Eschweiler - Diese Kölner Katze krallt sich den Blues

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Diese Kölner Katze krallt sich den Blues

Von: vr
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Eine Stimme so schwarz wie mitten aus dem Mississippi-Delta und so rauh wie in Whiskey getränkt: Astrid Barth von „Get the cat” hat und kann den Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Sie kratzt und beißt, schleicht sich an dich heran, schmiegt sich an, schnurrt und faucht - wäre die Bluesmusik ein Tier, dann wäre sie eine Katze. Und diese Katze muss nicht unbedingt schwarz sein, wie „Get the cat” aus Köln bei ihrem Auftritt am Samstag im „Sylvino” eindrucksvoll bewiesen.

„Don„t be shocked, don„t be surprised, I sing you the blues”, versprach die vierköpfige Band ihrem Eschweiler Publikum, und dieser Blues ist alles andere als ein 12-Takt- und Dreiakkord-Standardwerk aus dem Mississippi-Delta.

„Der Blues hat überall seine Finger drin”, kein Wunder, dass Sängerin Astrid Barth, die ihre Wurzeln eher in der Rock- und Jazzmusik hat, sich vor sieben Jahren schnell von Bassist Till Brandt überreden ließ, in der Band mitzumachen, die damals noch als „Dog Party Blues Band” hauptsächlich Coversongs spielte.

2007 wurden die Hunde zu Katzen, die ihren eigenen Kopf haben und mit ihrem Album „Get the cat” einen Bluessound hervorbrachten, der nur noch wenig mit dem alten schwarzen Mann und seiner Mundharmonika zu tun hat, einem leider immer noch viel zu häufig bemühten Klischee dieser „Wurzel der Musik”, wie John Lee Hooker den Blues einst nannte. Bei „Get the cat” mischen sich funkige „Wah-Wah”-Gitarrenriffs, souliges Timbre und jazzige Bassläufe in die ausschließlich selbst komponierten Bluesstücke und machen ein Konzert der Kölner zu einem abwechslungsreichen Parforceritt durch die Welt des Blues hinweg in andere musikalische Gegenden.

Mit „Sweet Home Cologne” stellten „Get the cat” am Samstag gleich zu Beginn klar, woher sie kommen und was sie machen: „Blues” aus „Good old Germany”. Es sei bedauerlich, so Frontfrau Astrid Barth, dass auf nationalen Blues-Festivals der deutsche Blues kaum mehr vertreten und wenn doch einfach nur schlecht besucht sei. Dabei geht Blues auch, wenn frau nicht schwarz ist und auf Baumwollfeldern gearbeitet hat: „I„m good”, und wie gut die charismatische Sängerin ist, wenn sie mal samtig-weich „Nine lifes” haucht oder zum Schluss von „All I„m sayin„” ins Mikrofon schreit.

Mit ihrer unglaublich dunklen Stimme, die so rauh klingt als sei sie in uraltem Whiskey getränkt, zog Astrid Barth im Laufe des Konzerts am Samstag die Aufmerksamkeit des nicht gerade leisen Publikums im „Sylvino” immer mehr auf sich und ihre Band, die ausschließlich aus studierten Jazzmusikern besteht.

So entwickelt Song- und Textschreiber Till Brandt mit seinem Bass bei „Enough is enough” einen ganz eigenen Groove, abgekoppelt vom Blues, und entführt Gitarrist Philipp Roemer, der Bandgründer, mit seinem „Wah Wah”-Sound bei „You„re not good for me” in den Funk.

Ob „A man for Saturday night”, „Don„t fall in love” oder die ruhige Bluesnummer „Care for me” -ÊEmotionen spielen die zentrale Rolle in den Songs von „Get the cat” und diese Gefühle lebt die Band auf der Bühne ungebremst aus, sei es im fetzigen Drumsolo von Ralph Schlaeger, im realitätsentrückten Solospiel von Philipp Roemer an der Gitarre oder halt im Oktavwechsel von Astrid Barths Gesang.

Geräuschkulisse hoch

Sowohl die neuesten Stücke, mit denen „Get the cat” ihr Konzert in Eschweiler am Samstag begonnen hatten, als auch die Songs der beiden bisherigen Studioalben „Get the cat” und „I„m singing the blues” kamen beim Jazzclub-Publikum an. Lediglich der Versuch eines Akustik-Sets musste nach zwei Songs abgebrochen werden, da die Geräuschkulisse in der Gaststätte dafür einfach zu hoch war.

Dass es der Band aus Köln dennoch gelang, nach zwei Stunden Konzert den Gästen des „Sylvino” Ovationen und vollständige Aufmerksamkeit abzuringen, war nur ein weiterer Beweis der erstklassigen Qualität von „Get the cat”, deren letzter Eschweiler Auftritt im Talbahnhof sicherlich leichter gewesen war.

Und es war der Beweis, dass Blues auch dann funktioniert, wenn er „Made in Germany” ist und mit anderen musikalischen Stilen kombiniert wird. Mehr noch klingt er so erfrischend anders, ohne seine Identität zu verleumden. Es muss halt nicht jeder, der Bluesmusik macht, an einer einsamen Kreuzung im Süden der USA gestanden und wie Robert Johnson, so die Legende, seine Seele an den Teufel verkauft haben. Aber vielleicht haben die Blueskatzen von „Get the cat” ja neun Leben.
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