Eschweiler - Ein bisschen Frankreich-Flair im Rathaus

Ein bisschen Frankreich-Flair im Rathaus

Von: Valerie Barsig
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Auf dem Dach des Eschweiler Rathauses haben sie einen guten Blick auf die Stadt, die sie besuchen: Die Schüler des Lycées Lamarck in Albert, Nordfrankreich und ihre Begleiter. Mit dabei sind auch Lehrerin Isabelle Weiss, Evi Spennes vom Berufskolleg (beide vorne l.) und Rudi Bertram (hinten r.). Foto: Valerie Barsig

Eschweiler. Die Terrasse des Eschweiler Rathauses hoch oben an der Kantine des Gebäudes ist momentan voll mit allerlei Gerät: Ein Gerüst ragt an der Wand nach oben, Fensterrahmen stehen herum und auf dem Boden stehen leere Eimer. Die Kantine wird renoviert. Und trotzdem: Die Begeisterung der 19 Schüler vom Lycée Lamarck der Stadt Albert in Nordfrankreich kennt keine Grenzen, als sie über die Stadt schauen können, die sie gerade besuchen.

Per Austausch mit dem Berufskolleg in Eschweiler sollen die Schüler ihr Nachbarland kennenlernen. Dazu gehört neben der Besichtigung von Köln und Aachen auch ein Besuch bei Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram, der über seine Stadt einiges an geschichtlichen Fakten präsentiert. „Wie lange sind Sie denn schon Bürgermeister?“ Wollen die Schüler wissen. Vierzehn Jahre führe er jetzt die Geschäfte der Stadt, antwortet Bertram. „Dann sind Sie wohl sehr effizient“, heißt es aus den Reihen der Schüler.

Die Mädchen und Jungen zwischen 16 und 19 bekommen drei Jahre lang eine Ausbildung als Einzelhandelskaufleute und erlernen Büroberufe. Im Gegensatz zur Ausbildung in Deutschland, die genauso wie in Frankreich drei Jahre dauert, ist das Lycée in Frankreich wesentlich mehr verschult. „Bei uns gibt es das duale System, also zwei Tage Schule und ansonsten Lernen im Betrieb“, erklärt Evi Spennes vom Berufskolleg Eschweiler. „In Frankreich machen die Schüler lediglich Praktika.“ Ebenfalls ein großer Unterschied: In Deutschland erhalten die Schüler ein Ausbildungsgehalt, in Frankreich gar keine Vergütung.

Einige von ihnen sind das erste Mal in Deutschland. „Es ist viel sauberer auf den Straßen als bei uns“, erzählen sie. Auch hätten sie sich vom Vorurteil verabschieden müssen, in Deutschland würde man viel Kohl essen. Deutsch lernt kaum einer von ihnen in der Schule, wesentlich beliebter ist Spanisch als zweite Sprache nach Englisch.

Das Interesse der Schüler Französisch zu lernen habe stark abgenommen, erzählt Evi Spennes. Auch in Frankreich ist die Situation nicht leicht: „Bei uns in Frankreich mangelt es massiv an Deutschlehrern“, berichtet auch Isabelle Weiss vom Lycée Lamarck. Auch Austausche zwischen deutschen und französischen Schulen werden immer weniger. „Junge Leute müssen mehr Druck machen“, findet Rudi Bertram. Dass interkultureller Austausch mit dem Nachbarland mehr gefördert werden müsse, sei auch in der Politik schon lange ein Thema. „Europa hat einige Schwierigkeiten und genau deshalb brauchen wir solche gegenseitigen Treffen“, sagt Bertram.

Schon seit 18 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen dem Berufskolleg Eschweiler und der Schule aus Frankreich. Dabei sei die Partnerstadt Alberts eigentlich in Thüringen, berichtet Isabelle Weiss. „Nach Eschweiler kommen wir aber viel lieber“, sagt sie. Die Partnerschaft sei durch private Kontakte ins Leben gerufen worden und inzwischen hätten sich viele Freundschaften gebildet. „Es ist jedes Mal so, als hätte man sich erst gestern gesehen“, sagt Weiss.

Trotz der Sprachbarrieren arbeiten die Schüler am Berufskolleg mit den Franzosen eng zusammen. In gemeinsamer Projektarbeit vergleichen sie ihre Ausbildungssysteme und erarbeiten einen Knigge für Geschäftsreisen ins Ausland. Der nächste Programmpunkt für die Franzosen ist außerdem ein Tagespraktikum im Supermarkt.

Dass viele Schüler am Berufskolleg schon älter sind, als ihre Freunde aus Frankreich mache gar nichts, sagt Evi Spennes. Klar gebe es im Vorfeld immer die Befürchtung, dass die Kommunikation schwierig werden könnte, erzählt sie. „Wenn es dann aber so weit ist, ist es dann aber doch ganz einfach.“

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