„Eierprinz” in Eschweiler: Kunst darf nicht im Museum sterben

Von: ran
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Das Ei als Ursprung allen Lebe
Das Ei als Ursprung allen Lebens: Der in Eschweiler lebende Künstler Jamal Abdo bedient sich außergewöhnlicher Materialien, seine Ideen umzusetzen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Sein Künstlername lautet „Mire Hekan”. Aus dem kurdischen übersetzt heißt dies „Eierprinz”. Und treffender kann man Jamal Abdo wohl kaum beschreiben.

Der 1961 in Talkedich im kurdischen Teil Syriens nahe der türkischen Grenze geborene und seit 1995 in Eschweiler lebende Künstler verwendet für seine Werke in erster Linie Eierschalen. „Das Ei verkörpert den Ursprung allen Lebens”, begründet er seine Materialwahl. Diese umfasst darüber hinaus aber auch Stacheldraht, Nägel oder Patronenhülsen. „Eigentlich alles, was für mich von Bedeutung ist”, so der Wahlindestädter, der 1981 in die Bundesrepublik Deutschland kam und zunächst an der FH Aachen Architektur studierte.

„Ich versuche, meine Ideen den Menschen nahe zu bringen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger”, beschreibt Jamal Abdo seine Arbeit. Und die Ideen liefert ihm das Leben. Etwa die Entdeckung einer kleinen Pflanze, die in einem Riss im Teer heranwächst, um von einem vorbeifahrenden Lkw zermalmt zu werden. Oder der Mord an vier iranischen Oppositionellen in Berlin im Jahre 1992, der zum Werk „Der Fall Mykonos” führte. Denn Jamal Abdo scheut sich nicht, auch politische Themen aufzugreifen.

Aufgewachsen an der syrisch-türkischen Grenze, erlebt er als Kind die Teilung seiner Heimat Kurdistan hautnah. „Als kleines Kind klaute ich oft die Zange meiner Mutter und schnitt damit ein Stück Stacheldraht aus dem Grenzzaun heraus, um daraus Spielzeug zu basteln”, erinnert er sich.

Dem erfolgreichen Schulabschluss im Jahr 1980 folgt der Abschied aus seiner Heimat in Richtung Deutschland.

Während seines Studiums nimmt er gleichzeitig auch Schauspiel- und Ballettunterricht, steht sogar auf der Bühne des Aachener Stadttheaters. Von 1989 bis 1991 ist er für den Westdeutschen Rundfunk als Bühnenarchitekt und Szenenbildner tätig. Doch die Arbeit beim Fernsehen ist nicht seine Welt. „Dort geht es mehr um Technik als um Kunst”, begründet er seinen Schritt, dem WDR den Rücken zu kehren und sich der modernen Kunst zu widmen.

„Ich sehe mich als konzeptioneller Künstler, der einen Plan im Kopf hat und mit diesem seine Idee umsetzen möchte”, erklärt er. Und entschlossen verfolgt er sein Ziel, seine Werke den Menschen nahe zu bringen. Getreu der Tradition seiner Heimat. „Hier ?sterben die Bilder in Museen. Ich möchte die Kunst gerne auf die Straße bringen. Meiner Meinung nach muss die Kunst zu den Menschen kommen, nicht die Menschen zur Kunst”, so der zweifache Vater, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Röhe lebt. „Ist das Werk vollendet, soll jeder mögliche Betrachter davor stehenbleiben. Dann ist das Bild lebendig”, verdeutlicht er.

Zuletzt war Jamal Abdo zu Gast an der Kunstakademie in Diyarbekir im Osten der Türkei, wo er junge Studenten unterrichtete. Seine Werke waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen, unter anderem wurde er eingeladen, seine Kunst in Venedig zu präsentieren. Als nächstes Ziel hat der 50-Jährige, dessen Atelier sich an der Aachener Straße befindet, ins Auge gefasst, auch in China bekannt zu werden. Seine Homepage, die unter http://www.mirhek.com zu besuchen ist, wird deshalb bald nicht mehr „nur” in deutscher, englischer und kurdischer Sprache, sondern auch in Chinesisch lesbar sein.

Revolutionen inspirieren

Bedauerlich findet Jamal Abdo, dass er nicht mehr dem Ballett-Tanz nachgehen kann. Die Stellung eines Zehs verhinderte die Fortsetzung dieser Karriere. „Der Ausdruck, die Körpersprache - Ballett ist eine Kunst für sich”, macht Jamal Abdo deutlich. Der Abschied von dieser Liebe inspirierte ihn aber auch zu dem Werk „Schmerz des Lächelns”.

Und auch in Zukunft dürften ihm die Ideen nicht ausgehen. „Die Revolutionen in den arabischen Staaten liefern jede Menge Stoff”, so „Mire Hekan”, der einmal mehr auch in politischen Dimensionen denkt. „Durch Kunst Aufmerksamkeit zu erlangen, ist auch eine Art des Widerstands”, erklärt er voller Selbstbewusstsein. „Man muss als Künstler an sich glauben.”
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