Eschweiler - Der Humor trug Jupp Sieberichs durch sein langes Leben

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Der Humor trug Jupp Sieberichs durch sein langes Leben

Von: Patrick Nowicki
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Die Narrenkappe begleitete ihn
Die Narrenkappe begleitete ihn ein Leben lang: Jupp Sieberichs starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Jupp Sieberichs lebt nicht mehr, er starb am Sonntag in seinem Haus in Dürwiß. Der Ehrenpräsident der KG Narrengarde Dürwiß wurde 94 Jahre alt, und trotz des biblischen Alters erscheint die Tatsache, dass sein Humor die Eischwiele Fastelovend nicht mehr bereichern wird, für viele unfassbar.

Jupp Sieberichs war schließlich eines der letzten karnevalistischen Urgesteine der Stadt, ein herausragender Mundart-Redner und immer gutgelaunter Karnevalist.

Dass er seinen Humor stets bei sich trug, hat er vielleicht auch der Tatsache zu verdanken, dass es das Leben meist gut gemeint hat mit dem Ur-Dürwisser. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er zwar als Soldat, doch einen Schuss abfeuern musste er nie. „Ich war im nowegischen Narvik stationiert. Der britische Geheimdienst wusste wohl, dass ich dort war, darum sind die Engländer auch nicht dorthin gekommen”, erzählte er mir mal - wie immer mit seinem ihm typischen, spitzbübischen Lächeln.

Der Weltkrieg war für ihn auch mit einem sehr positiven Ereignis verbunden, schließlich heiratete er seine Frau Maria am 11. März 1943, natürlich in der Dürwisser Pfarrkirche St. Bonifatius.

Nach dem Krieg widmete er sein Leben vor allem dem Karneval, seiner KG Narrengarde Dürwiß. 1947 trat er dem Verein bei, ein Jahrzehnt später saß er auf dem Präsidentenstuhl. Wie die Jungfrau zum Kinde sei er an dieses Amt geraten, meinte er. 22 Jahre lang blieb er an der Spitze der Traditionsgesellschaft und prägte ihre positive Entwicklung entscheidend mit.

Nicht nur als herausragender Repräsentant und Sitzungsleiter machte er sich einen Namen, auch als Mundartredner war er weit über Eschweilers Grenzen hinaus beliebt und bekannt. Ob solo, an der Seite seines Bruders Hein oder mit seinem Freund Jupp Wolff - Tausende waren von den Versen begeistert. Kein Wunder, dass er mit fast allen karnevalistischen Auszeichnungen bedacht wurde, die es zu erhalten gibt.

Die fundierten Kenntnisse des Dörwisser Platts brachte er auch im Geschichtsverein zu Gehör. So wurde eine Mundartplatte von Sieberichs besprochen. Der Vorgänger der Eschweiler Zeitung, der „Bote an der Inde” widmete ihm eine Rubrik: Als „Drickes der Decke on Jerred der Schmale - zwei Dörwisser Nahlschmeddsoriginale” veröffentlichte er in den 70er und 80er Jahren Gedichte. Stets waren die Verse humoristisch, aber auch mit Tiefgang. „Im Blödsinn muss immer noch ein Sinn stecken”, lautete das Credo des gläubigen Katholiken.

Begegnungen mit Jupp Sieberichs waren immer ein Erlebnis. In seinem Frisörsalon wusch er den Indestädtern auch im übertragenden Sinne den Kopf. Wer sich dort in den späteren Jahren die Haare stutzen lassen wollte, musste allerdings meist auch Zeit mitbringen, denn der Dürwisser garnierte jeden Schnitt mit einem Ameröllschen. Der Frisörsalon an der Gasthausstraße war ganzjährig geöffnet. Einmal allerdings habe er sich nicht mehr wehren können. An der Tür hing ein Zettel: „Meine Frau ist in Urlaub und hat mich mitgenommen.”

Bei allem Erfolg in der Öffentlichkeit, aus einem machte er nie einen Hehl: Ohne die Unterstützung seiner Familie und dabei natürlich vor allem seiner Frau Maria hätte er niemals so sein können, wie er war. „Dass ich nicht in das berühmt-berüchtigte Fettnäpfchen getreten bin, ist auch ein Verdienst meiner Frau”, sagte er.

Schwere späte Schicksalsschläge bewältigte er mit einem Lächeln. Erst starb sein Schwiegersohn, dann seine Frau nach über 60 Jahren Ehe. „Aber welcher Mann hat schon das Glück, mit seiner geliebten Frau über sechs Jahrzehnte lang zusammenzuleben?”, fragte er dankbar.

Erst in den letzten Jahren war es ruhiger um Jupp Sieberichs geworden, weil das Alter seinen Tribut forderte. Bei seinem 94. Geburtstag im Januar witzelte er noch: „Meine Beine sind jetzt 94 geworden, der Rest von meinem Körper hat sich noch nicht entschieden.” Ein Phänomen blieb er dennoch. Trotz angeschlagener Gesundheit zitierte er aus dem Kopf ganze Reimreden - noch wenige Tage vor seinem Tod.

Das 75-jährige Bestehen seiner Narrengarde wird Jupp Sieberichs nicht mehr erleben. Er, der immer mit Rat und Tat die Eischwiele Fastelovend unterstützte. Jupp, Du wirst uns fehlen!
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