Die Brücke der Zukunft soll zum Denkmal werden

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Seit 22 Jahren ungenutzt: Die Eisenbahnbrücke über die Inde in Weisweiler. Bald könnte das Bauwerk zum Denkmal ernannt werden. Foto: Mischa Wyboris

Eschweiler. Hundert Jahre Braunkohle. Das bedeutet nicht nur zahlreiche Vorträge, Berichte und Ausstellungen, die die Indestädter über das ganze Jahr hinweg im Rathaus über Tagebau, Brikettfabrik und das Kraftwerk der BIAG Zukunft in Weisweiler informiert haben.

Im Schatten des Geschehens, fernab der Aufmerksamkeit, begeht der einzige übriggebliebene Betriebsteil der Braunkohle-Industrie-Aktiengesellschaft (BIAG) Zukunft seinen 100. Geburtstag: die Eisenbahnbrücke über der Inde in Weisweiler. Und mehr noch: Ein Gutachten des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), Amt für Denkmalpflege, attestiert dem Bauwerk das Zeug zum Denkmal.

Zuvor hatte der Arbeitskreis (AK) 5 des Eschweiler Geschichtsvereins, der sich seit geraumer Zeit mit der Stadtteilforschung Weisweiler befasst, im Oktober 2009 bei der Stadt Eschweiler und beim LVR formell angeregt, das Brückenbauwerk zum Denkmal zu machen.

Die Brikettfabrik der Gewerkschaft Zukunft nahm im Jahre 1910 den Betrieb auf. Über den eingleisigen Schienenanschluss und die Brücke in Weisweiler war der Bahntransport der Braunkohlebriketts an die „Staatsbahnlinie Mönchengladbach - Jülich - Stolberg” möglich.

Auch das Elektrowerk Weisweiler benutzte im Rahmen seiner Erbauung und des Betriebes ab 1917 das Anschlussgleis mit der Brücke über der Inde, um Baumaterialien, Erze und Fertigprodukte zu transportieren. Die 1926 erfolgte Verstärkung der Brücke für den schwereren Lastenzug „G” zeigte, dass das Anschlussgleis und die Brücke eine immer größere Bedeutung für beide Betriebe gewann.

Mit dem Ausbau des Elektrowerkes nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Verkehr über die Brücke noch weiter zu. Nachdem die Brikettproduktion der BIAG Zukunft 1973 eingestellt und die Brikettfabrik 1975 abgerissen wurde, hatten das Gleis und die Brücke keine Bedeutung mehr für diesen Betrieb. Das Elektrowerk Weisweiler hat dann den Gleisanschluss samt Brücke vom RWE übernommen. Es ließ aber Erze und Fertigprodukte ab 1988 nur noch mit Lastern transportieren. Seitdem ist die Brücke ungenutzt.

Die Fachwerkträger der Brücke sind aus kräftigen Winkel- und Flachstahlprofilen zusammengenietet. Sie bestehen aus Thomasstahl, der entsprechend nach dem sogenannten Thomasverfahren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hergestellt wurde.

Nach Ansicht des Eschweiler Geschichtsvereins stellt die Brücke „ein eindrucksvolles, historisches Bauwerk” dar. Sie hat eine Spannweite von 41,60 Metern und ist damit die längste Weite aller Eschweiler Brücken. Sie ist sechs Meter hoch und fünf Meter breit. Die parallelen Ober- und Untergurte sind eine Konstruktionsweise des Stahlbrückenbaus. Nach den Gitterträgerbrücken wie die 1855 bis 1859 errichtete Rheinbrücke in Köln (auch als Dombrücke bezeichnet), galt sie als Bauform der Zukunft.

Der Landschaftsverband Rheinland bezeichnet die Brücke gar als ein „Denkmal des Stahlträgerbrückenbaus” um 1910. Als Indeüberquerung, zum Beispiel als Fußgänger- und Radweg, sei sie - etwa mit einem neuen Holzbodenbelag - bestens geeignet, erklärt der AK5.

Der Weg zum Denkmal

Nach dem LVR zeugt nur noch die Brücke von der Brikettfabrik und dem Kraftwerk der BIAG Zukunft - und diese Fabrik hatte für die Entwicklung Weisweilers und die Beschäftigung in der Umgebung große Bedeutung. „Wenn sich die Stadt Eschweiler und der heutige Eigentümer der Brücke, das Elektrowerk, einig werden, wäre ein Meilenstein in der Geschichte gesetzt”, sagt Günther Spennes vom Eschweiler Geschichtsverein.

Der Kulturausschuss der Stadt Eschweiler könnte dann entscheiden, die Brücke offiziell in die Denkmalliste eintragen zu lassen, fährt Spennes fort. „Das Gespenst der Verschrottung hätte sich in Luft aufgelöst.”

Seit 100 Jahren die längste Brücke der Indestadt

Die Fachwerkträger der Brücke sind aus kräftigen Winkel- und Flachstahlprofilen zusammengenietet. Sie bestehen aus Thomasstahl, der Ende des 19. Jahrhunderts nach dem sogenannten Thomas-Verfahren hergestellt wurde.

Die Spannweite von 41,60 Metern macht das Bauwerk zur längsten Brücke Eschweilers. Ihre Höhe beträgt sechs Meter, ihre Breite fünf Meter.

Die Bauform der Zukunft: Das war die Konstruktionsweise des Stahlbrückenbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nach der auch die parallelen Ober- und Untergurte gefertigt wurden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke beschädigt, aber nicht gesprengt.

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