Eschweiler - Der neue Tagebauleiter Dr. Stephan Strunk setzt auf Offenheit

Der neue Tagebauleiter Dr. Stephan Strunk setzt auf Offenheit

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
Neuer Chef des Tagebaus Inden
Neuer Chef des Tagebaus Inden mit 850 Mitarbeitern: Dr. Stephan Strunk will mit den Menschen in der Region ins Gespräch kommen.

Eschweiler. Wer in den beruflichen Lebenslauf von Dr. Stephan Strunk schaut, weiß sofort, dass dieser Mann alle Winkel von Braunkohletagebau und -kraftwerk kennt. In den 100 Tagen seiner Amtszeit als Leiter des Tagebaus Inden kommt aber eine neue Kompenente hinzu.

Er lernt die emotionale Kehrseite des Braunkohletagebaus hautnah kennen. Er spricht mit Menschen, deren Dörfer dem Bagger weichen mussten oder noch müssen. Der 46-Jährige will mit Offenheit an die Sache herangehen: „Ich will mit den Menschen sprechen, mir ihre Gedanken anhören.” Wohl wissend, dass dies nichts am Heimatverlust ändert.

Verständnis für Menschen

Aktuell blickt er eher auf den östlichen und südöstlichen Rand des Tagebaus. Mit der Interessengemeinschaft Merken hat er schon Gespräche geführt. „Ich habe Verständnis für die Menschen und ihre Emotionen. Ich kann nicht einfach sagen: Ich nehme dir deine Heimat und schenke dir eine neue”, lautet sein Credo. Die Abläufe in einem Kraftwerk und in einem Tagebau kennt der promovierte Bergbau-Ingenieur aus dem Effeff, als Produktionsleiter des Tagebaus Hambach und als Mitglied der Arbeitsgruppe, die die BoA (Braunkohlenkraftwerk mit optimierter Anlagentechnik) 2 und 3 in Neurath auf den Weg gebracht hat. Jetzt hat er die Leitung eines Tagebaus übernommen. Seine Rolle bezeichnet er als „Außenminister”, also als Gesicht des Tagebaus, als Ansprechpartner für die Menschen in und außerhalb der Betriebsstätte.

Der Weg in den Bergbau war für Dr. Stephan Strunk vorgezeichnet. Als Kind wuchs er in Gelsenkirchen unweit einer Zeche auf. Die Kohle hat ihn schon immer fasziniert. Nach dem Abi ging er unter Tage und absolvierte eine Lehre zum Bergbaumechaniker. Nach zwei Jahren zog es ihn an die renommierte Technische Universität Clausthal, wo er sein Studium zum Ingenieur abschloss und anschließend drei Jahre lang an einem internationalem Forschungsprojekt beteiligt war, das in seine Doktorarbeit mündete. Ab 1996 durchlief er verschiedene Stationen in der Rheinbraun und später in der RWE Power AG: als Ingenieur in Garzweiler, in der Unternehmensentwicklung in Köln, als Produktionsleiter in Hambach und schließlich erneut in einem internationalen Projekt, in dem es darum ging, die Abläufe zwischen den unterschiedlichen RWE-Töchtern in den verschiedenen Europäischen Ländern zu verbessern.

„Aber es zog mich immer wieder zur Kohle zurück, in den Tagebau”, betont Dr. Strunk. Also zurück zu den Wurzeln, wenn auch über Tage. „Ich bin eben ein Bergmann aus Leidenschaft”, gesteht er. Bevor er seine neue Stelle antrat, hielt er engen Kontakt zu seinem Vorgänger Arthur Oster. Der Übergang sollte schließlich fließend sein, obwohl der 46-Jährige gesteht, „eigene Akzente” setzen zu wollen. Natürlich alles innerhalb der Vorgaben der RWE Power AG. Sicherheit und Produktivität sollen also gleichermaßen in den Vordergrund rücken.

Dabei möchte Dr. Strunk auf Teamarbeit setzen. Als ehemaliger Handball-Torwart betont er: „Ein guter Mannschaftsgeist ist wichtig.” Inzwischen ist er in der Freizeit eher als Einzelsportler unterwegs - sein Beruf lässt nichts anderes zu. Er läuft viel, fährt Fahrrad und morgens vor dem Dienst schwimmt er seine Bahnen. Beste Voraussetzungen für einen Triathlon. Er mag die Herausforderung: Deswegen erkletterte er im jüngsten Urlaub einen 6000er im Himalaya.

Das Energiegeschäft ist härter geworden, der einstige Monopolist bewegt sich auf einem großen freien Markt. „Wir müssen auch im Tagebau jeden Cent umdrehen”, berichtet er. Abläufe müssen optimiert werden. Auch die Personenzahl in Inden ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken: Dr. Strunk ist Chef über 850 Mitarbeiter. Deutlich spürbar ist auch die Energiediskussion, die in den vergangenen Jahren neu entflammt ist. Gegen den Vorwurf, die Braunkohle sei wenig effizient und eine Belastung für die Umwelt, wehrt er sich vehement. „In der Bilanz schneidet Braunkohle nicht viel schlechter ab, als andere Energieträger. Vor allem, wenn man auch andere klimaschädliche Gase hinzuzieht”, betont er. Das Wort Energiewende ist im zuwider, das klinge für ihn wie „abwenden”. Man müsse den richtigen Mix finden - eben aus regenerativen und fossilen Stromquellen.

Er scheut in dieser Frage nicht die Diskussion mit den Menschen. „Als ich an einem Waldprojekt einer Grundschule teilgenommen habe, wurde ich gefragt, ob ich überhaupt ruhigen Gewissens teilnehmen könnte”, berichtet Dr. Strunk. Er habe das bejaht. „Schauen sie doch einmal auf die Sophienhöhe - dort kann man den Unterschied zwischen altem und neuem Wald nicht mehr unterscheiden.” Man könne zwar nicht innerhalb von 20 Jahren einen 100-jährigen Eichenwald entstehen lassen, aber werde von vielen Seiten für Naturprojekte wie die renaturierte Inde gelobt.

Ein ähnliches Vorhaben steht nun für den Schlichbach zwischen Schophoven und Merken auf dem Programm. Auch dieses kleine Gewässer muss verlegt und in ein neues, mäandrierendes Bachbett geführt werden. An solchen Beispielen will Dr. Strunk zeigen, dass der Braunkohletagebau durchaus positive Begleiterscheinungen hat, von der Wirtschaftskraft, die von ihm ausgeht, einmal abgesehen. Bei den Menschen in den beiden Orten will er dafür Überzeugungsarbeit leisten.

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