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Ein Silbergefäß erinnert an die Frauenhilfe

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Foto-Erinnerungen aus zwölf ereignisreichen Jahren: So lange leitete Marlene von Wolff die jetzt aufgelöste Evangelische Frauenhilfe.

Eschweiler. Abschiede tun weh. „Eine Ära geht zuende”, sagte Pfarrer Dieter Sommer. Nicht nur in seiner Predigt, auch in den Gesprächen der Frauen war viel Wehmut zu spüren. Die Evangelische Frauenhilfe Eschweiler gibt es nicht mehr.

Eine einstimmige Auflösung wurde im Sommer 2009 von den 14 aktiven Frauen beschlossen. Mit einem Abschlussgottesdienst in der Dreieinigkeitskirche wurde dann am 8. Dezember der endgültige Abschied gefeiert. Marlene von Wolff, die zwölf Jahre lang bis zum Schluss die Frauenhilfe mit Dankbarkeit und vielen schönen Erinnerungen geleitet hatte, zog jetzt Bilanz.

Gelebte Ökumene

Die Frauenhilfe Eschweiler - das war nicht nur gelebte Christlichkeit, es war auch gelebte Ökumene. „Ich denke, das war einzigartig, dass ich als katholische Christin so viele Jahre lang eine evangelische Organisation geleitet habe.” Als vor zwölf Jahren eine Leiterin für die Gemeinschaft gesucht wurde, hat sie einfach „Ja” gesagt. Ökumene empfindet sie als etwas Selbstverständliches, nicht nur innerhalb der Familie - ihr Mann ist als evangelischer Christ ebenfalls seit vielen Jahren in der Gemeinde aktiv.

Und warum nun die Auflösung der Frauenhilfe, die immerhin über 62 Jahre lang in Eschweiler bestanden hat? „Wir wurden immer weniger und immer älter”, ist die erste Begründung. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren es vor allem junge Frauen, die in der Frauenhilfe zusammenkamen, um sich für Müttergenesung und Weiterbildung zu engagieren. Dabei wollten sie sich für eine bessere Akzeptanz in der Gesellschaft und der Kirche einsetzen. Doch diese jungen Frauen sind inzwischen über 80 Jahre alt. Am Ende wurde es schwierig, den vom Landesverband der Frauenhilfe geforderten satzungsgemäßen Vorstand zusammenzubekommen - da braucht man eine Kassiererin, eine Schriftführerin, Beisitzerinnen. Und die Arbeit wurde nicht weniger, auch wenn der Kreis schrumpfte.

Zwei Mal im Monat traf sich die Frauenhilfe im Martin-Luther-Haus. Auch wenn dabei traditionell Kaffee getrunken wurde, waren das keine Kaffeekränzchen - es gab jedes Mal eine Andacht und ein informatives Thema. Das bedeutete für Marlene von Wolff: „Ich habe alle zwei Wochen Referenten besorgt oder mir selbst ein Thema ausgedacht, habe Fahrten organisiert und Bibelnachmittage.” Das war viel Arbeit. Wer in den Fotoalben dieser Treffen blättert, ahnt: Es war sogar sehr viel Arbeit. Aber schön! Voll Begeisterung erzählt Marlene von Wolff, wie sie vor fünf Jahren nicht ohne Widerstand „den Karneval in die Evangelische Gemeinde gebracht” hat. Dennoch sind die Sitzungen mit eigenen Kräften, Kindergruppen und Büttenreden engagierter Gemeindemitglieder sehr gut angekommen.

An viele erlebnisreiche Ausflüge erinnern die Fotoalben der Frauenhilfe-Vorsitzenden. So zum Altenberger Dom bei Burscheid, der - eine Kuriosität in Deutschland - von evangelischen und katholischen Christen gemeinsam genutzt wird, wenn auch, wie von Wolff bedauert, ohne große Gemeinsamkeiten. Ebenfalls dabei: ein Besuch im Kloster Maria Laach und eine adventliche Fahrt zur Besichtigung einer Kerzenfabrik. Selbstverständlich gibt es auch wunderbare Erinnerungen an die Weihnachtsfeiern und die Weltgebetstage. Bei den Erinnerungen zum 60-jährigen Bestehen im April 2007 ergreift sie allerdings wieder die Wehmut. Unwiderruflich war es das letzte Jubiläum!

Eine wichtige Aufgabe sah Marlene von Wolff darin, Themen in die Frauenhilfe einzubringen, die ältere Menschen bewegen. Gedächtnistraining war ein wichtiges Thema, ebenso „Erben und Vererben”. So manchen Vortrag, wie den über Maria von Wedemeyer, die Verlobte des Theologen Dietrich Bonhoeffer, der von Nazis umgebracht wurde, hielt sie selbst.

Damit die Erinnerung an die Frauenhilfe in der Evangelischen Gemeinde Eschweiler lebendig bleibt, gab es zur Auflösung der Gemeinschaft ein Abschiedsgeschenk. Die Frauen übergaben der Gemeinde ein liturgisches Gefäß, eine Patene aus Silber zur Aufbewahrung der Hostien für das Abendmahl.

Natürlich treffen sich die letzten Mitglieder der Frauenhilfe trotz offizieller Auflösung weiterhin. Inzwischen bereitet Pfarrer Dieter Sommer die Gründung eines „Mittwochstreffs” vor, den er selbst leiten wird. „Da können dann auch Männer hin”, lächelt Marlene von Wolff. Denn die Frauenhilfe - das war wirklich eine Organisation nur für Frauen.
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