Eschweiler - Die Stimme wird von vielen völlig unterschätzt

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Die Stimme wird von vielen völlig unterschätzt

Von: Andreas Gabbert
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Achtet sehr auf seine Stimme:
Achtet sehr auf seine Stimme: der Operntenor Cristian Lanza aus Eschweiler. Foto: Krentz Photography

Eschweiler. Wenn der Operntenor Cristian Lanza aus Eschweiler auf der Bühne steht, weiß er genau, wie er seine Stimme einzusetzen hat, um die Menschen mit seinem Gesang zu berühren. Die Stimme ist sein Kapital, sein Markenzeichen.

Zweifelsohne hinterlässt sie bei seinen Zuhörern eine Wirkung, bewegt sie und lässt sie träumen. Aber auch wer nicht auf einer Bühne vor einem großen Publikum singt, hat mit seiner Stimme eine Wirkung auf andere Menschen. Die Bedeutung der Stimme wird im Alltag aber oft unterschätzt. Deshalb machen Stimmexperten heute am Tag der Stimme unter dem Motto „Ihre Stimme zählt” auf die Bedeutung aufmerksam.

Die Mitarbeiter des Netzwerks „stimme.at” bieten heute von morgens bis abends Aktionen, Workshops und gratis Beratung. „Denn Stimme wirkt - und Stimme verbindet”, sagt der Logopäde und Stimmtrainer Thomas Niemann aus Eschweiler. Bis heute sei die Stimme ein Schlüsselreiz und bleibe gleichzeitig das am meisten unterschätzte Wirkungsmittel in der Kommunikation. Sie signalisiert, ob wir meinen, was wir sagen und gibt dem Gegenüber Hinweise, wie wir denken und empfinden.

Sie sorgt unbewusst für Sympathie und Durchsetzungsvermögen. „Durch Ihre Stimme klingt Ihre Persönlichkeit, Ihre Herkunft und Ihr Charakter”, sagt Niemann. Ob man als Persönlichkeit glaubwürdig wirkt, sicher und authentisch, beurteilt das Gegenüber zu 38 Prozent nach dem Klang der Stimme und nur zu 7 Prozent anhand des Gesagten. Und je älter und je intelligenter der Zuhörer ist, umso weniger lässt er sich von einer schönen Optik blenden. Über 50-jährige Akademiker beurteilen neue Kontakte zu fast 60 Prozent nach dem Klang der Stimme.

Für den Klang seiner Stimme tut Cristian Lanza einiges. Um seine Stimme fit zu halten, trinkt er viel und regelmäßig. Die Stimmbänder brauchen Flüssigkeit. „Wenn sie zu trocken sind, ist es für mich schwer die langen Töne zu halten”, erklärt Lanza. Er bevorzugt Wasser oder Tee, um seine Stimme zu ölen. Tabu sind zum Beispiel Säfte aus Citrusfrüchten, die reizen zu sehr. Keinesfalls darf es Milch sein, die verschleimt den Hals. Alkohol und Zigaretten sind ohnehin nicht erlaubt, darauf verzichtet er völlig.

Wenn Cristian Lanza singt, dann tut er das mit seinem ganzen Körper. „Der Kopf dient gewissermaßen als Lautsprecher, die Resonanz kommt aus dem Körper”, sagt Lanza. Deshalb trainiert er viel und hält sich fit. Zwei bis drei Mal in der Woche steht Gymnastik auf dem Programm. Vor seinen Auftritten muss er sich vorbereiten. „Das ist wie beim Aufwärmen im Sport, mit kalter Stimme zu singen ist ungesund.” Deshalb sind von ihm auch keine spontanen Vorträge zu erwarten. Sogar das Wetter hat Einfluss auf seine Stimme. Regen habe einen positiven Einfluss auf seine Stimmbänder, viel Sonne eher einen negativen, sagt Lanza.

Für die Ausbildung seiner Stimme war eine Menge Training und Unterricht nötig. „Man braucht jemand, der einen in die richtigen Bahnen lenkt, auf Fehler hinweist und Tipps gibt”, sagt Lanza. Ein Problem für ihn ist, dass viele Gesangspädagogen nicht in der Lage sind, die Übungen vorzumachen. Deshalb sei es für ihn immer hilfreich, wenn der Lehrer selber Sänger ist. „Ich muss das hören können, um mich zu verbessern.”

Der Internationale Tag der Stimme ist dazu da, das Bewusstsein für stimmliche Gesundheit zu fördern. Die meisten Menschen denken im Gegensatz zu einem Opernsänger nicht darüber nach, welche Bedeutung stimmliche Gesundheit tatsächlich hat, es sei denn, sie selbst oder jemand aus ihrem Umfeld hat oder hatte einmal eine bedeutende Stimmstörung. „Der menschliche Kehlkopf oder die Stimmlippen werden ständig möglichen Verletzungen oder Reizungen ausgesetzt”, sagt Niemann. Deshalb rät er zu Tipps die, auch er beherzigt: nicht rauchen, viel Wasser trinken, vermeiden zu schreien oder überlaut zu sprechen und der Stimme ab und an etwas Ruhe gönnen.
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