Eschweiler - Ein europäisches Deutschland statt eines deutschen Europa

Ein europäisches Deutschland statt eines deutschen Europa

Von: ran
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Sieht in dem Schwur „Nie wieder Krieg“ den Kern der europäischen Identität: Annelene Adolphs, Geschäftsführerin der GPB. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Das Jahr 2014 fordert förmlich dazu heraus, die geschichtlichen Ereignisse des 20. sowie des frühen 21. Jahrhunderts zu reflektieren: Der Beginn des 1. Weltkriegs, von vielen Historikern als „Urkatastrophe“ bezeichnet, liegt 100 Jahre zurück.

Zum 75. Mal jährt sich der Ausbruch des durch Deutschland entfesselten 2. Weltkriegs. Vor 25 Jahren initiierten die Bürger der damaligen DDR die „friedliche Revolution“, die schließlich zur Wiedervereinigung des zuvor geteilten Deutschlands führte. Und vor zehn Jahren fiel der Startschuss zur Osterweiterung der Europäischen Union.

Unter dem Leitgedanken „Erinnerung als Auftrag“ präsentiert der Europaverein „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) bis zum kommenden Donnerstag, 13. März, im Foyer des Rathauses die aus 26 Tafeln mit 190 Fotos bestehende Ausstellung „Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme - Streiflichter auf die Geschichte Europas“. Die Eröffnung der Ausstellung, deren Herausgeber das „Institut für Zeitgeschichte München-Berlin“ mit den Autoren Professor Dr. Andreas Wirsching und Dr. Petra Weber, die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie das „Deutschlandradio Kultur“ sind, fand am frühen Donnerstagabend statt.

Zwischen Freiheit und Tyrannei

„Diese Ausstellung erzählt Europas 20. Jahrhundert als dramatische Geschichte zwischen Freiheit und Tyrannei. Unser Europaverein will mit ihr dazu anregen, über den nationalen Tellerrand hinauszublicken“, erläuterte die GPB-Geschäftsführerin Annelene Adolphs, die vor zahlreichen Zuhörern in die Ausstellung einführte. Natürlich seien die „Friedliche Revolution“ und der Mauerfall im Jahr 1989 Ereignisse von nationaler Bedeutung gewesen. „Aber sie waren und sind weit mehr: Die friedliche Überwindung des Kommunismus war gerade wegen ihrer Gewaltlosigkeit ein Höhepunkt der europäischen Freiheitsgeschichte“, so Annelene Adolphs. Für die Menschen in Ostmitteleuropa hätten erst die friedvollen Umbrüche vor einem Vierteljahrhundert das Ende der Nachkriegszeit bedeutet. „Wer sich diese Ausstellung mit Muße ansieht, dem wird die Tragweite der EU-Osterweiterung, die vor zehn Jahren begann, bewusst werden.“

Traumatisierter Kontinent

Doch 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der einen „traumatisierten Kontinent“ hinterlassen habe, müsse die Frage lauten, ob die Welt des Jahres 1914 wirklich eine ganz andere war als unsere heutige. „Auch 1914 lebten die Menschen in einer sich rasant verändernden Welt mit neuen Transportmitteln, dem Auto, mit neuen Medien, dem Kino, mit neuer Kommunikationstechnik, dem Telefon. Die Vorkriegszeit, das war die Zeit der Moderne, der Avantgarde, eine kulturelle Hochzeit. 1914 symbolisiert technische und soziale Umwälzungen, die aber von vielen Menschen nicht verstanden und als Bedrohung wahrgenommen wurden. Stehen wir 2014 vor einem ähnlich gelagerten Umbruch?“, so die Frage der GPB-Geschäftsführerin.

Der Hauptunterschied zwischen 1914 und 2014 seien die durch die europäische Integration geschaffenen neuen Strukturen, die Europa ein Immunsystem gegen den Krieg geschenkt hätten. Der Schwur „Nie wieder Krieg“ sei zum Kern der europäischen Identität geworden. „Nach dem zweiten Weltkrieg haben wir Europäer verstanden, dass der Frieden in Europa nur durch eine Einigung der Völker und die Schaffung transnationaler Institutionen zu wahren ist“, machte Annelene Adolphs deutlich. Auch heute sei die Europäische Union als Friedensgarant wichtig, gerade und nicht zuletzt für den Balkan und die Ukraine, die die „Europäische Perspektive“ zur Stabilisierung benötigten. Für uns Deutsche sei ein Appell Thomas Manns heute aktueller denn je: „Wir wollen ein europäisches Deutschland und nie mehr ein deutsches Europa“, schloss Annelene Adolphs ihre Ausführungen.

Euopa als Herausforderung

In einem kurzen Grußwort hatte Bürgermeister Rudi Bertram zuvor ebenfalls die Bedeutung der Ausstellung hervorgehoben: „Die Überschrift einer Tafel, die Europa als Herausforderung´ lautet, könnte nicht aktueller sein.“ Den Menschen müsse verdeutlicht werden, dass Demokratie die anstrengendste, aber beste Möglichkeit für ein Gemeinwesen sei. „Als im Jahr 1955 Geborener kenne ich nichts anderes als Frieden. Doch Zeitzeugen, die Krieg erlebt haben, werden immer weniger.“ Diese Tatsache berge Gefahren. „Unser Umgang mit der Demokratie muss diskutiert werden.“ Die Idee „Europa“ stoße auf immer weniger Unterstützung. „Dies muss uns zu denken geben!“, forderte Rudi Bertram.

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