Eschweiler - Die Wunschliste der Weisweiler Bürger ist lang geworden

Die Wunschliste der Weisweiler Bürger ist lang geworden

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
Wie soll es in 15 oder 20 Jahr
Wie soll es in 15 oder 20 Jahren in Weisweiler aussehen? Gibt es genügend Einrichtungen für ältere Menschen, Kinder und Jugendliche?: Mit diesen und anderen fragen haben sich die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt Foto: Günther Paulsen

Eschweiler. Die Wunschliste der Weisweiler Bürger ist lang geworden. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf der Hauptstraße und der Lindenallee, die Umgestaltung des Frankenplatzes, ein Versorgungszentrum, ein Treffpunkt für Jung und Alt, etwa ein Café mit Außengastronomie und vor allem mehr Engagement der Stadt Eschweiler.

Diese Wunschliste wurde am Mittwoch in einer Bürgerwerkstatt erarbeitet, zu der die Stadt in das Evangelische Gemeindezentrum in Weisweiler eingeladen hatte.

Dort sollten zusammen mit Studenten des Masterstudienganges „Städtebau NRW” unter Leitung von Professorin Hildegard Schröteler-von-Brandt erste Ideen und Perspektiven für die künftige Entwicklung des Stadtteils erarbeitet werden. Die Professorin ist gebürtige Weisweilerin und mit dem Ort lange vertraut. Sie leitet an der Universität Siegen ein Studienprojekt, bei dem sich die Studenten ein halbes Jahr mit dem Thema „Weisweiler im Wandel” auseinandersetzen.

„Es geht heute nicht darum, Lösungen zu finden, sondern Ziele zu formulieren und einen Prozess anzustoßen”, machte der Technische Beigeordnete der Stadt Eschweiler, Hermann Gödde, zum Auftakt der Veranstaltung deutlich. Es geht darum, wie es in 15 bis 20 Jahren im Zentrum von Weisweiler aussehen soll, ob es genügend Einrichtungen für ältere Menschen, Kinder und Jugendliche gibt, ob die Infrastruktur leistungsfähig ist und welche Perspektiven das Wohnen im Zentrum von Weisweiler hat.

Rund 75 Personen, darunter viele Vertreter der Vereine, waren zu dem recht frühen Termin um 17 Uhr gekommen, um ihre Ideen und Anregungen einzubringen. Wer aber bereits konkrete Vorschläge von Seiten der Stadt oder der Studierenden erwartet hatte, den musste Schröteler-von-Brandt enttäuschen.

Zunächst waren die Bürger selbst gefragt. Dazu wurden die Teilnehmer der Bürgerwerkstatt verschiedenen Gruppen zugelost, in denen die Vorschläge und Vorstellungen untereinander teils auch kontrovers diskutiert wurden. Ein Student übernahm jeweils die Moderation der Gruppe und sammelte die Vorschläge, um sie zum Abschluss der Veranstaltung in der großen Runde zu präsentieren.

„Was macht Weisweiler als Wohnort attraktiv?”, „Was stört Sie? Wo sehen Sie Probleme?” und die Frage „Was wünschen Sie sich für Weisweilers Zukunft” standen im Mittelpunkt der Diskussionen. Dabei wurden die Vor- und Nachteile des Lebens in Weisweiler schnell deutlich. Es wurde aber auch klar, das was auf den ersten Blick als Vorteil erscheinen mag, auch eine Menge Nachteile mit sich bringen kann.

Ein Beispiel dafür ist die Nähe zur Autobahn, die viele Teilnehmer als positiven Aspekt herausstellten. Andererseits ist die gute Verkehrsanbindung aber auch für eine Menge Dreck und Lärm verantwortlich und führt dazu, dass innerhalb des Ortes reger Lkw-Verkehr herrscht, was an diesem Abend immer wieder stark kritisiert wurde.

In vielen Punkten sind sich die Weisweiler Bürger einig, aber eben nicht in allen. Einige sprechen sich beispielsweise für den Erhalt der Schützenhalle ein, während andere sie am liebsten abreißen würden.

Was den Ort für die Weisweiler attraktiv macht, ist die Nähe zur Autobahn, die Bahnanbindung und die Nähe zur Eifel. Viel Grün wurde genannt, intakte Sportanlagen, Reitmöglichkeiten, drei Kindergärten, die Festhalle und die Nähe zum Arbeitsplatz. Manchmal ist aber auch die Liebe ein Grund, nach Weisweiler zu ziehen.

Kritisiert wurden der Schwerlastverkehr im Ort, fehlende Einkaufsmöglichkeiten, der Zustand der Straßen und des Frankenplatzes. Moniert wurden auch Schmutz und Lärm, denen die Weisweiler durch Autobahn, Kraftwerk und Windräder von allen Seiten ausgesetzt seien. Auch die Müllverbrennungsanlage löst bei vielen Bürgern ungute Gefühle aus.

Wehmütig blicken die Weisweiler auf die Zeit zurück, als der Ort noch eigenständig war und über ein Hallen- und ein Freibad verfügte. Oft war zu hören, dass dies den Ort weitaus attraktiver gemacht habe. Auch wenn es heute noch einen Bäcker und eine Metzgerei gibt, bedauern viele, dass sich mehr und mehr Geschäfte aus dem Ort zurückziehen. Sorge bereitet dies vor allem mit Blick auf die ältere Bevölkerung. Bei diesem Punkt wurde aber auch das eigene Einkaufverhalten kritisch hinterfragt und reflektiert.

Die Weisweiler ärgern sich aber auch über lange Wartezeiten an der Ampel an der Bahnhaltestelle, über die Autoschrauber an der Johannisstraße, über Vandalismus im Park und über schlechte Rundwege um die Halde. Eine große Befürchtung der Bürger ist, das der Wert ihres Eigentums immer weiter sinkt, wenn nicht bald etwas unternommen wird. „Der Niedergang muss gestoppt werden”, fordern die Bürger.

Gebäude sollen saniert und mehr Farbe ins Ortsbild gebracht werden. Angebote für Kinder und Jugendliche stehen ebenso auf der Wunschliste wie ein Seniorenheim. Freizeitangebote, eine Skateranlage, mehr Parkplätze an der Dürener Straße, eine Fußgängerbrücke von Hücheln nach Weisweiler gehören auch dazu. Groß ist auch der Wunsch nach einem zentralen Platz als Treffpunkt und einem „Roten Faden, der sich durch Weisweiler zieht”, womit wohl ein einheitliches Gestaltungskonzept gemeint sein dürfte.

Die Moderation der Gesprächsgruppen war nicht immer leicht für die Studenten, wollte doch jeder die Gelegenheit nutzen, seine Meinung zu äußern. Das war aber auch so gewollt, damit sich jeder einbringen kann, wurde die besondere Form der Veranstaltung bewusst gewählt. Bei den Bürgern kam das gut an. Sie hoffen jetzt aber auch, dass sich in Weisweiler künftig etwas tun wird.

Die Studenten werden nun unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Bürgerwerkstatt konkrete Vorschläge entwickeln und diese am 2. Februar vorstellen. Anschließend wird sich der Planungsausschuss der Stadt Eschweiler damit befassen.

Ideen und Anregungen einreichen

Die Bürger können weiterhin ihre Vorstellungen und Wünsche einreichen.

Wer seine Vorschläge den Studenten übermitteln möchte, schreibt eine Email an master-staedtebau-nrw@gmx.de.

In den Weisweiler Geschäften sollen auch sogenannte „Ideengläser” aufgestellt werden, wo die Anregungen eingeworfen werden können.

Im Rathaus der Stadt Eschweiler, Zimmer 445a, oder unter Tel. 02403/71427 steht Florian Schoop (Abteilung für Planung und Entwicklung) für weitere Informationen als Ansprechpartner zu Verfügung.

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