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Ein Sommer, dem ein Luxusgut fehlt

Von: Christina Diels
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Zwei Artikel, die in diesem So
Sonnenbrillen zählen zu den Artikeln die in diesem Sommer bislang den Laden hüten. Foto: dpa

Eschweiler. Im Frühling war alles gut. Die Sonne strahlte. Die Kinder schleckten ihre erste Eiskugel des Jahres unter freiem Himmel, die Cabriofahrer klappten ihr Verdeck um und die Menschen in den Cafés setzten sich ihre Sonnenbrillen auf die Nase. Doch dann kam der Sommer.

Und mit ihm das schlechte Wetter. Das Gesicht mal eben in die Sonne halten oder im Bikini ins heimischen Freibad springen? Ein seltener Spaß.

Und auch vielen Geschäftsleuten in der Innenstadt macht der Sommer bislang einen Strich durch die Rechnung. Dazu zählt zum Beispiel Willi Kirchoff. Der Inhaber eines Optik-Geschäfts in der Grabenstraße winkt ab, wenn er an die vergangenen Monate zurückdenkt: „Es war bei uns zwar nicht so katastrophal wie nebenan im Eiscafé”, sagt er. „Aber wir haben viel weniger Sonnenbrillen als im Vorjahr verkauft.” Die Laufkundschaft bliebe aus bei Regenwetter, meint seine Mitarbeiterin. Da helfen auch die ausgefallensten Modelle im Schaufenster nichts.

Vasili Vavouras, Mitarbeiter in einem Eiscafé in der Neustraße, unterscheidet zwischen der Bewirtung im Freien und im Café selbst: „Für die Außengastronomie war es ein sehr trauriger Sommer”, gibt er zu. „Aber für den Innenbereich war es gut.”

Trotz Sonnenentzug bleibt sein Kollege von der Konkurrenz, Cero Zammatteo, vollkommen gelassen. In seinem türkisfarbenen T-Shirt steht er hinter der Theke seiner Eisdiele in der Marienstraße. „Ich kann mich nicht beklagen”, sagt Zammatteo ruhig. „Natürlich ist es etwas anderes, wenn die Sonne scheint, aber es ist Urlaubszeit und da essen die Leute auch bei Regen Eis.”

Einen geändertes Kaufverhalten der Kunden in diesem Sommer im Vergleich zum Vorjahr kann Schuhverkäuferin Annemarie Porschen nicht feststellen. „Die Sandalen haben wir trotz des schlechten Wetters gut verkauft”, sagt sie. Und sie betont: „Im April und Mai hatten wir auch gute Tage.” Und die Regenschirme, die vorne im Eingangsbereich stehen, seien „genauso gut geangen wie sonst”.

Einen Unterschied zum Vorjahressommer sieht dagegen Hannelore Wolter dagegen in ihrer Buchhandlung in der Marienstraße. „Die Leute haben Langeweile”, sagt die Geschäftsführerin und lacht. Wolter ist zufrieden, wie ihr Geschäft läuft. „Wir verkaufen gut Bücher bei diesem schlechten Wetter”, erzählt sie. „Die Leute decken sich für den Urlaub mit Büchern ein aus Angst, dass sie bei schlechtem Wetter nicht rauskommen.” Das gelte sowohl für die Kinder als auch für die Erwachsenen.

Einmal sei ein Kunde zum dritten Mal in einer Woche gekommen, erzählt Wolter, um neue Bücher zu kaufen und habe gesagt: „Dieses schlechte Wetter haben Sie doch bestellt!”

Während die Bücher aus dem Regal in die Hände ihrer Leser wechseln, bleiben die Tuben und Flaschen mit Sonnenmilch im Regal stehen. „Wenn das Wetter nicht besonders ist, braucht keiner Sonnenmilch”, sagt eine Mitarbeiterin einer Apotheke in der Grabenstraße. Dafür habe sie sehr oft Antibiothikum verkauft. „Das haben die Ärzte viel aufgeschrieben. Und für den Sommer hatten ungewöhnlich viele Leute eine Erkältung”, fügt sie hinzu.

Wenn die Sonne zuhause nicht scheint, flüchten die Menschen in den Urlaub, oder sie tanken künstliches Licht unter der Sonnenbank. Vorausgesetzt, sie können es sich leisten. Dagmar Lambertz, Inhaberin eines Reisebüros an der Neustraße, hat in den vergangenen Wochen viele Kurzentschlossene bedient: „Last-minute ist gelaufen ohne Ende”, sagt sie. „Und es ist mehr Sonne gebucht worden im Vergleich zum Vorjahr.”

Gegen den natürlichen Sonnenschein müssen die Sonnenstudios normalerweise jeden Sommer kämpfen. „Dieses Jahr war es besser”, sagt eine Mitarbeiterin eines Sonnenstudios in Eschweiler. Das klassische Sommerloch sei ausgeblieben. „Das hing natürlich vom Wetter ab, denn außer ein paar Tagen zwischendurch hatten wir kein gutes Wetter.” Allerdings, schränkt sie ein, sei die Nachfrage ingesamt gesunken. „Das Solarium ist für viele Luxus, da verzichten die Menschen als erstes drauf.”

Nur von schlechtem Wetter können die Sonnenstudios auch nicht leben. Die Hersteller von Allwetterkleidung schon eher. Regenstiefel und Regenjacken sind bei Rosemarie Hahn viel über die Theke gegangen. „Und wenn wir Gummistiefel im Sortiment hätten, hätten wir die bestimmt verkauft”, sagt die Mitarbeiterin in einem Sportartikelladen auf der Englerthstraße. Bikinis, Badeanzüge und Badeschlappen Bademode dagegen hüten noch immer das vordere Schaufenster. Und draußen vor dem Geschäft steht ein Kleiderständer mit Bademoden, an dem ein Schild hängt, „20 Prozent reduziert” steht darauf. „Bei schlechtem Wetter tut es auch der alte Badeanzug noch”, erklärt sich Hahn das Kaufverhalten der Kunden. „Nur bei gutem Wetter legen sich die Leute einen neuen Badeanzug zu.”

ff Anders sieht das Marita Bey, Inhaberin eines Geschäfts für Sport- und Bademoden in der Neustraße. „Wir haben zwar eine Hauptsaison, trotzdem ist Bademode heute ein Artikel, der ganzjährig verkauft wird”, sagt sie. Und darum kann sie auch mit einem verregneten Sommer gut leben. „Wir haben Glück und haben keinen Unterschied zum Vorjahr bemerkt”, sagt sie.

Ingo Winands, stellvertretender Geschäftsleiter von Real in Eschweiler, wartet noch auf den Sommer. „Bislang gab es ja noch keinen Sommer”, sagt er und lacht. „Das Kaufverhalten hat sich nicht verschlechtert, aber speziell Gartenmöbel und Camping haben gelitten.” Nun setzt Winands auf die zweite Ferienhälfte. „Wir hoffen, dass sich der Himmel auftut.

Denn entgegen der allgemeinen Konjunkturbelebung ist das schlechte Wetter schon eine Bremse gewesen.” Man könne die fehlenden Umsätze aufgrund des schlechten Wetters auch nicht durch den Verkauf von Produkten wie Regenschirmen oder ähnlichem ausgleichen. „Regenschirme werden wirklich nur spontan gekauft,”, sagt der Fachmann. „Und Gummistifel eigentlich gar nicht, so starke Unwetter haben wir hier in der Region gar nicht.”
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