Eschweiler/Kapstadt - Die Freundlichkeit in Kapstadt überrascht sie immer wieder

Die Freundlichkeit in Kapstadt überrascht sie immer wieder

Von: rpm
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Fühlen sich in und um Kapstad
Fühlen sich in und um Kapstadt pudelwohl: die beiden Eschweiler „Weihnachtsmänner” Felix Möller und Jonas Schleypen. die sich in Townships der südafrikanischen Metropole sozial engagieren.

Eschweiler/Kapstadt. Am Kap regierte der Winter, als Felix Möller und Jonas Schleypen aus dem Flieger stiegen. Gut vier Monate ist das nun her. Jetzt ist hier Hochsommer. 30 Grad Celsius.

Jonas und Felix feuen sich auf fünf Wochen Ferien. Und darauf, ihre Schwestern Laura und Laura zu treffen. T-Shirt und Shorts sind eigentlich nicht das, was man Weihnachten zu tragen pflegt, und daher sitzen die Beiden am Strand und zweifeln, ob es ihnen auch in diesem Jahr gelingt, in die „richtige” Weihnachtsstimmung zu kommen. Die Bescherung liegt schon hinter ihnen: Die beiden jungen Indestädter haben sich in dem Projekt „SantaShoebox” engagiert und so jedem Kind ein Weihnachtsgeschenk ermöglicht, das sie den Kleinen in einer fröhlichen Weihnachtsfeier überreicht haben.

Völlig neue Erfahrungen

Seit vier Monaten ist Südafrikas weltoffene Metropole mit ihren unübersehbaren Problemen das Zuhause der beiden jungen Männer aus Eschweiler, die nach ihrem Abitur an der Liebfrauenschule ein Freiwilliges Soziales Jahr am „Centre of Creative Education” in den Armenvierteln der Millionenstadt leisten. Langeweile kennen Felix und Jonas dabei nicht: Morgens stehen im Kindergarten neben Zähneputzen Singen, Tanzen und Spielen auf ihrem Programm. Sie führen Aufsicht beim freien Spielen und gehen den Lehrern und Mamas zur Hand.

Und sie kümmern sich um die selbstangelegten Gärten: „Da der Boden in unseren Einrichtungen eher als Sand bezeichnet werden kann, müssen wir dafür sorgen, dass er fruchtbar wird, und geben Pferdemist und Kompost zu.” Und um Abwechslung auf die Teller zu bringen, haben sie sich Samen aus Deutschland schicken lassen. „Insgesamt ist die Gartenarbeit nicht nur eine schöne Abwechslung für uns, sondern vor allem für die Kinder sehr wichtig, da sie dabei den richtigen Umgang mit der Umwelt erfahren”, sagt Felix.

Abwechslung ist ohnehin angesagt: Die beiden Indestädter haben mit ihren kleinen Schützlingen im Vorschulalter „Primaryschools”, Grundschulen, besucht, um ihnen einen Einblick auf das zu geben, was demnächst auf sie zukommt. Sie haben mit ihnen Drachen gebastelt und im nahen Sherwoodpark steigen lassen, haben ein Sommerfest organisiert und in der Moschee an einer Gedenkfeier der Schlacht von Kerbala anno 680 im Irak, in der Husain ibn Ali getötet wurde, teilgenommen. „Die Zeremonie war sehr emotional, durchaus befremdlich und trotzdem sehr interessant”, berichtet Felix Möller. „Wir sind froh, solche neuen Erfahrungen machen zu können. Nach der Zeremonie gab es ein gemeinsames Essen, bei dem wir sehr freundlich aufgenommen wurden.”

Ähnliche Erfahrungen machten die Beiden auch bei einem feierlichen Essen bei der Mama eines ihrer Schützlinge im Township. „Wir saßen gedrängt mit geschätzten 50 Townshipbewohnern in einer Blechhütte, haben das township-typische Xhosa-Bier probiert und gegessen. Danach saß man geschlechtergetrennt und in Altersgruppen aufgeteilt zusammen und tauschte sich über das Leben im Township bzw. in Deutschland aus. Uns fällt immer wieder auf, dass die Menschen um uns herum sehr freundlich und offen auf uns zugehen und den Kontakt zu einem Umlungu - weißen Mann - suchen. Darüber hinaus freuen sie sich, wenn wir Interesse an ihrer Kultur zeigen. Desweiteren sind wir in keinster Weise mit Kriminalität direkt in Kontakt gekommen, folglich fühlen wir uns sehr sicher und wohl.”

Grillen, feiern, surfen

Wohl fühlen Jonas und Felix sich auch im Township Gugulethu, einem weiteren Ort, die südafrikanische Kultur hautnah kennenzulernen. „Hier ist es besonders die Metzgerei Mzolis, die sonntäglich viele hundert Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Kapstadt anzieht, um dort zu feiern und zu grillen.”

Gefeiert wurde schließlich auch im Kindergarten, wie Felix berichtet: „Zum Abschluss des Schul- und Kalenderjahres feierten wir die Entlassung der ältesten KInder in die Schule, die sogenannte Graduation. Bei diesem Fest stehen in unserer Einrichtung Siphamandla in Crossroads, einem Township Kapstadts, das Herausputzen der Kinder, gemeinsame Gesänge, kulturelle Kleidung und das gemeinsame Schlemmen im Vordergrund. In unserer Einrichtung Strawberry in Mannenberg dagegen wurde eine Community Hall angemietet, eine Bühne aufgebaut und ein Konzert geplant, um die Kinder standesgemäß in die Schule zuentlassen. Demnach haben wir einen großen Unterschied in der Art zu feiern bei der schwarzen und der farbigen Bevölkerung festgestellt.”

Schwarze stellen etwa 80 der gesamten Bevölkerung Südafrikas; als Farbige werden die Nachfahren der ersten Siedler unterschiedlicher Herkunft, meist Europäer, und deren Sklaven bezeichnet, die ebenso wie die Weißen etwa 9 Prozent der etwa 50 Millionen Einwohner.

Da aber Arbeit nicht alles ist im Leben, haben Felix und Jonas längst auch die paradiesischen Seiten der Kapregion entdeckt. In dem idyllischen Örtchen Muizenberg haben sie ein Surferparadies direkt vor der Haustür, das sie immer wieder gerne nutzen. An den Wochenenden gehen sie häufig auf der Longstreet mit Freunden und Mitfreiwilligen feiern. Und ein Wochenendtrip führte das Duo auch schon zum 220 Kilometer entfernten Cape Agulhas, dem südlichsten Punkt Afrikas, wo Atlantischer und Indischer Ozean zusammentreffen.

„Zudem”, so Felix, „genießen wir das Gefühl, wirklich ,frei zu haben und nicht am Nachmittag noch für Klausuren und Tests lernen zu müssen.”

Erlebnisreiche Gardenroute

Fünf Wochen lang können die Jungs jetzt wirkliche „Freiheit” genießen: So lange dauern ihre Ferien. Und die wollen sie nutzen, Südafrika näher kennenzulernen: nicht nur auf Erkundungstouren durch das abwechslungsreiche Kapstadt, sondern auch auf einer Fahrt über die weltberühmte „Gardenroute” mit ihren idyllischen Städtchen, von Pinguinen bewohnten Stränden, Buchten, in denen sich Wale tummeln und Farmen, auf denen nicht Pferde von ihren Reitern über Rennbahnen gejagt werden, sondern Strauße. Frohes Fest - und schönen Urlaub!

Spendenkommenden Kindern zugute

Wer Jonas und Felix helfen möchte,z.B. Ausflüge mit den Kindern zu finanzieren, Klettergerüste zu bauen oder die schlechte medizinische Versorgung der Kinder zu verbessern, kann dies tun mit einer Spende: Freunde der Erziehungskunst, GLS Gemeinschaftsbank, Blz 430 60967, Konto 130 420 10, Stichwort: Sabantwana.

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