Ditib-Verein: Christen dürfen in einer Moschee beten

Von: Sonja Essers
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Im Hauptgebetsraum, der sich auf der ersten Etage der Moschee befindet, endete der Blick hinter die Kulissen. Unsere Leser kamen nicht nur mit dem Vorsitzenden Yalcin Demirak (links), sondern auch mit Imam Irfan Bayrale (2. v. r.) ins Gespräch über den Islam. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Welche Rolle haben Frauen im Islam? Warum gibt es Muslime, die kaum deutsch sprechen und warum darf man als Christ nicht nach Mekka reisen? Das waren nur einige der Fragen, die unsere Leser beim Besuch in der Moschee an der Wollenweber-straße stellten. 13 Teilnehmer warfen am Freitag Nachmittag einen Blick hinter die Kulissen der Moschee des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Ditib und lernten dabei allerhand Interessantes über den Islam.

Dass unsere Leser viele Fragen hatten, wurde bereits beim Begrüßungstee deutlich, zu dem der Vorsitzende Yalcin Demirak die Teilnehmer willkommen hieß. Dieser versuchte die zahlreichen Fragen zu beantworten und so entstanden einige lebhafte Diskussionen. Doch dazu später mehr.

Eine Reise ins Jahr 1978

Zu Beginn nahm Demirak die Teilnehmer mit auf eine Reise in das Jahr 1978. In diesem Jahr entstand in der Indestadt nämlich ein Verein, in dem Muslime zusammenkamen, gemeinsam beteten und speisten. Ein eigener Raum lag zu diesem Zeitpunkt noch in weiter Ferne. Auch der Gedanke an eine Moschee kam noch nicht auf. Schließlich gab es diese in Deutschland damals noch nicht. Dafür jedoch immer mehr Vereine, die wie Pilze aus dem Boden schossen, beschrieb Demirak den damaligen Zustand.

Schnell wurde deutlich, dass sich etwas ändern musste. „Der deutsche Staat hat gemerkt, dass man das Ganze strukturieren muss“, erklärte Demirak. 1984 wurde Ditib gegründet. Vier Jahre später mieteten auch die Verantwortlichen in der Indestadt Räume an. An der Odilienstraße beteten Türken, Marokkaner, Araber und Deutsche gemeinsam. 1991 wechselte der Verein in die Räume an der Wollenweberstraße.

Ditib ist der Dachverband Türkisch Islamischer Union der Anstalt für Religion. Deutschlandweit gibt es momentan 770 Ditib-Moscheen. Elf davon sind in der Städteregion Aachen zu finden. Der Verein in der Indestadt setzte jedoch als Erster in der Region die neue Ditib-Satzung um und wählte auch Frauen und Jugendliche in seinen Vorstand. Darauf ist Demirak besonders stolz. „Das ist in der islamischen Welt nicht selbstverständlich“, sagte der Vorsitzende, der mit dem Vorurteil aufräumte, dass Frauen im Islam keine wichtige Rolle spielen. „Der Islam war der Erste, der Damen das Recht gab zu sprechen und wählen zu gehen. Aber dieses Recht wurde mit der Zeit anders gelebt und auch verlebt.“

Auch über die Aufgaben des Ditib klärte der Vorsitzende auf. „Ditib gibt es auch in der Türkei, sogar weltweit. Es hat in Köln angefangen und ist hier groß geworden. Eigentlich macht er nicht viel. Er sagt uns nur, dass wir uns organisieren und strukturieren dürfen.“

Momentan gehören dem Eschweiler Verein, der sich über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert, 155 männliche und 58 weibliche Mitglieder an. Dazu kommen rund 80 Kinder und Jugendliche. Aufgesucht wird die Moschee jedoch von deutlich mehr Gläubigen. Bis zu 1000 Muslime aus 30 verschiedenen Ländern könne man hier beim Freitagsgebet, das in arabisch gehalten wird, antreffen. „Hier wird Multikultur gelebt auf der Basis des Islams.“

Doch sind auch Mitglieder anderer Religionen in dem Gotteshaus willkommen? Selbstverständlich, schließlich sei die Moschee eine Begegnungsstätte zwischen den Menschen und Gott. „Auch Christen dürfen hier beten“, stellte Demirak klar. Für Radikalismus gebe es jedoch keinen Platz. „Wir stellen uns ganz klar gegen Radikalismus und bitten diejenigen zu gehen.“ Vor allem die Taten der Organisation ISIS bewegen die Mitglieder des Vereins sehr. „Das sind verabscheuende Taten. Einen Menschen umzubringen, kann keine Religion für gut halten“, so Demirak.

Nicht nur der Vorsitzende des Kulturvereins gab den Teilnehmern einen spannenden Einblick in seine Religion. Auch Jürgen Rombach, Integrationsbeauftragter der Stadt Eschweiler, hatte einige interessante Informationen im Gepäck und erzählte etwa von dem muslimischen Grabfeld in St. Jöris. Besonders interessiert waren die Leser am Inneren der Moschee. Nachdem die Schuhe erst einmal ausgezogen waren, ging es in die Waschräume sowie den Gebetsraum der Frauen, in dem die Koranschule stattfand. Auch der Jugendraum auf der ersten Etage, in den sich die Jugendlichen zurückziehen können, um Kicker und Tischtennis zu spielen oder einen Film anzuschauen, wurde unter die Lupe genommen.

Im Hauptgebetsraum warteten Imam Irfan Bayrale und Vereinsmitglied Kasim Yilmaz, der den Teilnehmern die fünf Säulen des Islams erklärte und einige Verse aus dem Koran herausgesucht hatte. Damit wollte er zeigen, dass der Islam und das Christentum nicht soweit voneinander entfernt sind, wie viele vermuten. „Wir glauben an denselben Gott. So verschieden sind wir also gar nicht.“

Beim anschließenden Lahmacun-Essen bestand die Möglichkeit ins Gespräch zu kommen. Jürgen Rombach brachte den Besuch auf den Punkt: „Lernen Sie was, hören Sie zu und multiplizieren Sie das nach Eschweiler rein. Hier lebt man nicht versteckt, sondern hier ist jeder herzlich willkommen.“

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