Eschweiler - Ein klares Signal an die „braune Brut”

Ein klares Signal an die „braune Brut”

Von: Michael Cremer
Letzte Aktualisierung:
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Mehr als hundert Teilnehmer zeigten am Samstag mit einer Demonstration durch die Innenstadt Flagge gegen Rechts. Foto: Michael Cremer

Eschweiler. Mit einer Kundgebung, einer Demonstration und einer Schweigeminute zeigten am Samstag etwa 150 Nazigegner in der Innenstadt Flagge gegen Rechts.

Die Eschweiler Bürgerinitiative „Gemeinsam gegen Neonazis” hatte zu der Aktion aufgerufen, die sich gegen einen Stand der NPD in der Grabenstraße richtete. Die Stadt hatte den Stand aufgrund fehlender rechtlicher Handhabe genehmigen müssen.

Schon eine Stunde vor der für 9.30 Uhr angekündigten Kundgebung sammelte sich in der Innenstadt ein größeres Polizeiaufgebot; den Einsatz leitete Polizeihauptkommissar Wolfgang Robioneck. Ein Teil der Beamten postierte sich an der Englerth- und der Marienstraße und sorgte hier für einen „kontrollierten Zugang” zur südlichen Grabenstraße.

Zur Kundgebung, die unter anderem von allen im Eschweiler Rat vertretenen Fraktionen, dem DGB sowie verschiedenen Organisationen wie VVN und Antifa unterstützt wurde, versammelten sich die Demonstranten auf der Marienstraße direkt vor der Absperrung der Fußgängerzone - um „in Ruf- und Sichtweite zu den Neonazis” zu bleiben, wie es Frank Taufenbach, Sprecher der Bürgerinitiative, formulierte. Eine Demonstration durch die Grabenstraße und eine ebenso geplante Schweigeminute dort hatte die Polizei untersagt. Dort hatten inzwischen eine Handvoll NPD-Leute, darunter der Stolberger Willibert Kunkel, und ein in Schwarz gekleidetes Häuflein Neonazis der „Kameradschaft Aachener Land” um ihren „Kameradschaftsführer” Rne Laube Posten bezogen.

Einer der Redner am Samstag war Bürgermeister Rudi Bertram, der an die Gründung der Bürgerinitiative Mitte der 90er Jahre erinnerte. „Wir haben es damals geschafft, einen rechtsradikalen Verlag durch geeintes Auftreten zu vertreiben.” Damit sprach Bertram auf Manfred Rouhs und seinen Verlag „Europa vorn” an, der sich zeitweise in Dürwiß eingenistet hatte. „Eschweiler setzt heute wieder ein Zeichen”, fuhr Bertram fort. „Wir stehen für Toleranz und für Miteinander.” Aber, so der Bürgermeister, es gebe „null Toleranz gegen Rechts”. Auch sein Stolberger Amtskollege Ferdi Gatzweiler bezog klar Position: „Wir wollen diese braune Brut nicht in unseren Städten.”

Frank Taufenbach sprach von der „guten Tradition” in Eschweiler: „Wir haben es zweimal geschafft, Nazifunktionäre zu vertreiben.” Die NPD betreibe mit ihrem „so genannten Infostand” Hetze gegen den Neubau einer Moschee in Aachen und mache Werbung für eine von der NPD beabsichtigte „Provokation” am 25. September dort.

Taufenbach rief wie Kurt Heiler von der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten) alle Demokraten auf, sich dem Aachener Bündnis gegen Rechts anzuschließen und an diesem Tag Flagge zu zeigen. Nicht nur der VVN habe wiederholt die Forderung gestellt, „dass diese Leute verboten gehören”. Heiler: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.” Für das Aachener Bündnis sprach Ludger Bentlage: „Für mich ist es unerträglich, dass diese NPD überhaupt noch existiert.”

Nach der Kundgebung zog der Demonstrationszug durch die Innenstadt: über Neu- und Englerthstraße und weiter über die Indestraße ging es in Richtung Markt. Die ursprünglich für die Grabenstraße geplante Schweigeminute legten die Teilnehmer dann am Stolperstein an der Ecke Indestraße/Marktstraße ein. Hier gedachten sie dem Eschweiler Albert Levy, der im September 1942 von den Nazis in Auschwitz ermordet worden war. Anschließend bewegte sich der Zug über die Inde- und Neustraße zurück zum Ausgangspunkt, wo sich die Demonstration nach einer kurzen Schlusskundgebung gegen 11.30 Uhr auflöste. Zu Zwischenfällen kam es am Samstag nicht. Den Stand der NPD ließen die Eschweiler links liegen - allerdings wurde von vielen Unverständnis darüber geäußert, wieso „für die paar Männecken”, wie ein Passant es ausdrückte, ein solch großes Polizeiaufgebot vor Ort war.

Unverständnis äußerte nach der Kundgebung auch Rudi Bertram, allerdings nicht über die Polizei, sondern darüber, dass er nur einen einzigen Vertreter des Eschweiler Integrationsrates bei der Kundgebung gesehen habe.
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