Die Natur schätzen: Kinder pflanzen Bäume

Von: Christina Handschuhmacher
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Anfassen erlaubt: Vor der Pflanzaktion zeigt Susanne Gohde (r.) den Vorschulkindern und Leiterin Iris Jonek einen präparierten Fuchs.
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Ihr Lieblingsbaum: Susanne Gohde und ihre Weimaranerin Fa vor einer der fast 300 Jahre alten Buchen im Stüfgen.
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Den kleinen Wildapfel-Setzling gut festhalten und rauf mit der Erde: Dominik und Amine pflanzen mit Hilfe von Försterin Susanne Gohde den Baum des Jahres. Foto: Handschuhmacher

Eschweiler. Einen Baum durch die Gegend tragen? Für Elias kein Problem. Gleich zehn Bäume auf einmal hat der kleine Knirps in der Hand, als er durch das Naherholungsgebiet an der Kippe läuft. Naja, richtige Bäume sind es noch nicht, die der Sechsjährige da trägt. Aber aus den zierlichen und dünnen Setzlingen mit den langen Wurzeln sollen einmal prächtige Wildäpfel werden.

Elias ist eines von 13 Vorschulkindern der Betreuungseinrichtung für Kinder und Jugendliche (BKJ) Herz-Jesu, die am Mittwoch mit Försterin Susanne Gohde anlässlich des Tag des Baumes für wenige Stunden zu Baumpflanzern und Nachwuchsforstarbeitern wurden.

Schon auf dem Weg zur Pflanzaktion gibt es für die Fünf- und Sechsjährigen und die BKJ-Leiterin Iris Jonek einiges zu sehen, hören und fühlen: bunte Schmetterlinge am Wegesrand, der Gesang der männlichen Klappergrasmücke, die mit ihrem charakteristischen Klapperlaut ihr Revier markiert, die Laute von Fasanen und Krähen und sogar ein Fuchs. Allerdings kein echter. Ein präpariertes Exemplar holt Susanne Gohde aus ihrem Auto hervor.

Dann wird gepflanzt. Ausgerüstet mit Schaufeln, Setzlingen und Wickelschutz geht es auf die Kippe. „Der Wildapfel braucht viel Licht und er kann sich schlecht gegen andere Bäume durchsetzen, deshalb suchen wir uns Plätze am Rand“, erklärt Gohde den Kindern die Eigenschaften des Baum des Jahres.

Mit drei Spatenhieben hebt sie ein Loch aus. Amine hält den Setzling fest, damit er gerade wächst und Dominik schaufelt die Wurzel mit Erde zu. Fertig. Schon ist der erste Wildapfel gepflanzt. Damit er gegen hungrige Rehe und Kaninchen geschützt ist, bekommt der kleine Baum noch einen knallgrünen Wickelschutz.

Zehn Wildäpfel kommen an diesem Vormittag in Eschweiler-Ost in die Erde. Dass die Setzlinge so klein seien, sei von Vorteil, sagt Gohde. „Je größer die Fläche über der Erde ist, umso schwieriger wird es für die Bäume, dort anzuwachsen.“ Bis die Wildäpfel richtig groß sind, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Im ersten Jahr wachsen sie lediglich zehn bis 20 Zentimeter, danach maximal 40 Zentimeter pro Jahr.

Der heutige Tag des Baumes ist für die Revierförsterin – die 34-Jährige betreut seit 2004 die Kommunalwaldgebiete Eschweiler und Würselen und damit 900 Hektar Waldfläche – wichtig, um „den Fokus auf den Wald zu lenken.“ Immer wieder trifft die Diplom-Ingenieurin für Forstwirtschaft bei ihrer Arbeit auf Kinder, die zuvor noch nie im Wald waren. Dabei gibt es dort so viel zu entdecken.

Zum Beispiel die etwa 25 Baumarten, die im Eschweiler Wald heimisch sind: von Exoten wie dem Tulpenbaum, der Orchideenblüten trägt, oder der Flatterulme und der Zaubernuss bis hin zu den „Klassikern“ Buche, Eiche und Fichte, die den Hauptbestand des Waldes ausmachen. Zumindest derzeit. Susanne Gohde schließt nicht aus, dass aufgrund der zu erwartenden Klimaerwärmung und des dadurch auch extremer werdenden Wetters Bäume wie Fichte und Buche Probleme bekommen. „Würde sich die durchschnittliche Jahrestemperatur von derzeit neun Grad Celsius auf zwölf Grad erhöhen, so droht beispielsweise der Fichte im Sommer Trockenheitsstress“, sagt Gohde. Aber: „So schnell wie die Klimaerwärmung kommen könnte, können wir den Wald nicht umstrukturieren“

Derzeit sind im Eschweiler Stadtwald allerdings die Eichen ihre Sorgenkinder. Drei Jahre in Folge haben bestimmte Schädlinge – Experten bezeichnen diese als „Eichenwicklerfraßgesellschaft“ – die Eichen kahlgefressen. Mehltau hat den Eichen dann zusätzlich zugesetzt. Gohde: „Vor allem im letzten Jahr sind verhältnismäßig viele Eichen abgestorben.“

Denn die Bäume im Stadtwald sind anfälliger. „Durch sauren Regen befindet sich derzeit sehr viel Stickstoff im Waldboden. Das führt dazu, dass die Bäume häufiger blühen und das wiederum zehrt an ihren Kräften.“ So hätten die Bäume früher durchschnittlich alle sieben bis acht Jahre in voller Blüte – Fachleute sprechen von der sogenannten Vollmast – gestanden. Derzeit würden die Bäume alle drei bis vier Jahre blühen.

Viel zu tun also für Försterin Susanne Gohde. 900 Hektar Waldfläche – 414 Hektar davon in Eschweiler – muss Susanne Gohde im Blick behalten. Wie sie das schafft? Natürlich ist Gohde bei ihrer Arbeit nicht alleine. Ihr Team besteht aus drei Forstwirten und einem Azubi.

Hinzu kommt: Das Wort Feierabend ist für die Försterin quasi ein Fremdwort. Nicht, weil sie so viel Arbeit hat, sondern, weil sie auch einen großen Teil ihrer Freizeit im Wald verbringt. „Wenn ich privat im Wald spazierengehe, notiere ich mir genauso Dinge, die mir auffallen. Eigentlich ist mein Beruf schon fast mein Hobby.“

Und welcher ist ihr Lieblingsbaum? Susanne Gohde überlegt nicht lange. Am liebsten verbringt sie Zeit bei den ältesten Bäumen im Eschweiler Stadtwald – den knapp 300 Jahre alten Buchen im Stüfgen oberhalb von Bergrath. Eine mächtige Buche, die von hinten bereits stark angefressen ist, gefällt ihr: „Der Baum wird nicht mehr lange haben. Aber er hält immer noch seine zwölf Tonnen schwere Krone.“

 

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