Die „schwarzen” Schafe von Camp Astrid

Von: Robert Flader
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Und täglich grüßt das Schaf
Und täglich grüßt das Schaf: Die heimlichen Wächter des Solarparks auf Camp Astrid sind 30 Heidschnucken und Skuddenschafe, die die Solarmodule von lästigem Unkraut befreien. Foto: Robert Flader

Eschweiler. Ob sich die Module jetzt nach links oder rechts drehen, ob sie 2,2 Megawatt liefern oder noch mehr, den heimlichen Wächtern des Solarparks im Gewerbegebiet Camp Astrid wird das herzlich egal sein. Sie wollen ihre Ruhe, ein bisschen grasen und vor sich hin vegetieren, was Schafe halt so treiben in ihrer „Freizeit”.

Vor einem Jahr wäre die nordöstliche Fläche auf Camp Astrid noch das Paradies schlechthin gewesen, mit einer schier unendlichen Wiese und Futtervorräten, die für dutzende Grasfresserherden gereicht hätten. Nun aber stehen diese - aus Schafsicht - komisch ausschauenden und sperrigen Module inklusive Wechselrichter schon ein bisschen im Weg, immerhin spenden sie Schatten. Denn den ganzen Tag in der prallen Sonne verbringen, das kann ja auch nicht im Interesse der Tiere sein.

30 Schafe sind es insgesamt, die den Solarpark der Photon Power AG ihr Zuhause nennen, sie fungieren auf dem 3,8 Hektar großen Gelände offiziell, kein Witz, als Hausmeister und „Greenkeeper”. Was nämlich den Solarpark-Betreiber, die Photon Power AG, stört, ist das Unkrautwuchern unter und zwischen den Modulen. „Es wächst und gedeiht seit dem Frühjahr”, sagt Photon-Vorstand Ralf Heuser, „da mussten wir was tun. Und die Schafe sind die kostengünstigsten Arbeitskräfte, die wir für die Instandhaltung der Rasenfläche finden konnten.”

Jedes Tier, so Heuser, solle bis zu 1000 Quadratmeter abgrasen. Das können aber nur die auf dem Camp zu findenden Heidschnucken, die deutlich kleineren Exemplare der Skuddenschafe hätten bei einer ersten Testreihe nur rund 100 geschafft. Zu wenig, um den Park dauerhaft von Wildwuchs zu befreien. Größere Exemplare sollen jetzt für Ordnung sorgen.

Natürlich soll aus dem Solarzentrum im Camp - bislang immerhin der zweitgrößte Park seiner Art im Land hinter dem Solarpark Inden - langfristig kein Tierpark oder Streichelzoo werden. Doch die Tiere sind fast so wichtig wie die 11 760 Solarstrommodule, die auf den beiden Grundstücken ihren Dienst verrichten. Und: In wenigen Wochen könnte auf die „schwarzen” Schafe von Camp Astrid noch mehr Arbeit zukommen. Ende September sollen noch einmal 2266 Module an der Königin-Astrid-Straße installiert werden, womit auch der Bedarf an Schafen wachsen dürfte.

Ob mit oder ohne Tiere: Der Stolberger Solarpark, und das hören sie auch bei der Camp Astrid GmbH mehr als gerne, expandiert und will seine Marktführung mit Modulen in sogenannter Ost-West-Ausrichtung ausbauen. Heuser über die neuartige Technologie: „Unser Modell funktioniert im Prinzip wie bei einem Bauern: Wir wollen nicht den besten Ertrag aus einem Modul, sondern aus der gesamten Fläche erzielen.” Auf Camp Astrid, das nahe am Firmensitz in Aachen liegt, funktioniere das ganz ausgezeichnet, sagt Heuser. Deshalb der geplante Anbau, der ein paar hundert Meter weiter unten realisiert werden soll.

Die Perspektiven für regenerative Energien in Stolberg scheinen glänzend zu sein - vor allem, weil mit dem nun verpachteten Eckgrundstück an der Königin-Astrid-Straße ein echter Problemfall weggefallen ist. „Die Fläche ist auch durch die Hanglage gut für Solarzellen geeignet”, sagt Detlef Werry, Geschäftsführer der Camp Astrid GmbH. „Eine andere Nutzung wäre durch die Überlandleitung kaum oder nicht möglich gewesen.”

Eine einzige Freileitung tangiert das Gewerbegebiet und genau das war lange Zeit das Problem. „Parkflächen oder niedrige Solarmodule können dort realisiert werden”, ergänzt Werry. Bürogebäude oder Hallen hätten keine Chance, der Sicherheitsabstand von mehreren Metern sei nicht zu umgehen. Werry: „Wenn die Leitungen im Winter vereist sind, können sie sich unter dem angestauten Gewicht weiter dehnen, das wäre zu gefährlich.” Diese Schwierigkeit konnte nun galant umgangen werden, von einer „guten Lösung für alle Beteiligten” ist auf GmbH-Seiten die Rede.

680 Kilowatt sollen die neuen Module liefern, bisher sind es 2,2 Megawatt, was einer Versorgung von 950 Haushalten entspricht.

850.000 Euro wird die Photon Power AG nach eigenen Angaben in das zweite Grundstück investieren, Baubeginn soll definitiv noch im September sein, der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt (ASVU) wird über den entsprechenden Bauantrag in seiner Sitzung in der kommenden Woche (23. August) entscheiden. Ein verspäteter Baubeginn würde einem deutlichen Verlust gleichkommen, da auf der avisierten Fläche später nicht mehr mit den aktuell geltenden Regeln und Tarifen gebaut werden könne, sagt Ralf Heuser, der überzeugt ist, dass der Ausschuss dem Antrag stattgeben wird.

Bis zu 9000 Quadratmeter zusätzliche Fläche sollen dann innerhalb weniger Wochen bebaut werden. Ende September sollen die neuen Module Strom ins Netz einspeisen können.

Wenn alle formalen und bautechnischen Hürden genommen sind, stellt sich für die Betreiber des Solarparks aber noch eine weitere Herausforderung: „Wir testen, wie viele zusätzliche Schafe wir brauchen”, sagt Ralf Heuser, der die Arbeit seiner aktuellen „Hausmeister” so umschreibt: „Das ist überdachtes Fressen.”
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