Eschweiler - Die Begleitung auf dem letzten Weg im Leben

AN App

Die Begleitung auf dem letzten Weg im Leben

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
6420956.jpg
Ehrenamtliche Begleitung auf dem letzten Weg: Die über 20 Helfer im Ambulanten Hospizdienst Eschweiler/Stolberg verstehen ihre Arbeit als „Dienst am Leben“. Foto: stock/emil umdorf

Eschweiler. Das Leben mit dem Tod fällt vielen Menschen schwer. Einige Bürger aus Eschweiler und Stolberg wählten jedoch bewusst ein Ehrenamt, dass sich mit dem letzten Weg des Lebens beschäftigt. Etwa 25 Helfer zählt der Ambulante Hospizdienst Eschweiler/Stolberg. Er begleitet Schwerstkranke und deren Angehörige kostenlos. „Dienst am lebenden Menschen“ nennt Gabriele Schippers diese anspruchsvolle Tätigkeit.

Die Psychologin koordiniert die Einsätze der Ehrenamtler und hat ein Auge darauf, dass diese nicht überfordert werden und bestens vorbereitet in die Betreuungen der Menschen gehen. Nur dann nämlich können die freiwilligen Helfer Positives aus den Begleitungen ziehen.

Die Städteregion zeichnete die Hospizinitiative im Jahr 2010 mit dem „Ehrenamtspreis“ aus. Auch die Stadt Eschweiler würdigte das Engagement der Ehrenamtler im gleichen Jahr. Was die Menschen bewegt, sich in ihrer Freizeit Schwerstkranken zu widmen und trauernde Angehörige zu stützen, berichtet Gabriele Schippers im Interview mit unserer Zeitung.

Frau Schippers, Sie haben zunächst den Beruf der Hebamme gewählt und arbeiten nun in der Hospizinitiative. Wie passt dies zusammen?

Schippers: Nun, beide Tätigkeiten beschäftigen sich mit Eckpunkten des Lebens. Und die Arbeit ist sehr ähnlich. Als Hebamme kann ich auch nur begleiten. Die Frau muss letztlich das Kind zur Welt bringen. So ist dies auch beim Sterben: Den letzten Schritt kann ein Mensch nur alleine machen. Wir können den Weg lediglich leichter gestalten.

Aber mit der Geburt verbinden die meisten Menschen positive Gefühle, mit dem Tod beschäftigen sich viele gar nicht...

Schippers: Ich habe als Hebamme auch in Afrika gearbeitet. Dort kann eine Geburt häufig auch den Tod der Mutter oder des Kindes bedeuten. Die Erfahrungen dort sind mir in Erinnerung geblieben, als ich nach einem neuen Aufgabenfeld suchte. Ich hatte die Gelegenheit, ein sechswöchiges Praktikum in einem Hospiz zu verrichten.

Wie kamen Sie letztlich zur Hospizinitiative in Eschweiler?

Schippers: Ich war als Ehrenamtlerin in der Evangelischen Gemeinde tätig, als mich Monika Meinhold gefragt hat, mit ihr in der Hospizinitiative zu arbeiten. Im Jahr 2004 haben wir dann offiziell angefangen. Zunächst half ich ehrenamtlich mit, seit 2009 mit einer halben Stelle hauptamtlich.

Was motiviert Sie persönlich, einen Menschen auf seinem letzten schweren Weg zu begleiten?

Schippers: Es ist nicht immer ein schwerer Weg. Oft sind Menschen des Lebens satt. Wenn die Diagnose der lebensbegrenzenden Krankheit zum Beispiel Jahre her ist, dann haben diese Menschen einen langen Leidensweg vielleicht mit mehreren Therapien und Operationen hinter sich. Manche wachsen in diesem Moment nochmal über sich hinaus. Oder sie sehen das Abschiednehmen als große Chance. Man darf nicht vergessen: Das Sterben ist etwas anderes als das Totsein. Und es ist bei weitem nicht so schlimm, wie sich das viele vorstellen. Aber Sie fragten nach der Motivation: Nun, wir begleiten einen Teil des Lebens. Manche suchen vielleicht auch nach dem letzten großen Geheimnis des Lebens. Losgelöst vom Glauben ist der Tod schließlich die letzte große Erfahrung im Leben. Jeden Ehrenamtler bewegt etwas anderes.

Begrüßen Sie es, dass der Tod etwas aus der Tabuzone geholt und wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft geholt worden ist?

Schippers: Natürlich. Er gehört schließlich dazu und ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens. Was wir machen, ist Lebenshilfe. Unsere Begleitung beschränkt sich nicht nur auf die Sterbenden, sondern schließt auch die Angehörigen mit ein. Aber so vielfältig das Leben ist, so unterschiedlich sind auch die letzten Stunden. Und unsere ehrenamtlichen Hospizhelfer treffen immer wieder auf andere Situationen. Wir setzen uns dann dafür ein, dass die Menschen bis zuletzt ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben führen können. Mithilfe des Pailliativnetzwerkes Stolberg-Eschweiler kann es gelingen, dass die Menschen in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Ihm gehören Ärzte, Altenheime, Pflegedienste, Krankenhäuser und natürlich der Ambulante Hospizdienst an.

Wie intensiv ist denn die ehrenamtliche Betreuung durch die Hospizhelfer?

Schippers: Das ist wiederum sehr unterschiedlich. Die Besuche können einmal wöchentlich oder auch fast täglich erfolgen. Manchmal ist eine kürzere Betreuung intensiver, weil in einer kurzen Zeit mehrere Dinge zu organisieren sind. Die Zeit läuft einem davon. In Vorgesprächen mit den Betroffenen lässt sich oft herausfinden, ob ein Ehrenamtler diese Begleitung überhaupt leisten kann.

Wenn ein Ehrenamtler während der Begleitung spürt, dass er seine Grenze erreicht hat, wie können Sie da helfen?

Schippers: Zunächst sind die Ehrenamtler durch den 120 Stunden dauernden Kurs gut vorbereitet. Die meisten haben selbst eine Erfahrung mit einem sterbenden Angehörigen hinter sich. Zudem bieten wir regelmäßige Supervisonen an. In der Gruppe lassen sich die Erlebnisse besser bewältigen. Grundsätzlich stehe ich immer beratend zur Seite und stehe im ständigen Kontakt zu den Helfern. Wenn ich beim Erstgespräch, das ich grundsätzlich immer mit den Angehörigen führe, spüre, dass man zu intensiv einsteigen muss, dann übernehme ich selbst die Begleitung.

Wie sieht die Arbeit der ehrenamtlichen Hospizhelfer konkret aus?

Schippers: Nun, sie können Information zu Patienten- und Betreuungsverfügung sowie zur Vorsorgevollmacht geben. Bei vielen organisatorischen Dingen wissen sie einen Rat. Und unsere Helfer hören genau zu. Natürlich bringen sie auch ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Glauben mit. Bei allem unterliegen sie der Schweigepflicht. Das bedeutet, alles Gesagte bleibt im Raum.

Ihre Begleitung ist für die Betroffenen kostenlos. Wie finanziert sich der Hospizdienst?

Schippers: Zum Teil durch Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen. Bei den privaten Krankenkassen gestaltet sich die Frage schwieriger, was ich sehr bedauere. Aber es wird maximal ein Teil der Begleitung übernommen. Den Rest – und das ist nicht wenig – müssen wir mit Spenden finanzieren.

Welche Kosten muss der Hospizdienst tragen?

Schippers: Wir zahlen den Ehrenamtlern Kilometergeld. Man kann nicht von den Menschen verlangen, dass sie ihre Zeit und ihr Wissen geben und auch noch zum Nulltarif von Dürwiß nach Zweifall fahren. Und dies mehrmals in einer Woche. Auch die Fortbildungen, die wir anbieten, gehen ins Geld. Ein Befähigungskurs kostet uns pro Teilnehmer etwa 600 Euro. Für die Ehrenamtler ist der natürlich kostenlos. Dieses Geld müssen wir erst einmal auftreiben, was gar nicht so einfach ist.

Wie oft wird die Hilfe des Hospizdienstes in Anspruch genommen?

Schippers: Es gibt etwa 50 Kontakte in diesem Jahr. Derzeit sind 20 Ehrenamtler aktiv. Die Länge der Begleitungen ist höchst unterschiedlich: Manche nur wenige Tage, andere können schon einmal Monate, sogar Jahre dauern. Selbst nach dem Tod des Menschen endet nicht die Begleitung, denn vor allem pflegende Angehörige fallen anschließend in ein Loch. Trauerbegleitung gehört also auch zu unseren Aufgaben.

Ein interessantes Projekt bieten Sie seit 2010 an: Ehrenamtler sprechen mit Grundschülern über Tod und Sterben...

Schippers: Ja, die Projektwoche unter dem Namen „Hospiz macht Schule“ setzt sich mit diesen wichtigen Themen auseinander. Neun eigens dafür geschulte Mitarbeiter führen die Schüler behutsam heran. Dabei vermitteln sie nicht nur Wissen, sondern geben auch die Möglichkeit, über eigene Erfahrungen zu sprechen und Fragen zu stellen. Die Resonanz darauf ist positiv. Das gilt sowohl für die Schüler selbst, als auch für die Lehrer und Eltern.

Im Januar beginnt ein neuer Kurs im Helene-Weber-Haus. Was müssen Ehrenamtler mitbringen?

Schippers: Sie müssen vor allem die Bereitschaft mitbringen, sich mit Menschen zu beschäftigen, und sich auf die nicht immer einfache Aufgabe einlassen zu wollen. Gerne stehe ich für ein Informationsgespräch zur Verfügung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert