bergrath.

Lange blieb das exotische Duo dort nicht allein. Dann mussten zwei weitere Tiere her. Weidenhaupts fanden sie in einem Tierpark bei Paderborn: zwei Stuten, eine davon gedeckt.

Zu Rudi und Möhrchen gesellten sich Elisa und Luzie. Ein stolzes Quartett, das auf seiner rund einen Hektar großen Wiese mitten im Bergrather Wohngebiet durchaus für Besucherzustrom sorgte. Und das erst brecht seit dem 7. März: An diesem sonnigen Sonntagmorgen, so erinnert sich Elfie Weidenhaupt, bellte plötzlich Hund Hunter wie wild vor dem Küchenfenster.

Als sie nachschaute, was los war, hatte gerade das Kleine erstmals Morgenluft geschnuppert. „Nach einer Stunde konnte es stehen - das war was wie eine Leberwurst mit Beinen”, sagt Elfie Weidenhaupt. Den Tag der Geburt wusste sie natürlich nicht im Voraus, wohl aber den Zeitpunkt der Geburt: „Lamas kommen immer vormittags und nur bei gutem Wetter zur Welt: Die Stuten können die Neugeborenen nicht ablecken, also müssen die Kleinen in der Sonne trocknen.”

Einen Namen hat das Kleine noch nicht: „Vielleicht fällt ja den Kindern ein passender ein”, sagt Werner Weidenhaupt. Und meint damit die Mädchen und Jungen der beiden nahen Kindergärten, die immer mal wieder gerne am Lamagehege vorbeischauen.

Und dabei brauchen sie keine Angst zu haben, von den Tieren bespuckt zu werden. Denn was Lamas immer wieder nachgesagt wird, stimmt nur zur Hälfte: Die Tiere spucken nur, wenn sie in der Herde Kämpfe um die Rangordnung austragen. Dass sie Menschen eine Ladung des halb verdauten, grünen, übelriechenden, aber sonst harmlosen und leicht abwaschbaren Mageninhalts verpassen, das kommt eigentlich nur bei Tieren vor, die zum Beispiel in Zoos von Menschen großgezogen wurden und die Zweibeiner als Herdengenossen betrachten.

Äußerst pflegeleicht

Elfie und Werner Weidenhaupt sind überrascht, wie pflegeleicht ihre exotischen Mitbewohner auf dem riesigen Grundstück im Maarfeld sind. „Die brauchen nur ein wenig Wasser und Heu”, sagt Dipl.-Ing. Werner Weidenhaupt. „Kein Brot oder anderes Zufutter. Eigentlich ist unser hiesiges Gras für die Tiere im Vergleich zu dem Gras im Andenhochland schon zu fett.” Dass es ihnen schmeckt, sieht man: Die Wiese sieht aus wie mit dem Rasenmäher bearbeitet. Die Tiere mit den Polstersohlen sind rasenfreundlich, machen im Gegensatz zu Pferden und deren Hufen nichts kaputt. Und sie sind äußerst reinlich, erleichtern sich immer an derselben Stelle: Das erleichtert die Entsorgung. Und scheren muss man die Wollkamele auch nicht.

„Ein offener Unterstand, eine 1,50 m hoch eingezäunte Wiese, mehr brauchen die Tiere nicht”, sagt Werner Weidenhaupt. Auch Lärm ist den Lamas fremd: „Die geben nur schon mal eine Art Summton von sich.” Nichts, was das Mittagsschläfchen stört.

Die nächste große Reise führt das Ehepaar Weidenhaupt übrigens nach Vietnam und Kambodscha. „Nein”, sagt Werner Weidenhaupt mit Seitenblick auf seine Elfie, „verlassen Sie sich drauf: Wir werden hier demnächst keine Elefanten halten!”

Lamas gehören zur Familie der Kamele, sind Paarhufer und Schwielensohler. Die höckerlosen Tiere mit dem wissenschaftlichen Namen Lama glama stammenden vermutlich von den Guanakos, ebenfalls Bewohner der Anden, ab. Sie erreichen eine Schulterhöhe von 1,30 m und werden bis zu 150 kg schwer. In Südamerika werden etwa drei Millionen der Tiere vorwiegend als Lasttiere und ihres Fleisches wegen gehalten. In Europa finden sich Lamas vor allem im Schwarzwald, in der Schweiz und in Mecklenburg - bei uns werden sie lediglich in der Nähe von Prüm und Euskirchen gehalten.

Im Gegensatz zu Osterlämmchen braucht Weidenhaupts Osterlama eines nicht zu fürchten: im Backofen zu landen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert