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Der gierige Torjäger und seine fette Beute

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
Sven Nowak trifft für den FV
Sven Nowak trifft für den FV Eschweiler in der Kreisliga B wie er will. In nur einem der 18 Saisonspiele ging der 27-Jährige leer aus. Foto: Andreas Steindl

Eschweiler. Irgendwann hört das Zählen auf. Ob es jetzt 40 oder 45 Tore sind, das kann doch nicht so wichtig sein, wenn man seinen Gegnern haushoch überlegen, oder besser, um Welten voraus ist. Und das nicht ab und zu, sondern fast immer. Doch Sven Nowak interessiert das alles nicht.

Für den Fußballer gelten keine normalen Gesetzmäßigkeiten auf dem Platz, er macht jedes Wochenende seine eigene Rechnung auf. Und die geht so: Je mehr Tore ich schieße, desto besser für meine Mannschaft und desto wahrscheinlicher wird die Meisterschaft. Ist das Größenwahn?

Nowaks Rechnung geht ausgesprochen gut auf, der 27 Jahre alte Tor-Tor-Tor-Torjäger des Fußball-B-Ligisten FV Eschweiler ist schlicht und einfach nicht zu stoppen: Unglaubliche 46 Tore nach nunmehr 18 Saisonspielen, dazu elf Vorlagen. Sechsundvierzig und elf, es sind Zahlen, die glaubt man erst beim zweiten Lesen. Man könnte auch die Abwehrspieler aus der Aachener Kreisliga B, Staffel 3, abklappern und sich nach mehrfachen Knoten in den Beinen erkundigen.

Wie ein Computerspieler

Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit: Beim 3:0-Sieg seiner Mannschaft gegen den eigentlich recht guten SC Münsterbusch traf Nowak. Doppelt, natürlich. Es waren seine Tore 45 und 46. Der Schnitt von rund zweieinhalb „Buden” pro Spiel, dazu kommt fast ein „Assist”, ist beängstigend. Vor allem für die Gegner, die häufig wie Slalomstangen wirken, durch die Nowak sich durchwindet. Man könnte meinen, Sven Nowak wäre ein selbst erstellter Spieler bei „Fifa 12”, mit dem man auf den leichtesten Schwierigkeitsstufen Ball und Gegner tanzen lässt und mit jedem Tor weitere Bonus-Punkte freispielt.

Doch Sven Nowak ist kein Computerspieler, sondern aus Fleisch und Blut. Vor allem aber: Der gierige Angreifer ist, auch wenn ihm der Titel als Torschützenkönig seit Wochen nicht mehr zu nehmen ist (Teamkollege Alex Weber hat als zweitbester Schütze neun Treffer), noch lange nicht satt. „Ich möchte auch in der 94. Minute, wenn es um nichts mehr geht, noch ein Tor machen”, sagt er. Wie geht so etwas?

Nun, Sven Nowak, der außerhalb des Fußballplatzes sein Geld im Straßenbau verdient, ist zunächst einmal schnell. „In der Kreisliga B gibt es kaum Abwehrspieler, die ihm folgen können”, sagt sein Trainer Talic Sanjin. Explosiver Antritt, außerordentlich gute Ballbeherrschung - und die „Geilheit” (Nowak über Nowak) auf das Tor sind eine Mischung, die aus dem Stürmer einen Ausnahmespieler machen. Doch auf sein Können alleine will er sich nicht verlassen: „Ich gehe jeden Tag laufen”, sagt Sven Nowak. Das könne auch vier oder fünf Uhr morgens sein, vor Dienstantritt. Kondition, Athletik sind für ihn Grundvoraussetzungen, durch die er in der Lage ist, auch nach 90 Minuten noch fette Beute zu machen.

Eine besondere Note erhält Nowaks Werdegang aber erst durch die Tatsache, dass er in den vergangenen beiden Spielzeiten beim Mittelrheinligisten Germania Dürwiß aktiv - und 2010/11 hinter dem Rotter Philipp Dunkel mit 17 Toren Zweiter in der Torjägerliste war. Ja, Nowak kann auch in der Mittelrheinliga treffen. Und: Es gab sogar Angebote von höherklassigen Vereinen, von Viktoria Köln (ehemals Junkersdorf) zum Beispiel. Hätte der damalige Germania-Spieler „Ja” gesagt, er würde heute für den haushohen Tabellenführer der NRW-Liga nach der Regionalliga (4. Liga) greifen.

Warum also spielt so einer in der Kreisliga B? Mit 27? „Weil ich mich in der Mannschaft wohl fühle”, sagt der umworbene Stürmer schüchtern. „Ich mag die Leute, die hier spielen und gehe auch gerne mal mit ihnen ein Bier trinken.” Der Trainer freut sich über den Top-Angreifer: „Auch wenn ich mich im Sommer gewundert habe, dass Sven zurückgekehrt ist.” Er ist also zurückgekommen. Denn bis 2009 spielte Nowak bereits beim FVE. Dann wagte er den Sprung nach oben, in die Dürwißer Nachbarschaft. Nach einer Saison als Einwechselspieler startete er auch bei der Germania durch.

„Er will nur spielen”

Doch Sven Nowak, das bestätigt sein Trainer, ist bescheiden. Er hört sich ähnlich wie Kölns Übungsleiter Stale Solbakken an, wenn der über Lukas Podolski spricht: „Sven will einfach nur spielen.” Einfach nur spielen und einfach nur treffen, das hätte er ruhig noch anfügen können. Sven Nowak sagt selber: „Ich bin mein größter Kritiker. Auch wenn ich drei Mal treffe, kann es sein, dass ich mit meiner Gesamtleistung unzufrieden bin. Ich kritisiere mich ständig.”

Doch, und diese Frage sei erlaubt, macht der „Wettkampf” eigentlich noch Spaß, wenn die sogenannten Verfolger so weit außer Reichweite sind, dass bereits vor Weihnachten die Aufstiegs-Trikots als Präsente verteilt werden könnten? Talic Sanjin widerspricht energisch: „Erstens muss jede Partie erst gespielt werden und zweitens ist Hehlrath nur ein paar Punkte hinter uns.”

Der Aufstieg in die Kreisliga A ist, na klar, das erklärte Ziel der Schwarz-Weißen aus dem Eschweiler Osten. Mit 92:11 Toren, 16 Siegen aus 18 Spielen und 50 von 54 möglichen Punkten trohnt der FV tatsächlich über allen anderen in der Aachener Kreisliga B, Staffel 3. „Es geht aber nur über das ?Wir, wir haben 15 gleichwertige Spieler”, sagt Sanjin und will von einer One-Man-Show, einem „FV Nowak”, nichts wissen. „Am Anfang der Saison, als wir auf Deckung im Raum umgestellt hatten, gab es richtig Probleme, bis wir eingespielt waren.”

Sanjin, der in seiner zweiten Saison als Verantwortlicher an der Seitenlinie seine Mannschaft zum Meister machen will, weiß, was auf das Team zukommt. „Wenn wir das schaffen”, sagt Talic, „erwarten uns in der Kreisliga A vor allem viel bessere Verteidiger”, meint er in Richtung seines Torjägers. Ob dieser, der sich mit 27 im besten Fußballalter befindet, nicht doch noch einmal den Sprung nach ganz oben wagen will? „Das werde ich sehen”, sagt Sven Nowak vorsichtig.

Freialdenhoven will den Stürmer verpflichten, möglichst schon zur Winterpause. „Aber bis Sommer stehe ich beim FV im Wort. Ich will aufsteigen.” Derzeit gefällt es ihm ganz gut in der Kreisliga B. Die Gegenspieler werden froh sein, wenn er endlich wieder weg ist.
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