Eschweiler - Die Schlacht im Laub endet vor der Großmutter

Die Schlacht im Laub endet vor der Großmutter

Von: ran
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Unterhielt die Bewohner des Senioren- und Betreuungszentrums des Kreises Aachen mit Geschichten aus seiner Kindheit und mit Klängen seiner Harmonica: Buchautor Werner Weihrauch. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Kindheit und Jugend liegen für Werner Weihrauch schon einige Tage zurück. Doch an Erinnerungen an diese Zeit mangelt es dem 80-Jährigen keinesfalls. Als seine Tochter ihn vor einigen Jahren aufforderte, aus seiner Kindheit zu erzählen, setzte der 1928 im schlesischen Karlsburg Geborene diesen Wunsch auf besondere Weise in die Tat um.

Er erzählte nämlich nicht nur Erlebnisse aus seinen jungen Jahren, er schrieb diese auch nieder. Im Jahr 2005 erschien das Buch „Erzähl aus deiner Kindheit”, dem inzwischen die Fortsetzung „Erzähl aus deiner Jugend” folgte.

Am Mittwoch war Werner Weihrauch, der inzwischen in Broicher Siedlung lebt, im Senioren- und Betreuungszentrum des Kreises Aachen in Eschweiler zu Gast, um seinen Zuhörern die eine oder andere wahrhaftige Anekdote aus dem Zeitraum, in dem er die Volksschule besuchte, vorzulesen.

„Wir haben früher so einiges angestellt”, schmunzelte der gelernte Kaufmann, der von den 50er Jahren bis 1973 in der Indestadt lebte, bevor er sein Erstlingswerk „Erzähl aus deiner Kindheit” aufschlug.

Und dass dies nicht nur leere Worte sind, beweisen 27 meist heitere, aber vor dem Hintergrund der historischen Begebenheiten auch nachdenklich stimmende Geschichten auf 150 Seiten.

So machte Werner Weihrauch unter der Überschrift „Schule” schnell deutlich, dass das Lernen zur damaligen Zeit nicht immer ein Zuckerschlecken war.

„Unsere Schule im Dorf hatte nur einen Klassenraum, in dem alle Jahrgänge vom einzigen Lehrer gleichzeitig unterrichtet wurden”, berichtete der Autor, der bedingt durch die Kriegswirren auch als Bergmann und Filmvorführer tätig war.

„Um für Ruhe zu sorgen, war Strenge notwendig”, so Werner Weihrauch. Doch seinen Worten verlieh der Lehrer nicht selten mit dem Rohrstock Nachdruck. „Die Prügelstrafe war Alltag. Zumal vielen meiner Mitschüler, die meistens Bauernkinder waren und auf den Höfen schon kräftig mithelfen mussten, einfach die Zeit fehlte, die Hausaufgaben zu erledigen”, erinnerte sich der zweifache Vater.

Dass die Schläge nicht nur körperliche, sondern auch seelische Verletzungen nach sich ziehen konnten, unterstrich Werner Weihrauch ausdrücklich. „Die Dresche musste auch psychisch verkraftet werden. Die Versuchung, die Hand kurz vor dem Schlag wegzuziehen, war schon groß”, ließ der Erzähler wissen.

Doch es gab auch Schüler, so etwa Klassenkamerad Willi, die auf die Schläge mit Grinsen antworteten. Und sei es, weil er sich ein Schulheft in die Hose geschoben hatte, um die Hiebe abzudämpfen. „Ging ich auch damals nicht gerne zur Schule, denke ich heute, dass es eine schöne Zeit war”, gewinnt Werner Weihrauch seiner Volksschulzeit Positives ab. „Wir haben viel gelernt”.

Natürlich berichtete der Autor auch von lustigen Erlebnissen seiner Kindheit. So zählte damals nicht zuletzt der Besuch des Schützenfestes zu den Höhepunkten des Jahres. Und der neue Matrosenanzug, den Werner Weihrauch und sein jüngerer Bruder zu diesem Anlass erstmals tragen durften, machte durchaus stolz.

Als die Beiden dann jedoch ihrem Großvater entgegengingen, der sie zum Schützenplatz mitnehmen wollte, lief ihnen ausgerechnet Nachbarsjunge Hans über den Weg. Und den mochte das Brüderpaar nun überhaupt nicht.

Die anschließende Laubschlacht tat dann allerdings weder Werner Weihrauch und seinem Bruder, noch den Matrosenanzügen gut. Denn sowohl die Gesichter der Brüder als auch die funkelnagelneuen Kleidungsstücke waren bald schwarz. So wurde nichts aus dem Besuch des Schützenfestes. Doch der „Strafbesuch” bei der Oma entschädigte für vieles.

Schmunzelnd erfuhren die Zuhörer am Mittwochnachmittag auch, wie Werner Weihrauch zu seinem ersten leichten Schwips kam. Schuld war Vaters selbsterzeugter Wein, von dem der brave Sohn eine Flasche aus dem ihm unheimlichen Keller holen sollte.

„Vaters Wein, das lass sein”

Laut singend und mit den Füßen auf die Treppenstufen trampelnd, nahm Werner Weihrauch den Weg in Angriff. Als er mit dem Schlauch die leere Weinflasche füllen wollte, flossen ein paar oder auch ein paar mehr Tropfen in seinen Mund. „Der Geschmack war vollmundig, aber recht süß”, weiß Werner Weihrauch noch heute.

Doch auch an die Folgen erinnert sich der Schriftsteller noch genau. Schließlich drehte sich sein Bett, in das ihn die Eltern bald geschickt hatten, ganz schön heftig. „Vaters Wein, das lass sein”, zog Werner Weihrauch (vorerst) die Konsequenz.

Nach einer sehr kurzweiligen Stunde, in der Werner Weihrauch seine Zuhörer auch mit seiner Harmonica, dem Vorläufer des Akkordeons, glänzend unterhielt, ging die Lesung zu Ende. Doch es muss nicht der letzte Besuch des ehemaligen Indestädters im Senioren- und Betreuungszentrum des Kreises Aachen an der Johanna-Neuman-Straße gewesen sein. Schließlich arbeitet Werner Weihrauch gerade an seinem dritten Werk.
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