Der Hausmeister ist ein Mann für alle Fälle

Von: Andreas Gabbert
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Für ihn gibt es immer etwas z
Für ihn gibt es immer etwas zu tun: Hans-Jürgen Grün ist seit zwölf Jahren Hausmeister an der Gesamtschule Waldschule. Feierabend hat der 47-Jährige nur selten. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Es ist still geworden in der Waldschule. Der Schulhof ist leer und verwaist. Da wo sonst gespielt, getobt und gelacht wird, sagen sich jetzt Fuchs und Hase gute Nacht. Die Schüler und Lehrer haben sich längst in die Ferien verabschiedetet, nur einer hält noch die Stellung: Hausmeister Hans-Jürgen Grün.

Mit einem großen Schlüsselbund bewaffnet zieht der kräftige Mann mit den kurzen grauen Haaren durch die Schule, um nach dem Rechten zu sehen. Er ist der Herr der Schlüssel. Die weißen Farbspritzer auf seinen schwarzen Latschen wirken dabei wie ein Beleg seines Schaffens in den vergangenen Wochen.

Wenn für die anderen die Ferien beginnen, geht für Hans-Jürgen Grün die Arbeit noch mal richtig los. Viele Arbeiten sind während des laufend Schulbetriebs nämlich nur schwer möglich - wegen des Lärms, des Aufwands, des Drecks und nicht zuletzt wegen der Sicherheit für die Schüler.

In den Klassenräumen riecht es nach Bohnerwachs, der Boden glänzt. Hier noch ein Staubkörnchen zu finden, dürfte schwerfallen. Der Hausmeister und die 13 Raumpflegerinnen haben bei der Grundreinigung ganze Arbeit geleistet. „Was im Privathaushalt der Frühjahrsputz ist, ist für uns die Grundreinigung in den Sommerferien”, sagt Grün. Dann wird die Schule auf den Kopf gestellt. In der ersten Ferienwoche haben sie jeden Klassenraum ausgeräumt, alles von oben bis unten abgewaschen, den Boden gereinigt und anschließend mit einer Bohnermaschine abgefahren. Zum Schluss haben sie eine Versiegelung aufgetragen, um den Boden zu schützen. „Am ersten Schultag wird hier alles blitzen und blinken”, sagt Grün.

Seit 1999 arbeitet Grün jetzt als Hausmeister an der Waldschule, vorher war er als Betriebseletriker in einem Mineralölwerk beschäftigt. Nahezu alles, was in der Schule mit Strom zutun hat, erledigt er selbst. Erst am Morgen hat er noch zwei Herdplatten in der Schulküche ausgetauscht. Jetzt steht die Reparatur einiger Schranktüren auf dem Plan.

Den dafür nötigen Akkuschrauber findet der 47-Jährige aber nicht in seiner Werkstatt, sondern in seinem Büro. Der Unterschied zwischen den beiden Räumen ist nicht gleich zu erkennen. Kompressor, Hochdruckreiniger und anderes Werkzeug steht im Büro bereit, auf den Schränken stapeln sich Akten, Pläne liegen herum, dazwischen stehen ein Computer und ein Radio, in der Ecke brummt ein Kühlschrank. Grün bringt seine Sachen gerne an zwei verschiedenen Orten unter, denn die Wege in der Waldschule sind lang. 8,5 Kilometer legt Grün am Tag in der Schule zurück. Das hat er aus Spaß mal mit einem Schrittzähler nachgemessen.

Auf Grüns Schreibtisch liegen noch ein paar der Schadensmeldungen, die ihm die Lehrer in sein Postfach legen und die er dann nach Priorität abarbeitet. „Bei 100 Lehrern können sie sich ja vorstellen, was da zusammen kommt”, sagt Grün. Seit Beginn der Ferien ist der Stapel ordentlich geschrumpft. Nur noch wenige Zettel sind übrig.

Viele Bereiche der Schule sind derzeit mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, Schilder weisen auf Bauarbeiten hin. Im Keller, wo ein alter Wasserschaden seine Spuren hinterlassen hatte, werden die Wände neu verputzt. An einigen Stellen werden neue Fenster eingesetzt. In der Bibliothek herrscht gähnende Leere, das Mobiliar lagert zurzeit im Verwaltungsflur. Nach 35 Jahren ist der alte Nadelfilz-Boden in der Bibliothek durch einen neuen aus Linoleum ausgetaucht worden.

Erst vor zwei Tagen wurde die energetische Sanierung abgeschlossen, dass heißt die alten Lampen wurden ausgetauscht und durch Energiesparlampen mit Bewegungsmelder ersetzt. Auch die Außentore zu den Lagerräumen der Sporthalle und die Treppengeländer erstrahlen frisch gestrichen in neuem Glanz.

Die Jungentoilette im Außenbereich ist hingegen noch eine Baustelle. Dort sollen „vandalismusfeste” Wandplatten installiert werden. Nicht etwa wegen randalierender Schüler, sondern in erster Linie wegen der baulich bedingten Risse in den Fließen. Eine größere Baustelle befindet sich auch noch auf der Schulhofterrasse über dem Pädagogischen Zentrum, dort kommt es immer wieder zu Wassereinbrüchen. „Das ist keine leichte Aufgabe”, sagt Grün. Je älter die Gebäude seien, umso mehr müsse getan werden.

Allein muss der er diese Aufgaben aber nicht bewältigen, das erledigen Firmen. Grün spricht die Termine ab, zeigt, weist ein und nimmt die Arbeiten ab. Die restliche Zeit ist er auf dem Gelände 20 000 Quadratmeter großen Gelände unterwegs, um selbst Hand anzulegen. Er repariert Schränke, tauscht Schlösser aus, wechselt Lampen, reinigt die Schulhöfe und streicht an. „Hier wird man nicht arbeitslos”, sagt Grün.

Mit Frau, Tochter und einem Hund lebt er in einem kleinem Häuschen auf dem Gelände. Feierabend hat Grün nur selten, dafür wohnt er einfach zu nah an seiner Arbeitsstelle.

In der Sporthalle ist oft bis spät am Abend noch Betrieb, nach Veranstaltungen in der Schule muss er als Hausmeister nach dem Rechten sehen und manchmal muss er auch ein paar Jugendliche verscheuchen, die sich abends auf dem Schulgelände herumtreiben.

Dabei setzt Grün auf sein pädagogisches Geschick, denn auch im Alltag, muss er die Schüler schon mal zur Ordnung aufrufen und manchmal tritt er auf dem Schulhof auch als Streitschlichter auf. Grün ist eben der Mann für alle Fälle. Am Freitag pünktlich um 13.15 Uhr hat auch Hans-Jürgen Grün den Akkuschrauber aus der Hand gelegt. Jetzt beginnen auch für ihn die Ferien.
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