Eschweiler - Die Katzen müssen nun unters Messer

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Die Katzen müssen nun unters Messer

Von: Patrick Nowicki
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Weiterer Nachwuchs unerwünsch
Weiterer Nachwuchs unerwünscht: Der Stadtrat beschloss die Kastrationspflicht für Katzen. Foto: imago/McPHOTO

Eschweiler. Für freilaufende Katzen gilt in Eschweiler nun eine Kastrationspflicht. Zudem sollen die Tiere einen Chip erhalten, damit sie jederzeit zugeordnet werden können. Die Mehrheit aus SPD und Grüne sowie Linke-Ratsmitglied Albert Borchardt stimmten gegen die Verwaltung, die aus rechtlichen und organisatorischen Gründen Bedenken hatte.

Wie allerdings die Kastrationspflicht umgesetzt werden soll, das muss nun im Rathaus noch erarbeitet werden.

Zahl der Fundtiere verdoppelt

Dieser Entscheidung war der Hilferuf des Tierschutzvereins für Aachen und Umgebung vorausgegangen, der das Tierheim in Aachen betreibt. Dorthin werden jährlich hunderte Katzen gebracht, die Unterbringung der Tiere gestaltet sich zunehmend schwierig. In dem vom 1. Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Lutz Vierthaler, und von der Tierschutzbeauftragten Birgit Wintersteller-Kordic, unterschriebenen Antrag heißt es, dass sich der Anteil der Fundkatzen in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt habe. „Infolge der hohen Katzenpopulation müssen oftmals Aufnahmestopps verhängt werden”, so die Tierschützer. Ehrenamtler und Mitarbeiter stießen bei ihren Bemühungen immer häufiger an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Die Entscheidung im Stadtrat war jedoch umkämpft. Sowohl Bernd Schmitz, Fraktionsvorsitzender der CDU, als auch sein FDP-Pendant Ulrich Göbbels sahen keine Veranlassung eine Kastrationspflicht anzuordnen. „Die Zahl von 80 Katzen jährlich aus Eschweiler bleibt derzeit konstant”, begründet der Liberale Göbbels seine Haltung. Die indestädtischen Christdemokraten sehen zudem Probleme, die Verordnung umzusetzen. Wie die Verwaltung setzen UWG, CDU und FDP darauf, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten und Katzenbesitzer so zu bewegen, ihre Tiere freiwillig kastrieren zu lassen.

Es gibt allerdings schon Beispiele, wie die Kastrationspflicht durchzusetzen ist. In einigen Städten wie Paderborn und Delmenhorst wurde sie bereits eingeführt. Auch der Jülicher Stadtrat schloss sich dem an, weitere Kommunen planen ähnliche Beschlüsse. Kristina Klinkenberg und Leo Gehlen, beide SPD, bezogen sich eindeutig auf das Schreiben des Tierschutzvereins. „Wir sollten auf den Hilferuf hören und entsprechend reagieren”, mahnte der SPD-Fraktionsvorsitzende. Auf der Internetseite des Aachener Tierheims wurden gestern 103 Katzen angezeigt, denen interessierte Tierliebhaber ein neues Zuhause geben können. Zahlreiche Vierbeiner befinden sich auch bei Patenfamilien. Hinzu kommen trächtige Tiere und Katzenbabys, die noch nicht vermittelt werden können. Die große Anzahl verursache hohe Kosten, heißt es im Antrag.

Was auf die Katzeninhaber nun zukommen kann, ist klar: Sie müssen nun innerhalb einer bestimmten Frist ihre Tiere nicht nur registrieren, sondern zudem sterilisieren lassen. Die Kosten liegen laut Tierschutzverein bei etwa 60 Euro bei Katern und 100 Euro bei Katzen. Eine Summe, die jeder Besitzer eines Tieres in den Augen des Vereins aufbringen kann: „Für die lebenslange, verantwortungsvolle Versorgung einer Katze stehen deutlich höhere Kosten an: Unterhalt, Impfungen, Entwurmungen, Behandlungen im Krankheitsfalle und mehr belaufen sich nach unseren Recherchen für ein 15-jähriges Katzenleben auf bis zu mehreren tausend Euro.”

Nach dem Willen der SPD kann die Durchsetzung der Kastrationspflicht analog zur Hundesteuer erfolgen. Auch dort wird stichprobenartig kontrolliert, ob sämtliche Tiere angemeldet sind und entsprechend von den Haltern gezahlt wird. Demzufolge wäre das Ordnungsamt im Rathaus zuständig. Ausnahmen soll es natürlich auch geben: wenn ein Tier zu Zuchtzwecken gebraucht wird oder ein medizinischer Eingriff unverantwortlich ist.

„Von einer im Stadtbild Eschweilers augenfällig großen Katzenpopulation oder vielen sichtbaren herrenlosen Katzen kann nach Beobachtungen der Verwaltung keine Rede sein”, hoffte die Verwaltung vor der Ratssitzung noch darauf, dass die Kommunalpolitiker sich gegen eine Kastrationspflicht aussprechen würden. Auch gebe es noch keine „geeignete gesetzliche Ermächtigungsgrundlage für die Festsetzung einer Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Katzen.” Bereits vor zwei Jahren hatte sich der Tierschutzverein mit dem Antrag an die Stadt gewandt, der wurde jedoch 2009 abgelehnt.

Vom Stadtrat wurde die Verwaltung jetzt dennoch beauftragt, nach einem juristischen Weg zu suchen. Die Begeisterung bei einigen Katzenbesitzern dürfte sich in Grenzen halten...
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