Ein geteiltes Volk sucht den Weg aus der Krise

Von: ran
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Brachte seinen Zuhörern zum Auftakt des 10. Europaforums der GPB die Geschichte Griechenlands der vergangenen zwei Jahrhunderte näher: Dr. Athanasios Dafnis. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Griechenland steht im Fokus. Die Finanzmisere des südeuropäischen Landes hat Auswirkungen für den gesamten Kontinent. Doch Griechenland ist nicht nur Finanzkrise oder Gyros, Griechenland ist auch die Wiege Europas und der Demokratie.

Das 10. Europaforum der Gesellschaftspolitischen Bildungsgemeinschaft (GPB) steht deshalb unter der Überschrift „Griechenland - Partner in Europa”.

Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe referierte Dr. Athanasios Dafnis im Rahmen des Donnerberger Gesprächskreises in der Kaserne zum Thema „Das Neugriechentum und seine Beziehungen zur deutschen Nation”. Ergänzt wurden die Ausführungen durch Worte des Generalkonsuls Nicolas P. Plexidas, der auf die aktuellen Geschehnisse in seinem Heimatland einging.

Von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich Griechenland als Teil des Osmanischen Reiches unter türkischer Herrschaft. Am 25. März 1821 begann ein Aufstand gegen die Osmanen, der militärisch zunächst aber nur auf dem Gebiet der Halbinsel Peloponnes erfolgreich war.

„Wir benutzen für diese Ereignisse auch den Begriff Revolution”, erklärte Dr. Athanasios Dafnis. Die Kämpfe, in die sich auch die Großmächte England, Frankreich und Russland einschalteten, dauerten bis 1827.

In der Seeschlacht von Navarino am 20. Oktober dieses Jahres erlangten die Griechen schließlich mit Hilfe Englands, Frankreichs und Russlands die Unabhängikeit vom Osmanischen Reich. „Die europäischen Großmächte wollten Griechenland jedoch nur als Monarchie anerkennen. Da die Griechen diese Anerkennung unter allen Umständen wollten, waren sie bereit, alles zu tun, was die Großmächte forderten. Dies war aber der falsche Weg für mein Heimatland”, sieht der Oberingenieur des Instituts für Leichtbau der RWTH Aachen auch darin eine der Ursachen für Probleme, an denen das moderne Griechenland bis heute zu knabbern habe.

„Wir haben Anleihen erhalten, um handlungsfähig zu werden. Doch aus diesen Schulden sind wir eigentlich bis heute nicht mehr herausgekommen”, so das Vorstandsmitglied der griechischen Gemeinde Aachen, das 1956 in Thessaloniki geboren wurde und 1975 nach Deutschland kam, um an der RWTH das Studium der Luftfahrttechnik aufzunehmen.

So wurde am 17. März 1832 der erst 17-jährige Prinz Otto von Bayern, der zweitälteste Sohn des bayrischen Königs Ludwig I., zum griechischen König Otto I. gewählt. „Deshalb ist das Blau in der griechischen Fahne auch nicht die Farbe des Meeres, sondern die Farbe Bayerns”, betonte der 53-Jährige. Bis 1974 sollte Griechenland eine Monarchie bleiben.

Während des Zweiten Weltkrieges von Deutschland besetzt, schlitterte Griechenland nach seiner Befreiung in einen blutigen Bürgerkrieg, in dem sich Monarchisten und politisch linksgerichtete Gruppen gegenüberstanden. Die Monarchisten behielten die Oberhand, doch zahlreiche linke Kämpfer setzten sich in sozialistische Staaten ab.

„Aus diesem Grund gibt es eigentlich heute drei Gruppen von Griechen. Die Griechen, die in ihrem Heimatland leben, die Griechen als Gastarbeiter sowie die Griechen in den ehemals sozialistisch regierten Länder”, so Dr. Athanasios Dafnis. Dies führe dazu, dass die Griechen nach einer gemeinsamen Identität suchten. „Wir bilden bis heute keine richtige Einheit. Darüber hinaus leiden die Griechen auch an einem Komplex: Wir werden nie mehr so groß sein wie in der Antike.”

Generalkonsul Nicolas P. Plexidas spann anschließend den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart: „Griechenland ist ein Symbol für die westliche Kultur, steht momentan aber mit negativen Nachrichten auf den Titelseiten der Zeitungen.”

Die Fragen lauteten nun, wie viel Europa die Europäer wollten und wofür die europäische Familie stehe. Die Schuld Griechenlands an der derzeitigen Situation sei keinesfalls anzuzweifeln, doch mitnichten seinem Land alleine zuzuschreiben. „Nicht zuletzt haben Spekulanten Griechenland als Opfer gefunden”, so der Generalkonsul. Sein Land benötige Unterstützung, sei jedoch natürlich bereit, seinen Teil zur Lösung des Probems beizutragen.

„Die Griechen sind gewohnt, zu kämpfen. Wir werden es schaffen”, ist Nicolas P. Plexidas überzeugt.
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