Eschweiler - Die „Materialschlacht“ überlassen sie anderen

Die „Materialschlacht“ überlassen sie anderen

Von: Rudolf Müller
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Sie kann einem schon Leid tun, die FDP. Für die Chance der Kleinpartei, in Berlin das Ruder weiterhin mit in der Hand zu halten, müssen die Liberalen vor Ort ganz schön tief in die Tasche greifen. Und sich dazu noch körperlich ordentlich ins Zeug legen.

Der Wahlkampf fordert seinen Tribut. Und der fällt unter den Parteien höchst unterschiedlich aus. Beispiel FDP: Dreieckständer, wie sie sich bei den großen Parteien großer Beliebtheit erfreuen, besitzen Eschweilers Liberale nicht. Zu teuer, sagt Vorsitzender Ulrich Göbbels. Dafür aber geht sie mit Großplakattafeln (3,70 mal 2,90 m großen „Wesselmännern“) ins Rennen. Mit drei Stück insgesamt. Eine zahlt der Bundesverband, die beiden anderen der Ortsverband. „Und die kosten richtig Geld!“, sagt Göbbels.

Schnickschnack und Rosen

Das gilt auch für die 500 Kunststoffplakate, die im Stadtgebiet für FDP-Politik werben. „Papier ist zwar billiger, aber uns fehlt fürs Kleistern und Herrichten die Manpower“, sagt Göbbels. Die Kunststoffplakate, fertig mit Bindern, hängen ganze zwei Mitglieder an Eschweilers Laternenmasten. „Die Plakate kosten uns einen Euro pro Stück. Hinzu kommen weit über tausend Euro für Flyer, Schnickschnack und Rosen, die wir an unseren Infoständen verteilen – das zahlen wir alles selbst.“

Das sieht bei Eschweilers CDU ganz anders aus. Die bleibt sich weitgehend aus der Tasche. Die CDU verfügt über 70 Dreieckständer, die sie mit den Porträts von Helmut Brandt und Angela Merkel bestückt. Die Hälfte steht bereits, die übrigen folgen in diesen Tagen. Dafür sorgt ein 18-köpfiges Wahlkampfteam unter Leitung von Stadtverbandschef Willi Büttgen. Wie viele Plakate insgesamt an Laternenmasten anzubringen sind, weiß Büttgen gar nicht: „Das macht eine Fremdfirma im Auftrag der Kreisgeschäftsstelle und des Wahlkampfbüros Brandt für uns.“

Die zahlen auch die Plakate – ebenso wie die „Wesselmänner“. Wie viele davon mit CDU-Werbung im Stadtgebiet stehen, weiß Büttgen demgemäß gar nicht. „Was ich sicher weiß, ist, dass es diesmal keine Materialschlacht geben wird“, sagt Büttgen. Und dass er für den Eventualfall – wenn zum Beispiel plötzliche politische Ereignisse den kurzfristigen Einsatz entsprechender Flyer erfordern – auf ein 18-köpfiges Wahlkampfteam aus „alten Hasen“ und zahlreichen jungen Leuten zurückgreifen kann.

Die nach ihrer Herstellerfirma „Wesselmänner“ genannten Großplakatstellwände sind auch für Eschweilers SPD kein Thema. „Die stellt der Unterbezirk. Wir haben wie immer nur Standorte empfohlen“, sagt Stadtverbandsvorsitzender Stefan Kämmerling. Darum, dass insgesamt 100 Dreieckständer – im Durchschnitt vier pro Stadtratswahlkreis – bestückt und aufgestellt werden, kümmern sich traditionell die jeweiligen Ratsvertreter mit ihren Teams.

Das ist inzwischen passiert. Was noch fehlt, sind etliche der verrottbaren Kunststoff-Plakate für Eschweilers Laternenmaste: „Hier hat ein Materialfehler die Lieferung verzögert“, erläutert Kämmerling. Auch sie werden traditionell dezentralisiert bearbeitet: „Je Ortsverein kümmern sich fünf bis sechs Leute darum“, sagt Kämmerling. Der Landtagsabgeordnete selbst schonte seine Genossen: Er bestückte seinen Bezirk mit nur einem Helfer mit Plakaten.

Erst einmal fragen

Finanziell bleibt auch Eschweilers SPD sich weitgehend aus der Tasche: „Grundsätzlich werden Drucksachen vom Landesverband bezahlt“, erklärt der Stadtverbandschef. „Darüber hinaus zahlen wir vom Stadtverband aber auch einiges selbst – zum Beispiel Anzeigen.“ Kämmerling zur Seite stehen bei der strategischen Wahlkampfplanung und -durchführung Vertreter von Ortsvereinsvorständen und Stadtverbandsvorstand. Für die praktische Arbeit kann sich Kämmerling auf eine große Zahl junger Leute verlassen, die ihn auch bereits in seinem eigenen Wahlkampf erfolgreich unterstützten.

Über Dreieckständer verfügen auch die Grünen nicht. Dafür über 150 Plakate, die an Eschweilers Lampenmasten hängen. Platziert werden sie dort allerdings nicht von Parteimitgliedern, sondern von einem Dienstleister, wie Vorstandssprecher Franz-Dieter Pieta betont: „Und zwar nicht von irgendeinem Dienstleister, sondern von einer Firma, die Menschen beschäftigt, die sonst keine Arbeitsstelle finden.“

Vor Arbeit nicht zurückgescheut ist auch ein Anwohner der Liebfrauenstraße. Der griff dieser Tage zum Imbus-Schlüssel und zerlegte einen Dreieckständer fachmännisch, um die Teile an einem nahen Glascontainer abzustellen. Der Mann hatte sich von der SPD-Werbung vor seinem Haus gestört gefühlt. Die SPD, so sagte er, habe ihn zumindest mal fragen sollen.

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