Dr. Martin Thull: 2658 Kilometer zu Fuß durch Historie und Natur

Von: ran
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Dr. Martin Thull / Pilgerpass
Der Beweis: Zahlreiche Stempel zieren den Pilgerpass von Dr. Martin Thull und berechtigten ihn, am Zielort die Pilgerurkunde entgegenzunehmen.

Eschweiler. Sein Weg war weit. Genau gesagt 2658 Kilometer lang. Im Mai 2000 startete Dr. Martin Thull gemeinsam mit seinem Freund Ekhard Heins von seinem damaligen Wohnort St. Augustin am Rhein aus in Richtung Süden. Und zwar zu Fuß. Am 7. April 2007 erreichte der Wanderer, der unterwegs zum Pilger wurde, schließlich sein Ziel: Santiago de Compostela.

Dazwischen lagen sieben Jahresetappen mit 90 Wandertagen auf dem berühmten Jakobsweg sowie zahlreiche Erlebnisse, die sich tief in das Gedächtnis des gebürtigen Aacheners eingegraben haben.

Auf Einladung des Lions-Clubs Eschweiler Ascvilare berichtete der 61-Jährige am Mittwochabend unter dem Titel „Der Jakobsweg - Pilgern im Zeichen der Muschel” im fast vollbesetzten Talbahnhof über seine Erfahrungen mit dem Weg, den Herbergen, der Gemeinschaft der Pilger, der Natur, aber auch über zwischenzeitliche Zweifel und das schließliche Ankommen.

„Am Anfang stand die Idee, einfach hinter uns die Türe zu schließen, loszuwandern und den Alltag hinter uns zu lassen”, erinnert sich Dr. Martin Thull, der seine ersten Erfahrungen auf dem „Camino de Santiago” im Jahr 1996 sammelte. „Wir wollten einfach wissen, was wir drauf haben”, war die ursprüngliche Motivation eher sportlicher Natur. Wobei der Startpunkt vor der eigenen Haustür für den Journalisten logisch erschien. „In meinen Augen beginnt der Jakobsweg dort, von wo man sich auf den Weg nach Santiago de Compostela macht. In meinem Fall also in St. Augustin.”

Da aus beruflichen und familiären Gründen die Zeit fehlte, den Jakobsweg auf einmal zu bewältigen, teilte Dr. Martin Thull die Strecke in sieben Etappen ein, die er dann Jahr für Jahr bewältigte. Bis 2004 von Ekhard Heins begleitet, danach alleine. Doch einsam war Thull auf dem „Camino” nie. Schließlich sind jährlich rund 100.000 Pilger auf dem Jakobsweg unterwegs.

„Wer alleine sein möchte, kann alleine sein. Wer Gesellschaft vorzieht, findet Gesellschaft. Spätestens in den Herbergen, in die man Abends einkehrt, verstehen sich die Menschen unterschiedlichster Nationen”, erinnert sich der Autor mehrerer Bücher.

Dennoch ist der Jakobsweg sowohl physisch als auch psychisch eine Herausforderung. „Die mentale Belastung, wenn der Weg der Tagesetappe einfach nicht enden will, ist enorm. So kamen mir auf jeder Etappe auch Zweifel. Diesen folgte aber das Gespräch mit Mitpilgern. Und beim folgenden Aufbruch waren die Zweifel verschwunden”, berichtet der Journalist, der inzwischen einer der Geschäftsführer des Aachener Zeitungsverlags ist.

Die Ausstattung der Herbergen ist meist einfacher Natur. „Eine gewisse Abhärtung in sanitärer Hinsicht ist notwendig. Man muss wissen, worauf man sich einlässt”, schreibt Dr. Martin Thull Menschen ins Stammbuch, die sich mit dem Gedanken befassen, ebenfalls nach Santiago de Compostela zu pilgern. „Doch nicht zuletzt die unzähligen kunsthistorischen Sehenswürdigkeiten, die einem immer wieder ins Auge fallen und die den Glauben der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten symbolisieren, machen immer wieder klar, dass sich die Strapazen lohnen.”

Wichtig sei es darüber hinaus, den Mühen mit Pausen zu begegnen. „Der "Camino" spiegelt auch den Lebensweg und dessen Endlichkeit wieder. So kommt man auch an mit Kreuzen gekennzeichneten Punkten vorbei, an denen Pilger verstorben sind. Dies regt zum Innehalten und Nachdenken an”, weiß Dr. Martin Thull.

Nach 90 Wandertagen, die ihn über Trier, Veselay, St. Jean-Pied-de-Port, Pamplona, Burgos, Frómista, Leon und Astorga schließlich nach Santiago de Compostela führten, stand Dr. Martin Thull dann vor der riesigen Kathedrale des Zielortes. „Ein zwiespältiges Gefühl. Einerseits war ich froh, das Ziel erreicht zu haben, andererseits auch etwas enttäuscht, dass es nun vorbei war”, erinnert sich der Pilger.

„Es ist ein Virus, der einen erfasst. Und nach zwei Jahren fühle ich nun einen gewissen Entzug”, macht er deutlich. Ein wenig stolz ist Thull aber schon, wenn er heute auf seine Urkunde blickt, die er sich im Pilgerbüro abholen durfte und die ihn als Jakobswegpilger ausweist. „In die Urkunde werden traditionell auch die Namen in lateinischer Form eingetragen. Bei mir - Martin, Martinus - war das einfach. Wie das heute mit Kevin und Chantal geht, weiß ich nicht”, schmunzelt er.

Auf die Frage, warum er den „Camino” auf sich genommen habe, gibt Martin Thull gleich mehrere Antworten: „Weil ich Menschen aus aller Herren Länder begegnet bin, weil ich neue Gemeinschaften kennengelernt habe, weil Mühe auch beglückend sein kann, weil das Ziel lockt und nicht nur das zählt, was messbar ist.”
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