Ein Leben lang engagiert: Heinz Hesseler wird 80

Von: ran
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Blickt auf acht Jahrzehnte zurück: SPD-, Karnevals- und Vieles-Mehr-Urgestein Heinz Hesseler feiert seinen 80. Geburtstag. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Die besonders schönen und die wirklich schlimmen Dinge bleiben immer in Erinnerung!“ Zum Glück überwiegen im Leben von Heinz Hesseler die positiven Ereignisse bei weitem. Am kommenden Dienstag feiert der Träger des „Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ nun einen besonderen Geburtstag.

Heinz Hesseler vollendet sein 80. Lebensjahr und blickt auf acht Jahrzehnte zurück, die die Welt sehr verändert haben. Starb sein Vater noch in französischer Kriegsgefangenschaft, wurde der Ur-Indestädter, dem die Verbindung zu Eschweilers französischer Partnerstadt Wattrelos nach wie vor sehr am Herzen liegt, von den dortigen Honoratioren bereits vor vielen Jahren mit dem „Diplome d´honneur“ ausgezeichnet.

Die Kindheit des am 10. Juni 1934 Geborenen war durch die Kriegs- und Nachkriegszeit geprägt. „Wir haben während des Kriegs in einem Bunker am Hohen Stein, von dessen früherer Existenz heute kaum noch einer weiß, quasi gewohnt“, erinnert sich Heinz Hesseler an zum Glück längst vergangene Zeiten. Und auch nach 1945 ging es zunächst nur langsam aufwärts.

„Meine Mutter, die meine drei Geschwister und mich alleine aufzog, erhielt eine Witwenrente von 52 Mark“, schüttelt das Geburtstagskind auch heute noch den Kopf. An einen wahrlich unglaublichen Moment denkt Heinz Hesseler aber gerne zurück: „Nämlich an den, als mein totgeglaubter Bruder Hubert auf einmal bei uns in der Wohnung an der Steinstraße stand!“

Nach dem Volksschulabschluss im Jahr 1948 begann der Vater von Tochter Sibille, Großvater der Enkel Tatjana und Thomas sowie Urgroßvater von Urenkel David dann eine Lehre als Anstreicher, wechselte aber 1950 zum EBV, wo er im Walzwerk beschäftigt war. Die letzten 15 Jahre seiner beruflichen Laufbahn führten ihn schließlich als Werkstoffprüfer zu den ESW-Röhrenwerken.

Darüber hinaus stand gesellschaftliches Engagement bei Heinz Hesseler hoch im Kurs. 1968 trat er in die SPD ein, zu der er bereits vorher „familiäre Verbindungen“ unterhielt, schließlich war sein Onkel Franz Rüth 25 Jahre lang Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion und fungierte als stellvertretender Bürgermeister. Dass ihn sein eigener Weg auch einmal für viele Jahre in den Eschweiler Stadtrat führen sollte, war Ende der 60er-Jahre aber noch lange nicht ausgemacht. Doch vier Jahre später saß er als sachkundiger Bürger im Sportausschuss und 1975 begann die 28-jährige Ära als Stadtratsabgeordneter.

„In dieser Zeit habe ich nur einmal meinen Wahlbezirk nicht geholt“, betont das Geburtstagskind, das von 1979 bis 1999 das Amt des Fraktions-Geschäftsführers unter den drei Fraktionsvorsitzenden Erich Berschkeit, Albert Wegmann und Thomas Stevens inne hatte. Der Sozialdemokrat sieht in seiner Arbeit für die „Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen“, die er im Jahr 1974 in der Duisburger Mercatorhalle als Delegierter mitgründete und deren Unterbezirk Aachen er zeitweise führte, einen weiteren wichtigen Faktor seiner politischen Arbeit.

„In dieser Funktion bin ich mit Persönlichkeiten wie Herbert Wehner, Egon Bahr und Hans-Jürgen Wischnewski zusammengekommen“, unterstreicht der Jubilar, der seit 57 Jahren mit seiner Christel verheiratet ist. „Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte mein politisches Engagement wesentlich geringer ausfallen müssen“, ist Heinz Hesseler dankbar. So erinnert er sich schmunzelnd an den Tag, an dem seine Tochter Sibille standesamtlich heiratete.

„Am gleichen Tag war eine Ratssitzung anberaumt. Und bei nur einer Stimme Mehrheit herrschte Anwesenheitspflicht“, standen zwei wichtige Termine im Kalender, die natürlich beide wahrgenommen wurden. Des Weiteren musste das Ehrenmitglied des SPD-Ortsvereins Süd als Kommunalpolitiker die Erfahrung machen, dass häufig ein langer Atem notwendig ist, um Projekte durchzusetzen, sich Beharrlichkeit aber auch immer wieder auszahlt.

„Alleine das Ampelprojekt Steinstraße-Gutenbergstraße-August-Thyssen-Straße umzusetzen, hat zwei Jahre gedauert“, blickt der klare Befürworter der Fraktionsdisziplin zurück. „Ohne Mehrheiten geht schließlich nichts“, so die Begründung des Trägers der Verdienstmedaille der Stadt Eschweiler, dessen Liebe auch der „Fastelovend“ gilt. Seit nun beinahe 66 Jahren trägt Heinz Hesseler die Uniform der KG Lustige Reserve, für die er 1960 als Zeremonienmeister von Prinz Hans II. fungierte.

In einer im Vergleich zu heute nicht nur karnevalistisch anderen Zeit. „Karneval ist heutzutage ein gesellschaftliches Ereignis und ein Wirtschaftsfaktor. Das war damals noch nicht so“, zieht der Liebhaber der Chormusik, der auch die KG Ulk Oberröthgen als „Ehrenmützenträger“ repräsentiert, einen Vergleich.

Jeder ist willkommen

Wer nun meint, die Aufzählung der nebenberuflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten Heinz Hesselers sei vollzählig, hat sich (deutlich) getäuscht: Zehn Jahre war Heinz Hesseler Schöffe am Landgericht, auch innerhalb der IG Metall und der Arbeiterwohlfahrt brachte er sich ein. Und so ist folgender Satz nur allzu erklärlich: „Mich ärgern Neider und Nörgler, die zu allem ihren Senf dazugeben, aber nicht daran denken, sich für das Gemeinwohl einzusetzen!“, so der Noch-nicht-ganz-80-jährige, den auch schon mal das Fernweh packt.

„Fasziniert haben mich Reisen nach Russland und Kenia, wo soziale Unterschiede eklatant sind, aber auch nach Norwegen, wo ich das Gefühl hatte, es mit zufriedenen Menschen zu tun zu haben.“ Eine gesellschaftspolitische Entwicklung in seinem Heimatland macht Heinz Hesseler jedoch ganz schön zu schaffen. „Die Einschränkung meiner persönlichen Freiheit, in einer angenehmen Gesellschaft innerhalb einer Gaststätte meine geliebte Zigarette nicht mehr rauchen zu dürfen, trifft mich schwer“, erklärt er augenzwinkernd.

Dies hindert ihn natürlich nicht daran, seinen Ehrentag gebührend zu feiern. Am kommenden Sonntag, 15. Juni, findet ab 11 Uhr in „Mexi´s Party Eck“, Markt 1, ein Umtrunk statt. „Auf persönliche Einladungen habe ich verzichtet. Aber ich freue mich über jeden Freund und Weggefährten, der am Sonntagvormittag vorbeischauen möchte“, so das Geburtstagskind. Es könnte also durchaus eng werden.

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