Eschweiler - Der teure Spuk hat endlich ein Ende gefunden

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Der teure Spuk hat endlich ein Ende gefunden

Von: sh
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Mietnomaden-Opfer: Eigentümerin Dagmar Lipper betritt nach monatelangem Streit erstmals wieder ihre Wohnung. Abgesehen von einigen Kleinigkeiten in der Küche ist die Wohnung, so ihre Hoffnung, nach einer Grundreinigung bald wieder auf dem Miet-Markt. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Sie kannten es zuvor nur aus dem Fernsehen: Mietnomaden. „Uns passiert so etwas schon nicht”, dachten sich die Beiden. Weit weg, was die Kameras da einfangen. Und dann das: Plötzlich sind Dagmar Lipper und Hans-Ulrich Unglert selbst Opfer.

Nach monatelangem Hin und Her, ausgebliebenen Mieteinnahmen, Anwaltskosten und nervenaufreibenden Auseinandersetzungen hat der Spuk seit wenigen Tagen ein Ende. Ein teurer Spuk für Dagmer Lipper und Hans-Ulrich Unglert, der sich wohl im fünfstelligen Bereich einpendeln wird.

Ihre 200-Quadratmeter große Eigentumswohnung, Teil eines grundsanierten alten Bauernhofs in Nothberg, sollte ein Stück weit eine Altersvorsorge für das Paar sein. 13 Jahre lebten sie dort selbst in Eschweiler, bevor sie Ende 2009 aus privaten wie beruflichen Gründen nach Berlin zogen.

Zu blauäugig

Ein Nachmieter war schnell gefunden: Harald H. (Name geändert), nach eigenen Angaben mit einem Gartenbaubetrieb selbstständig. „Rückblickend waren wir zu blauäugig”, gibt Dagmar Lipper unumwunden zu. „Aber wir hatten als Eigentümer auch kaum eine Chance, unser Eigentum zu sichern.”

Die Geschädigten vermuten, dass sie einem Mietnomaden aufgesessen sind, der dies nicht zum ersten Mal machte. Von seinem kurz vor Mietvertragsunterzeichnung geleisteten Offenbarungseid hatte er Lipper und Unglert nicht in Kenntnis gesetzt. Das war Ende November 2009. Zum 1. Januar 2010 sollte Harald H. in sein neues Mietheim einziehen. Das tat er nach Informationen der Vermieter aber erst am 12. Januar, schon sieben Tage später hatte die EWV den Stromzähler abmontiert. Denn bei denen stand Harald H. schon mächtig in der Kreide. Für Lipper und Unglert begannen monatelange Auseinandersetzungen. Ihr Vorwurf: H. habe sie bewusst getäuscht, nur für den Januar über das Konto seines Sohnes Miete gezahlt und dann nicht mehr. „Der hat uns hingehalten”, ärgert sich Dagmar Lipper. Die 600 Kilometer Distanz zwischen Berlin und Eschweiler erschwerten das Ganze erheblich.

Mit teilweise abstrusen Argumentationen vertröstete H. das Vermieter-Paar: Da er keinen Strom mehr habe, könne er auch online keine Miete überweisen. Wirklich gewohnt, so bestätigten die Nachbarn, habe H. in seinem neuen Domizil eh nicht. Der Winter war hart, die Heizung abgedreht. „Für den war das nur noch ein Möbellager”, sagt Lipper. Nachdem die zweite Miete nicht gezahlt wurde, schaltete das Paar Anwälte ein, sowohl in Berlin als auch in Eschweiler. Der Kontakt zu ihrem anfänglichen Wunschmieter wurde indes immer schwieriger. Zumal, wie Lipper und Unglert berichten, das Einwohnermeldeamt gar nichts von einem Harald H. unter gegebener Adresse wisse.

Die Mietnomaden-Opfer informierten sich im Internet. „Sie glauben gar nicht, was man da alles liest”, wurde Dagmar Lipper und ihrem Lebensgefährten angst und bange. Dort fanden sie aber auch Experten für eben solche Situationen, so genannte Vermittler. Über diesen Weg kam schließlich Bewegung in die verfahrene Lage, Harald H. machte Anzeichen, aus der Wohnung auszuziehen und die Schlüssel zu übergeben. Dagmar Lipper und Hans-Ulrich Unglert hatten zwischenzeitlich bei der Polizei zusätzlich Strafanzeige wegen Betrugs gestellt.

Froh sind die Beiden, dass sie mittlerweile endlich die Schlüssel wieder in der Hand halten. Extra angereist aus Berlin, machte Dagmar Lipper sich direkt daran, einen Kontrollgang durch die geräumige Wohnung zu machen. Der Herd wurde ausgebaut und unsachgemäß wieder eingesetzt, das Herdfeld verdreht. Ansonsten: „Zum Glück mit einer Grundreinigung alles wieder zu beheben”, so die Geschädigte. Auf den Kosten, glaubt Hans-Ulrich Unglert, bleibe man aber sicherlich sitzen: „Die habe ich im Kopf schon abgeschrieben.” Resultat: Vier Monate ohne Mieteinnahmen, zwei Rechtsanwälte, ein eingeschalteter Vermittler und die Erkenntnis: „Der nächste Mieter muss das ganze Programm vorlegen!” Damit aus der vermieteten Eigentumswohnung zur Sicherung des Lebensabends nicht ein Alptraum ohne Ende wird.

„Es ist einfach frustrierend, dass man als kleiner Hauseigentümer, wenn man vermietet, kaum gegen solche Situationen geschützt ist”, glaubt Dagmar Lipper nicht, dass sie ein Einzelfall in der Region sind. Mietnomaden, so musste sie leider feststellen, sind traurige Realität - keine Fernseh-Fiktion.
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