Eschweiler - Die Luft wird dünner: Immer weniger Ehrenamt

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Die Luft wird dünner: Immer weniger Ehrenamt

Von: Tobias Röber
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Ehrenamt in der Politik sollte
Ehrenamt in der Politik sollte gestärkt werden, findet Bernd Schmitz von der CDU. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. „Kick ens, dat isch mehr Rente kriege!” Zack, der Satz sitzt. Bernd Schmitz, CDU-Fraktionsvorsitzender, kennt diese und andere Forderungen nur zu gut. Wenn er in der Indestadt unterwegs ist, ob bei einem Fest, in der City oder einer Kneipe, wird er angesprochen.

Dass er als Ratsmitglied in Eschweiler eher nicht über die Rente der Indestädter Senioren entscheidet, stört diese bei ihren Forderungen nicht. Und noch eins stellt Schmitz immer wieder fest: „Viele Leute sind überrascht, dass wir ehrenamtlich arbeiten.” Politik und Ehrenamt - ein Thema, das wohl künftig immer mehr in den Fokus rücken wird.

„Es wird schwieriger, überhaupt Leute zu finden”, sagt Schmitz. Gut, damit steht die Politik dem Vereinsleben in nichts nach. Aber woran liegt es? Laut Bernd Schmitz ist es zum einen der Zeitaufwand, der abschreckt. Jedes Ratsmitglied sei in etwa zwei Ausschüssen. Manche Tagen zweimal jährlich, andere alle sechs bis acht Wochen. „Meistens geht es gegen 17.30 Uhr los. Damit fangen die Probleme an”, sagt Schmitz. Immerhin soll das „Gesetz zur Stärkung des kommunalen Ehrenamtes” jetzt für eine Verbesserung sorgen. Die Zeit ist aber auch generell ein Problem. wie das eben auch in Vereinen ist.

Nun mag der eine oder andere sagen, dass es eine Aufwandsentschädigung für dieses Amt gibt. Stimmt. Bernd Schmitz sagt dazu: „Aber das ist ja nicht attraktiv.” Will heißen: Wohl kaum ein ehrenamtlicher Politiker nimmt die Arbeit wegen der Entschädigung auf sich. Zur Verdeutlichung nennt der CDU-Fraktionsvorsitzende eine Zahl: „Es gibt 450 bis 500 Verwaltungsvorlagen pro Jahr. Das ist eine Menge.”

Bernd Schmitz nennt ein weiteres Beispiel, das die steigenden Schwierigkeiten verdeutlicht: Eschweiler hat 25 Wahlbezirke für die Kommunalwahl. 25 Wahlbezirksinhaber zu finden, sei bei Weitem nicht mehr so leicht wie früher. „Wir schaffen es, die Bezirke zu besetzen, es wird aber immer schwieriger”, sagt Schmitz. Die Bezirke mit einem direkt ortsansässigen ehrenamtlichen Politiker zu besetzen, gelinge nicht mehr ohne Weiteres.

Ein Los teilt Bernd Schmitz wohl mit den politischen Minderheiten in ganz Deutschland. „Das hast du gut gemacht, aber ich wähle trotzdem die SPD”, bekommt Schmitz dann und wann zu hören. Und warum? „Weil das immer so war”, erklärt Schmitz.

Es gibt aber überwiegend schöne Seiten an der politischen Arbeit. „Man kann helfen”, betont Schmitz. Vor allem bei kleinen Dingen gehe das gut. Müllprobleme, eine lockere Gehwegplatte - nennt Bernd Schmitz zwei Beispiele. Bei solch „kleinen” Themen engagieren sich die Bürger dann auch. Ansonsten sei es mitunter schwierig, die potenziellen Wähler zu mobilisieren. Er nennt ein Beispiel: Der Haushalt der Kommune stehe im Internet. Anregungen oder Kommentare dazu gebe es jedoch kaum. Aber: „Man kann etwas bewirken. Das ist das schöne”, sagt Schmitz. Die Luft werde jedoch dünner. „90 Prozent sind ja gesetzlich vorgeschrieben”, beklagt er.

Apropos bewirken. Gerade als Politiker muss man genau aufpassen, was man sagt. Ehrlichkeit werde nicht immer belohnt, weiß Bernd Schmitz. Es gibt eben unpopuläre Themen. Etwa die Schließung des Bades in Weisweiler vor einigen Jahren oder Gespräche über mögliche Vereinsfusionen.

Was die ehrenamtliche Arbeit erleichtern würde, sei die papierlose Ratsarbeit, so Schmitz. „Wenn Mittwoch Stadtrat ist, bekommen wir manchmal einen Teil der Unterlagen erst samstags mit der Post”, klagt Schmitz. Andere Kommunen seien der Indestadt in dem Punkt voraus.

Einen weiteren Vorwurf muss sich Bernd Schmitz auch dann und wann gefallen lassen. „Ihr habt euch ja die Diäten wieder erhöht”, bekommt er schon mal zu hören. In solchen Fällen erklärt er wie immer, dass es auf ihn und seine Eschweiler Kollegen nicht zutrifft. Diese und ähnliche Erklärungen werden wohl auch weiterhin nötig sein - als ehrenamtlicher Politiker.
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