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Dioxin-Skandal verdirbt das Geschäft

Von: Sarah Maria Berners
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Nur wenige Kunden kommen zum Stand von Gyulh Kovacs auf dem Wochenmarkt, um Eier zu kaufen. Schon jetzt bangt der Händler um das Ostergeschäft. Foto: Sarah Maria Berners

<b>Eschweiler.</b >„Wir verkaufen in diesen Tagen nur halb so viele Eier wie sonst. Dabei laufen die Geschäfte doch ohnehin nicht mehr so gut”, klagt Gyulh Kovacs, der auf dem Wochenmarkt Hühnereier und Kartoffeln verkauft. Die Kunden seien extrem verunsichert.

Die Eier, die der Alsdorfer Händler in Eschweiler verkauft, kommen von einem Hühnerhof in Euskirchen. Dort dürfen die Hühner frei laufen. „Vielen reichen Eier von freilaufenden Hühnern seit dem Dioxin-Skandal nicht mehr”, sagt Kovacs. Immer mehr Kunden würden nach Bioeiern fragen oder kaufen gar keine Eier mehr.

Gift längst gegessen

Dem Verkäufer hat der Dioxin-Skandal den Appetit auf das tägliche Frühstücksei nicht verdorben. „Wenn überhaupt, dann hätten wir die belasteten Eier doch schon vor Monaten gegessen.” Das glaubt auch eine Kundin, die trotz allem am Stand des Alsdorfers ihre Eier kauft. Sie lässt sich den Appetit nicht verderben.

Ruhiger als sonst geht es auch an den Fleischtheken zu. Hier zählt man auf die Stammkundschaft. Die Verkäufer müssen zwar viele Fragen beantworten, „aber die Kunden kennen uns und unsere Waren und vertrauen uns”, sagt eine Verkäuferin.

Eierhändler Gyulh Kovacs hat der neue Lebensmittel-Skandal nicht überrascht. „Wenn Sie jahrelang auf Märkten stehen, erleben sie immer wieder solche Skandale. Mal ist es der Rinderwahn, dann sind es Würmer in den Fischen und jetzt - mal wieder - die Eier.” Kovacs sagt das ganz nüchtern. Dabei macht ihm der Dioxin-Skandal auch finanziell zu schaffen. Große Geschäfte mit hunderten Artikeln können ihre Kunden mit Angeboten in die Läden locken. Der Marktbeschicker führt aber nur zwei Produkte. „Was soll ich da schon machen?”

Auf dem Markt ist Dioxin jetzt ständig Thema. „Aber über die Sprit-Preise spricht kaum jemand”, sagt der Händler. Er glaubt, dass die Konzerne die Ablenkung durch den Dioxin-Skandal geschickt nutzen, um die Preise an den Zapfsäulen in die Höhe zu treiben.

Bis Ostern nicht vergessen

Kovacs ist zwar entsetzt über die Panscherei in der Futtermittelindustrie, wirklich überrascht hat sie ihn aber nicht. „Der Preiskampf ist hart. Alles soll immer billiger werden.” Die kriminelle Machenschaften, die aus diesem Preiskampf resultieren, ärgern den Händler, „weil sie im schlimmsten Fall Existenzen zerstören”.

Kovacs fürchtet zwar nicht um seine Existenz, aber schon jetzt um das Ostergeschäft. „Bis dahin haben die Leute den Skandal noch nicht vergessen.” Das der Aktionsplan der Verbraucherministerin solche Skandale in Zukunft verhindern kann, daran glaubt der Händler nicht. Er hofft, dass die Gesellschaft insgesamt wieder etwas mehr zurück zur Natur kehrt. „Wenn man nicht mehr aus Kostengründen Zusätze unter das Futter mischt, passiert so etwas nicht mehr so schnell.”

Die Kontrollen auf den Hühnerhöfen hält der Händler für unzureichend. Vor vielen Jahren hat er noch selber Hühner gehalten und eine interessante Erfahrung gemacht. „Die Kontrolle war im November, die Ergebnisse habe ich erst im Juni erhalten”, erzählt er kopfschüttelnd. Zum Glück waren alle Werte in Ordnung, aber wäre es anders gewesen, wäre diese Warnung wohl zu spät gekommen. „Da war doch schon alles verkauft und gegessen. Das muss schneller gehen.”
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