Eschweiler - Diagnose Prostatakrebs: Selbsthilfegruppe in Eschweiler

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Diagnose Prostatakrebs: Selbsthilfegruppe in Eschweiler

Von: Andreas Gabbert
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Bernhard Reimer hatte nur eine
Bernhard Reimer hatte nur eine Option: Eine Operation war nicht zu vermeiden. Das Bild zeigt die Übertragung einer Prostataoperation anlässlich des Elften Nationalen

Eschweiler. Die Diagnose war ein Schock - wie ein Schlag mit der Faust ins Gesicht. Von einer Sekunde auf die andere war nichts mehr wie zuvor. „Von diesem Moment an lebt man in einer Welt, in der man sich nicht mehr zurecht findet”, sagt Bernhard Reimer. Bei dem 71-Jährigen wurde im Mai vergangenen Jahres Prostatakrebs festgestellt.

Es war purer Zufall, dass die Krankheit überhaupt entdeckt wurde. Nach einem Muskelfaserriss hatte sich Reimer zu seinem Hausarzt begeben und sich bei der Gelegenheit komplett durchchecken lassen. Dazu gehörte auch eine Prostata-Vorsorgeuntersuchung. Als ihm der Arzt nach der Untersuchung einen stark erhöhten PSA-Wert nannte (der Wert ist ein Indikator für Krebs), wusste der rüstige Rentner gleich, was das bedeutet. In diesem Moment brach seine Welt zusammen. „Man weiß, das Krebs in vielen Fällen tödlich endet und fragt sich, ob das Leben jetzt zu Ende geht”, sagt Reimer.

Ein Wechselbad der Gefühle

Die folgenden Wochen und Monate waren ein Wechselbad der Gefühle zwischen Hoffnung und Resignation. Ein Urologe baute ihn zunächst wieder auf und meinte, es könne auch nur eine Entzündung sein. „Innerlich weiß man, dass es nicht so ist, aber ein Ertrinkender greift eben nach jedem Strohhalm, also lässt man die Behandlung zu.” Doch die Behandlung mit Antibiotika führte nicht zum Erfolg, der PSA-Wert blieb unverändert hoch. Um absolute Sicherheit zu bekommen, war eine Biopsie, die Entnahme von Gewebeproben, nötig. Der Befund war für Bernhard Reimer ein erneuter Schlag. Der Tumor hatte fast die gesamte Prostata erfasst und Reimers Gefühlswelt stand Kopf. „Die Ängste nehmen überhand. Man fragt sich, was mit einem passiert und wie lange man noch zu leben hat.”

Der 71-Jährige zwang sich die Ruhe zu bewahren und holte sich bei verschiedenen Ärzten unterschiedliche Meinungen ein. „Das ist wichtig, weil es je nach Größe des Tumors unterschiedliche Behandlungsmethoden gibt”, sagt Reimers heute rückblickend. In seinem Fall gab es aber nur noch eine Option - eine Operation war unumgänglich.

Immer neue Fragen tauchten auf. „Was ist nach der Operation, bin ich dann impotent oder inkontinent? Kann ich noch unter Leute gehen?” Fragen über die Betroffene nicht gerne sprechen, aus Angst lächerlich gemacht und durch den Kakao gezogen zu werden. Aber Reimers wollte wissen, wie es anderen in seiner Situation ergangen ist und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Er suchte den Austausch, wusste aber nicht, an wen er sich wenden kann, wie er den Kontakt zu anderen Betroffenen hätte herstellen hätte. Über Bekannte gelangte er schließlich an die Nummer eines Betroffenen und rief einfach an. „Der war zunächst sehr erstaunt über meinen Anruf. Die Gespräche mit ihm haben mir aber später bei meiner Entscheidung sehr geholfen.” Reimers Ängste wurden ein wenig kleiner, und die Gewissheit wuchs, dieses Schicksal mit einer Menge anderer zu teilen, die die Krankheit mehr oder weniger gut überstanden haben.

Reimers entschied sich, sich im August im Eschweiler Krankenhaus operieren zu lassen, wo er auf Robert Tillmann traf. Der 57-Jährige hatte ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Nach der Diagnose war er zunächst in Depression gefallen und hatte tagelang auf der Couch liegend sein Leben an sich vorbei ziehen lassen. Und immer wieder beschäftigte ihn die quälende Frage, wie schlimm seine Erkrankung wirklich ist, und was das für ihn und seine Familie bedeuten würde. Reimer und Tillman teilten sich ein Zimmer und hatten endlich Gelegenheit, ihre Erfahrungen auf gleicher Ebene auszutauschen, sich über ihre Sorgen und Ängste zu unterhalten. „Das hat gut getan”, sagen beide.

Nach ihren Operationen besuchten sie sich gegenseitig und verbrachten auch die anschließende Heilbehandlung im gleichen Haus. In der Zeitung lasen sie dann von einer Selbsthilfegruppe, die zu einem Vortrag einlud. Dort erfuhren sie, dass die Prostata-Selbsthilfegruppe aus Eschweiler nicht mehr aktiv ist. Nach ihren Erfahrungen war den beiden klar: „Das wollen wir fortsetzen.”

Heute, rund ein Jahr nach ihren Operationen, sind Reimer und Tillmann viel unterwegs. Sie organisieren Räumlichkeiten für die Treffen der Selbsthilfegruppe, werben bei Institutionen, Organisationen und Medizinern um Unterstützung und nehmen sich Zeit für Gespräche mit Menschen, die sich jetzt in einer ähnlichen Situation befinden wie sie selbst. „Wir hätten uns damals einen intensiven Austausch gewünscht. Als Betroffener weiß man oft nicht, wohin man sich in seiner Not wenden soll, deshalb wollen wir anderen eine Anlaufstelle bieten, erklärt Reimer.

Ihm und Tillmann geht es heute wieder relativ gut. „Krebspatienten werden wir aber immer bleiben”, sagt Tillmann.


Die Prostata-Selbsthilfegruppe Eschweiler trifft sich immer am letzten Dienstag des Monats im Seminarraum 5 des Elisabethheims auf dem Gelände des Eschweiler St.-Antonius-Hospitals.

Das nächste Treffen findet am Dienstag, 26. Juli, um 18 Uhr statt. Eingeladen sind alle betroffenen und interessierten Männer. Frauen sind gern gesehene Gäste. Weitere Auskünfte gibt es unter Telefonnummer 0171/3303378 oder der Telefonnummer 0157/89578178.

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