Der Weg vom Schaf bis hin zur Socke

Von: Thomas Vogel
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Ein Schaf, dass von großem Nu
Ein Schaf, dass von großem Nutzen ist: die Krainer Steinschafe sind robust. Noch mehr: Die Kinder haben nach zaghaftem Beginn viel Spaß mit den Tieren. Fotos (3): Thomas Vogel Foto: Thomas Vogel

Eschweiler. Ostpreußische Skudden - hört sich an wie der Name eines Jahrhunderte alten Kriegerstammes. Die Wahrheit ist auf den ersten Blick weniger aufregend: es handelt sich um Schafe. Genau wie ihre Kollegen auf der Weide in Bergrath, die Krainer Steinschafe, bekommen die Tiere in den Ferien Besuch.

Gerade schauen zehn Grundschüler aus den Offenen Ganztagsschulen in Bergrath und Bohl mit ihren Ferienbetreuerinnen Sabine Büttgen und Liane Engels vorbei. Die beiden wollen mit den Kindern den Weg der Wolle verfolgen, vom Schaf bis zur gestrickten Socke.

Und: Sie haben kompetente Hilfe. So wie Petra Röllicke ihre vierbeinigen Schützlinge vorstellt, sind die alles andere als langweilig. Sie ist Mitglied im Verein Bine, der Bildungsangebote für nachhaltige Entwicklung entwirft und umsetzt. Sie bietet den Kindern, vor ihnen auf dem Boden sitzend und von Schafen umringt, Fakten über die Tiere an. Lustig, erstaunlich, allemal aber interessant, reizen sie die sechs- bis zehnjährigen Mädchen und Jungs, genauer nachzufragen. „Buddeln Schafe?” - „Ein wenig, im Winter.”; „Pieksen sich Schafe auch an Brennnesseln?” - „Nein, die fressen sie sogar.” Die beiden Rassen, denen die Kinder kräftig übers Restfell streichen dürfen - im Mai wurden sie geschoren - sind vom aussterben bedroht, stehen auf der Roten Liste. Auch darüber klärt Röllicke auf.

Selbst scheren ist wegen der Felllänge nicht drin, aber alle anderen Arbeitschritte auf dem Weg zum Topflappen oder einer Socke darf jeder ausprobieren. „Was kommt jetzt?”, fragt die Expertin. „Die Wolle muss gewaschen werden”, ist aus der Gruppe zu hören. Stimmt! Also ab an die Box. Viele Kinderhände reiben das Rohmaterial im Wasser zwischen den Händen und sind erst einmal erstaunt. „Die Hände werden ganz weich”, bemerkt die siebenjährige Zoe. Das liegt an den Inhaltstoffen in der Wolle, die auch in der Medizin benutzt werden, klärt Röllicke auf.

Die Betreuerinnen Sabine Büttgen und Liane Engels sind ebenso interessiert bei der Sache wie die Teilnehmer der Ferienbetreuung. Insgesamt 30 Kinder sind in diesem Jahr für einen kleinen Obolus am Start. Das Angebot erstreckt sich über die gesamten Ferien. Jede der drei OGS organisiert jeweils zwei Wochen davon.

Außerdem können Kinder in den Herbst- und Osterferien teilnehmen. „In den Herbstferien ist besonders großer Andrang, weil die Eltern arbeiten”, erklärt Engels. Die beiden Frauen sind auch während des Schulbetriebs als Betreuerinnen beschäftigt. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass die Kleinen in den Ferien entspannter unterwegs sind, weil es keinen straffen Zeitplan gibt. Und: Es wird viel geboten. In diesem Jahr haben sie schon zusammen den Tivoli besichtigt, sogar ein Foto mit Alemannia-Trainer Aussem haben sie bekommen. Bei einer Milcholympiade, die das Exploregio Mobil direkt zur Schule gebracht hat, konnten die Mädels und Jungs mitmachen, und ein Tiergartenbesuch in Alsdorf stand ebenso auf dem Plan wie eine Dorfrallye und eine Wanderung zum Schwarzen Berg. Besonders begeistert ist Sabine Büttgen vom Engagement der Städteregion: „Die Bildungszugabe der Städteregion Aachen ist eine tolle Sache. Zwei Angebote aus dem Online-Katalog haben wir wahrgenommen.”

Der Socke sind die Kinder inzwischen nähergekommen. Die Wolle ist nach dem Waschen zum Trocknen ausgelegt worden und muss jetzt zum Spinnen vorbereitet werden. Petra Röllicke gibt einen kleinen historischen Einblick, wie sich die Bearbeitung im Laufe der Zeit verändert hat. Zuerst bekommen die Kinder zwei Holzbrettchen in die Hand, an denen jeweils Teile einer Distel befestigt sind. Mit den Dornen wird die Wolle gebürstet, oder kadiert, wie die Fachleute sagen. Allerdings ist es mühsam und dauert lange. Mit kleinen Paddeln geht es besser. Leder, durch das unzählige Nägelchen gestochen wurden, ist auf jedem Holzpaddel angebracht. Fazit: Nicht mehr so mühsam, aber immer noch langwierig. Also ist die Kadiermaschine erfunden worden. Zwischen den zwei nagelbewehrten Rollen ist die Wolle im Handumdrehen luftig leicht gezogen, ohne lästige Knoten.

Um Stricken oder Häkeln zu können, ist ein Faden erforderlich. Den drehen die Grundschüler im Team - sie spinnen die Wolle. „Was ihr jetzt habt, ist ein Faden. Aber das ist immer noch kein Strumpf”, erklärt Röllicke.

Die Zeit vergeht wie im Fluge, die nächste Gruppe wartet schon darauf, ebenfalls zu erfahren, was es ganz genau mit dem Weg der Wolle auf sich hat. Die Expertin kann nur noch kurz zeigen, wie mit dem Zeigefinger als Stricknadelersatz Luftmaschen mit den Fäden gestrickt werden. Die Mädchen machen sich trotzdem schon intensive Gedanken darüber, was aus ihrem Faden werden soll. Ein Armband oder eine Kette werden erwogen. Simone (9) hat sich schon festgelegt: „Ich mach mir daraus ein schönes Kissen mit Mama.”
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