Ein feines Menü, nicht für den Schnellverzehr

Von: jope
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Prominente Pianistin, Kölner Kroatin - und begeisternd als Solistin wie als Partnerin der Kammerphilharmonie Berlin Brandenburg: Ana-Marija Markovina bei ihrem Auftritt im Kulturzentrum Talbahnhof. Foto: Joachim Peters

Eschweiler. Der Wert eines Konzertes bemisst sich nicht primär an der Zahl der Besucher und Event-Beigaben. Eine kleine aufmerksame Besucherschar und ein ohne auffälligen Schnickschnack musizierendes Ensemble bieten eine gute Gewähr für hochkonzentrierten Musikgenuss.

Von daher bot gerade der eher schmucklose Talbahnhof einen womöglich besseren Rahmen für ein Klassik-Konzert als große Arenen. Dort rücken oft Starkult und das Schlemmen feiner musikalischer „Menüs” das Sich-Hineinversenken in die aufgeführten Werke selbst in den Hintergrund. Wenn Ana-Marija Markovina, die kroatische Weltklasse-Pianistin aus Köln, nach dem Konzert mit Besuchern und dem Rezensenten lächelnd von ihrem „Hauskonzert in Eschweiler” sprach, schwang keinerlei Ironie in diesen Worten mit.

Sie zeigte Respekt vor diesem Publikum, mit dem ein persönlicher musikalischer Dialog eher möglich sei als in den teils anonymen Großstadt-Konzertsälen. Und dann schob die Hugo-Wolf-Expertin noch ein Lob Richtung Eschweiler nach: „Mit Max Krieger arbeite ich immer gerne zusammen.” Das klingt fast danach, als ob die 40-Jährige nicht das letzte Mal an der Inde zu hören gewesen war.

Kalter Krieg

Ana-Marija Markovinas Programmauswahl war ganz auf das 20-jährige Ende des Kalten Krieges abgestimmt - hier Carl Philipp Emmanuel Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy für den „Westen”, dort Chopin und Tschaikowsky für den „Osten”. Zum anderen hatte sie als Begleitorchester die „Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg” mitgebracht: ein schönes Beispiel für gelungene deutsche Einheit - auf musikalischem Sektor, denn die einst geplante politische Fusion zwischen den beiden Ländern Berlin und Brandenburg war ja damals gescheitert.

Carl Philipp Emanuel Bach musste sich nicht wie andere Komponisten mit einem „Über-Vater” messen lassen. Johann Sebstian wurde erst nach seiner Söhne Tod und dank der Wiederentdeckung durch Mendelssohn „groß”. Daher ist auch in der Hamburger Symphonie Nr. 5 eine vom Barock zur Klassik hinführende Leichtigkeit verspürbar, welche die Kammerphilharmonie Berlin-Brandenburg unter der Leitung von David Alexander Rahbee in schöner Transparenz nacherlebbar machte.

Beim Klavierkonzert a-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy erwiesen sich die Solistin Ana-Marija Markovina sowie das Orchester als kongeniale Partner. Begeisterte im Allegretto das schöne motivische Wechselspiel zwischen Klavier und vor allem Cello mit abschließender virtuoser Solo-Kadenz, so perlten im dann langsamen Larghetto die Töne von Ana-Marija Markovina wie behutsame Tropfen.

„Klavier solo” hieß es dann bei Frédéric Chopins „Grande Polonaise brillante”. Chopins berühmtes Opus 22 machte die Pianistin zu einer beeindruckenden Hommage an Polen größten Musensohn und seinen 200. Geburtstag. Mit exquisiter Anschlagtechnik vermittelte Ana-Marija Markovina die feinhäutige Sensibilität Chopins ebenso wie mit kraftvollem Spiel die Leidenschaft des sehnsüchtigen Emigranten.

Zum Abschluss gab es dann von den „Berlin-Brandenburgern” noch einmal Kammermusik vom Feinsten: Peter Tschaikowskys Streicherserenade (Opus 48): Die „russische Seele” in ihrer Warmherzigkeit wie Widersprüchlichkeit sang sich in satten Streicherklängen aus.
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