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Die Opfer darf man niemals vergessen

Von: se
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Bärbel Ehlert und Friedhelm Lutzer sorgten zwischen den Vorträgen mit ihrer musikalischen Untermalung für eine ganz besondere Atmosphäre in der Dreieinigkeitskirche. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Eine Frau sitzt auf einem Stuhl. Auf ihrem Schoss hält sie einen Hund. Um sie herum hat sich ihre Familie positioniert. „Man sieht eine ganz normale Familie“, sagt Simon Küpper. Doch der Schein trügt. Vor 75 Jahren fand die Reichspogramnacht statt, der nicht nur in Eschweiler viele jüdische Bürger zum Opfer fielen.

Am Samstag versammelten sich viele Indestädter in der Dreieinigkeitskirche an der Moltkestraße, um ihnen in einer Feierstunde zu gedenken. Pfarrer Dieter Sommer begrüßte die Gäste und freute sich, dass so viele den Weg in die Kirche gefunden hatten.

Mit der Feierstunde wolle man gegen das Vergessen angehen, denn: „Wer den Opfern nicht gedenkt, tötet sie noch ein zweites Mal“, meinte Sommer. Im Mittelpunkt stand an diesem Nachmittag eine virtuelle Führung über die jüdischen Friedhöfe auf der Talstraße und in Weisweiler auf der Langerweherstraße.

Bevor Referent Simon Küpper den Gästen den Friedhof auf der Talstraße vorstellte, zeigte er zunächst einige Bilder von jüdischen Familien in Eschweiler. 1933 lebten 107 Bürger jüdischen Glaubens in der Indestadt. 1890 wurde auf der Moltkestraße die Synagoge errichtet, die jedoch der Reichsprogramnacht zum Opfer fiel. Der jüdische Friedhof verwahrloste im Laufe des Krieges immer mehr.

Unkraut und Gestrüpp herrschten vor. Die Denkmäler wurden während des Krieges verkauft und sogar russische Kriegsgefangene wurden während dieser Zeit dort beerdigt. Im Jahr 1963 war der Friedhof wieder würdig hergestellt. Heute sind dort acht Steintafeln angebracht, auf denen die Namen von 92 jüdischen Bürgern, die zwischen 1900 und 1941 verstarben, zu lesen sind.

Auch ein großes Denkmal, angefertigt von Bildhauerin Maria Schaen , ist dort zu sehen. Auf diesem erkennt man eine Frau, die ein Kind in den Armen hält. Im Hintergrund ist eine brennende Stadt zu sehen. Nicht nur Küpper wusste einiges zu berichten.

Auch Referent Edmund Schain, der in seinem Vortrag den jüdischen Friedhof in Weisweiler behandelte, ging auf viele interessante Aspekte ein. Schain stellte den Gästen verschiedene Grabsteine und deren Inschriften vor. Nach dem ausführlichen Spaziergang sprachen die Anwesenden mit Pfarrer Dieter Sommer das jüdische Totengebet am Gedenkstein vor der Dreieinigkeitskirche.

Für die musikalische Untermalung zwischen den Vorträgen sorgten Bärbel Ehlert und Friedhelm Lutzer. Mit Titeln wie „Es brennt“ oder „Y´did Nefesh“, die sie mit Violine und Akkordeon vortrugen, schafften sie eine ganz besondere Atmosphäre.

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