Deutschland zum Nulltarif - mit Laptop

Letzte Aktualisierung:
Pause an der Inde. Der Autor H
Pause an der Inde. Der Autor Harald Braun wandert wie vor 30 Jahren der Reporter Michael Holzach ohne einen Cent in der Tasche durch Deutschland.

Eschweiler. Am 1. Mai ist er los gegangen, er und sein Hund Paulchen. In Übersee, das ist in Bayern ganz unten, am Chiemsee. Etwa da, wo Deutschland aufhört oder, aus bayerischer Sicht, anfängt. Am 3. Juli will er ganz im Norden ankommen, in Horst, das liegt in Schleswig-Holstein.

Paulchen hat unterdes mit wunden Pfoten aufgegeben. Harald Braun geht weiter. Auf dem Rücken einen 15-Kilo-Rucksack, in der Taschen keinen Cent. In dieser Woche war er in Eschweiler. Nicht irgend eine Station auf seinem Weg, sondern: Heimat.

Ohne Geld zu Fuß durch Deutschland - kennen wir das nicht irgendwo her? Ja, natürlich, sagt Braun. Der Reporter Michael Holzach hat das 1980 gemacht, sein Bericht „Deutschland umsonst” wurde ein Kultbuch. Der Journalist und Buchautor Harald Braun hat Holzachs Werk in den 80er Jahren immer wieder gelesen. „Einfach mal ein paar Wochen ohne Geld in die Welt hinaus zu marschieren, das ist einer meiner kleinen Träume, die ich jetzt schon seit fast 25 Jahren vor mir her schiebe”, schrieb er im April. Und dann ging er los.

„Deutschland umsonst reloaded” wird das Buch heißen, das er über seine Wanderung schreibt, im Herbst soll es erscheinen. Projekt und Buch sind eine Verbeugung vor Holzach, aber kein neuer Aufguss eines alten Themas. Braun will mit seiner Fußreise auch erproben, wie sinnvoll und tragfähig soziale Netzwerke sind. Die Internet-Plattform Facebook zum Beispiel. Also ist er zwar zu Fuß und ohne Geld unterwegs, aber mit Laptop und Handy.

Tägliche Dokumentation

Täglich dokumentiert er seine Erlebnisse im Internet, und hunderte Besucher seiner Internetseite wandern in Gedanken mit - und helfen ihm weiter. Oder auch nicht. Braun in seinem Internetblog deutschlandumsonst.wordpress.com: „Wenn Ihr Facebook-Karpeiken oder wordpress-Blogleser mich hängen lasst, dann werde ich im Wald schlafen, trockene Brotreste aus Müllkübeln essen und den Weg nach Hause nicht finden.”

Müllkübel hat er bislang noch nicht durchwühlt. Aber gebettelt schon. Und im Wald geschlafen auch. Na gut, im Zelt. Aber fremde Menschen anzubetteln - „man sollte ja meinen, es wird einfacher mit der Zeit. Aber das Gegenteil ist der Fall.”

In Eschweiler hat er das nicht nötig, hier wird er „mit sieben bis acht Mahlzeiten am Tag versorgt”, erzählt er lächelnd bei einem Treffen mit Jörg Drescher, „dem Buchhändler meines Vertrauens”. In Eschweiler ist Harald Braun aufgewachsen, hier hat er sein Abitur gemacht, hat Fußball gespielt und seine ersten Zeitungsberichte geschrieben - ein fast schon traumatisches Erlebnis, das ihn dennoch nicht von seiner Autorenlaufbahn abhalten konnte.

Die führte ihn bis in die Chefredaktion von Hochglanz-Magazinen, bekannter noch wurde er als Autor von bislang 14 Romanen und Sachbüchern (zum Beispiel „Die Kickerbibel”, „Falsch verbunden”, „Jordy - Ansichten eines Schwachbegabten”).

Drescher schaut gerade die Rohfassung eines Buchs von Harald Braun durch, das am 24. Juni erscheinen soll. „Das Gummistiefel-Gefühl” schildert die Erlebnisse eines Städters, der aufs Land zieht - natürlich handelt es sich um den Autor selber - und wie da erträumtes Idyll und rustikale Realität zusammenstoßen, sorgt für viele Funken seines sarkastischen Humors.

Knapp 700 Kilometer ist Harald Braun bereits durch Deutschland gewandert. Als er in Eschweiler ankommt, fühlt er sich leer, erschöpft, verdrossen. Sein Hund fehlt ihm, der „perfekte Gefährte”. Wanderunlust beklagt er in seinem Internet-Blog, Schreibunlust. Noch so viele Kilometer bis nach Schleswig-Holstein.

Aber jetzt zeigt sich, dass das soziale Netzwerk, das er mit seiner Wanderung austestet, nicht nur Bett und Frühstück bieten kann, sondern auch Motivation. „Harry, Kopf hoch!” feuert ihn „Siggi” auf Facebook an. „Püp Pi” rät ihm, ruhig einmal Pause zu machen in Eschweiler und sich von den Strapazen zu erholen. Und Sascha bietet Harald Braun schon mal einen Kaffee an, wenn er bei ihm vorbei kommen sollte. Sascha wohnt im Ruhrgebiet, da sind es noch ein paar Kilometer hin...
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert