Der Herr über die Halme und Gräser

Von: Andreas Gabbert
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Er weiß, wie der perfekte Rasen gelingt: Michael Kurth ist der Head-Greenkeeper auf dem Golfplatz Haus Kambach. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Michael Kurth zückt ein großes Taschenmesser aus seiner grünen Arbeitshose, klappt die Klinge aus und sticht sie in den exakt 3,4 Millimeter kurzen Rasen. Die Fahne, die das 18. Loch markiert, weht im Wind.

Im Hintergrund ist die Turmspitze des Hauses Kambach zu sehen. Aus dem teppichartigen Rasen schneidet er ein Dreieck so groß wie ein Stück Kuchen. „Ich will wissen wie es unten aussieht. Da spielt die Musik”, sagt der 42-Jährige. Er ist der Head-Greenkeeper der Golfanlage Haus Kambach, der Herr über Halme und Gräser, mehrere Mitarbeiter und einen millionenschweren Gerätefuhrpark.

Er dreht das Stück Rasen in seinen Händen und betrachtet es von allen Seiten. Kurth schaut nach dem Wurzelwachstum, achtet auf die Feuchtigkeit des Bodens und sieht nach der Entwicklung des sogenannten Rasenfilzes, der durch abgestorbene Gräser und Wurzeln entsteht. Anschließend entscheidet er, welche Pflegemaßnahmen getroffen werden müssen oder nicht.

Zu seiner Arbeit gehört weit mehr als bloßes Rasenmähen. „Das kann jeder”, sagt Kurth. Er ist Manager, Agrarfachmann, Techniker, Ökologe und Kaufmann in einer Person. „Man muss mit dem Platz leben, ein Gespür für ihn entwickeln und ein gewisses Händchen für die Gräser haben”, erklärt Kurth.

Wie die meisten Greenkeeper hat er zunächst eine Ausbildung in einem der sogenannten grünen Berufe hinter sich gebracht. Er ist gelernter Garten- und Landschaftsbauer. Drei Jahre lang besuchte er anschließend verschiedene Golfplätze und Lehrgänge. Boden- und Gräserkunde standen auf dem Lehrplan.

Er lernte den richtigen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, die Pflege der entsprechenden Maschinen und nicht zuletzt auch die Regeln des Golfspiels. Nach der Prüfung vor der Landwirtschaftskammer durfte er sich dann Fachagrarwirt für Golfplatzpflege nennen.

Die Fortbildung zum Head-Greenkeeper, gewissermaßen die Ausbildung zum Meister, dauerte nochmal zwei Jahre. Dabei standen eher betriebswirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. Nach der Abgabe seiner Facharbeit, die vom Aufwand und Umfang etwa einer Diplomarbeit entspricht, stieg er schließlich zum Head-Greenkeeper auf.

In Haus Kambach ist man froh, ihn zu haben, denn es gibt nur knapp über hundert Personen mit der gleichen Ausbildung in Deutschland, aber über 700 Golfplätze.

Greenkeeper findet man aber nicht nur auf dem Golfplatz, sondern auch im Fußballstadion. Während das Gras im Stadion eine einheitliche Höhe hat, muss Kurt aber mit sieben verschiedenen Schnitthöhen klarkommen.

Jede Schnitthöhe markiert nämlich andere Bereiche des Spielfeldes wie das Grün, den Fairway und das Rough. Auch die Jahreszeiten zu denen gespielt wird, sind unterschiedlich. Während der Bundesligasaison befinden sich die Pflanzen die meiste Zeit in der Ruhephase, während der Golfsaison hingen in der Wachstumsphase.

Das stellt auch verschiedene Anforderungen an die Pflege. Kurth sind solche Unterscheidungen aber ziemlich egal: „Wir sind alle ausgebildete Fachleute, egal wo wir arbeiten, wir sind alles Greenkeeper.”

Wert legt Kurth allerdings auf ein einheitliches und gepflegtes äußeres Erscheinungsbild seines Teams, zu dem vier feste Mitarbeiter und zwei Aushilfen gehören. „Ist es denn nötig mit beschädigter und unterschiedlicher Kleidung aufzutreten? Einem Aussehen, das für alle Beteiligten nur peinlich sein kann?”, fragt Kurth.

Auch wenn die Rasenflächen unter seiner Obhut so akkurat aussehen, als habe er sie mit der Nagelschere geschnitten, greift Kurth doch lieber auf größere Geräte zurück. Spindel- und Sichelmäher unterschiedlicher Größe, Feldspritzen, Düngerstreuer, Vertikutierer und vieles mehr gehören zu seinem Arsenal.

Sein Arbeitstag beginnt früh am Morgen um 6.30 Uhr. Dann verteilt er die Aufgaben an seine Mannschaft. Was zu erledigen ist, geben der Pflegeplan - den Kurth Anfang des Jahres erstellt - und der Turnierplan vor.

Danach geht es raus auf den 72 Hektar großen Golfplatz. Täglich kontrolliert Kurth die Position der Pfähle, die Grenzen des Spielfeldes und die Abschläge. Kurth leistet Präzisionsarbeit, denn die Golfspieler haben hohe Erwartungen. Nachmittags kümmert er sich dann meist um organisatorische Dinge, beschafft Material und pflegt die Maschinen.

Während der Golfsaison von April bis Oktober hat Kurth oft eine Sieben-Tage-Woche. Jeden Tag sind mindestens ein bis zwei Greenkeeper im Einsatz, auch sonntags. Urlaub gibt es meist in den Wintermonaten. Kurth macht das nicht viel aus. Der Mann liebt seinen Beruf - auch wenn es ihm schwerfällt zu beschreiben, was ihn daran fasziniert. Kurth fühlt sich draußen wohl.

Er mag es, morgens auf dem Platz zu stehen, den Vögeln zuzuhören und die Tiere zu beobachten, die in der Dämmerung über den Platz huschen. „Ich kann mich hier austoben und Ideen verwirklichen, ein Schema F gibt es hier nicht”, sagt der Herr der Gräser. Es ist die Kombination aus Natur, Organisation und Kommunikation, die ihm gefällt.

Tipps des Greenkeepers für einen schönen Rasen

Ein guter Rasen ist grün und dicht, ohne Unkräuter. Dafür muss der Rasen regelmäßig gedüngt werden, zwei- bis dreimal pro Jahr. Wer glaubt, ohne Dünger weniger mähen zu müssen, hat schnell keinen guten Rasen mehr.

Bei Trockenheit sollte der Rasen in regelmäßigen Abständen immer wieder gewässert werden.

Der Schnitt sollte nicht zu tief angesetzt werden. Je tiefer der Rasen ist, umso mehr Stress müssen die Pflanzen ertragen. Dann ziehen sie sich zurück, und es gibt kahle Stellen.

Er empfiehlt eine Schnitthöhe von vier bis fünf Zentimetern. „Zuhause muss der Rasen nicht völlig runtergeschnitten werden.”

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