Ein Dank für all das Glück, das Menschen blüht

Von: sh
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Auf herbstlich dekorierten Treckern durch den Ort: Die kleinen Weisweiler durften beim Erntedankfest-Umzug die Füße schonen. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Ein wenig Wehmut schwang mit, als Franz-Josef Wynen seine Gemeinde am Sonntagvormittag zum Erntedank-Gottesdienst in St. Severin begrüßte. Es war eine der letzten Predigten des katholischen Pfarrers.

In einer Woche geht er verdientermaßen in den Ruhestand. Zum großen Erntedank-Umzug und dem anschließenden Fest in der Weisweiler Burg werde er aber sicherlich auch in Zukunft - wenn auch nicht mehr „in offizieller Mission” - kommen. „Zu einem leckeren, frischen Kölsch”, wie Wynen mit einem Schmunzeln meinte.

In Weisweiler feiern die katholische und evangelische Gemeinde traditionell das Erntedankfest gemeinsam. Nach der Kinder- und Familienmesse in St. Severin und dem Familiengottesdienst mit Pfarrer Wolfgang Theiler in der Auferstehungskirche versammelt man sich auf dem Hof des Bauern Bert Schönchens. Von dort aus rattert der Trecker mit der prächtigen Erntekorne in einem kleinen Umzug durch den Ortskern.

Ihm folgen das Trommler- und Pfeiferkorps 1931 Kinzweiler, weitere Traktoren mit herbstlich dekorierten Anhängern sowie die vielen Weisweiler Kindergartenkinder (bevorzugt mit selbst gebastelter Sonnenblume in der Hand) und deren Eltern. Ziel ist die Weisweiler Burg, wo der Tag mit einem großen Fest, reichlich Speis und Trank und lustigen Spielen zelebriert wird. Der Erlös des Erntedankfestes geht an die beiden großen Hilfswerke „Misereor” und „Brot für die Welt”.

Wenngleich dieses Mal nicht wie im vergangenen Jahr die herrlich strahlende Oktobersonne vom Himmel lachte, ließen sich die Teilnehmer von einigen dunklen Wolken nicht abschrecken. Und auch die Abwesenheit des Bürgermeisters und seiner Stellvertreter - die Politiker weilen nach kräftezehrenden Wahlkampfwochen im verdienten Urlaub - trübte den Spaß keinesfalls.

Pfarrer Franz-Josef Wynen betonte zuvor in seiner Predigt, dass das Erntedankfest traditionell ein Tag sei, einmal Danke zu sagen. Die Ernte ist ein Symbol für das Glück, das den Menschen auf der Erde widerfährt. „Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass es uns gut geht”, wies Wynen auf die vielen Menschen weltweit hin, die nicht wie viele andere das Glück haben, rundum dankbar für ihr größtenteils sorgenfreies Leben zu sein. Erschreckende Zahlen in den Nachrichten verdeutlichen dies immer wieder.

So sind beispielsweise auch in der als reich geltenden Europäischen Union 19 Prozent der Kinder von Armut bedroht. Soziale Ausgrenzung, Krankheit, politische Unterdrückung, Hunger - man muss nicht den Kontinent verlassen, um tragische Schicksale zu erfahren.

Dagegen wirke Weisweiler, so Pfarrer Wynen, geradezu wie ein Idyll. Dort, wo er 31 Jahre arbeitete und lebte, „wo meine alte Dorfkirche auf einer leichten Erhebung mit Blick auf das Indetal steht, erbaut in romantischem Bruchstein, in direkter Nähe zu Streuobstwiesen.” Es scheint wie eine Idylle, die sich von der Lebenswirklichkeit vieler Menschen mehr und mehr entfernt. Krisen, Arbeitslosigkeit, Modernisierung, Globalisierung - nicht alle Kinder kennen heute noch den Zusammenhang von Tiefkühlfrost und den Bauernhöfen, wo das Gemüse wächst.

„Ist der Erntedank da nicht ein Überbleibsel einer fernen Zeit?”, fragt der Theologe. Nein, lautet seine Antwort. „Es ist einfach ein schönes Fest”, sagt Wynen abschließend, während draußen schon die Trecker rattern, die Kinder auf ihre bunt geschmückten Fahrräder steigen und andere mit den knallbunten Sonnenblumen wedeln.
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