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Der Dürwisser, der zu den Wölfen reist

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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Auf den Wolf gekommen: Peter Nawrath aus Dürwiß beschäftigt sich viel mit den Tieren. Foto: Tobias Röber

Eschweiler-Dürwiß. „Mein Vater wollte einen Fußballer aus mir machen. Damit ist er kläglich gescheitert“, sagt Peter Nawrath und lacht. Der 45-jährige Wahl-Dürwisser hat mit dem runden Leder sehr wenig am Hut. Er ist auf den Wolf gekommen. Schon als Kind war von diesen Tieren fasziniert. Bis heute hat sich das nicht geändert.

Im Rahmen der Art Open stellte er Fotos aus. Um Kunst geht es ihm nicht vordergründig, sondern um Aufklärung zum Schutz der Wölfe. Bereits im Alter von neun Jahren war der Wolf im Leben Nawraths allgegenwärtig. Damals wohnte Nawrath noch in Schlesien. Mit ein paar Schulfreunden hatte er „ein Clübchen“ gegründet, das sich mit Wölfen beschäftigte.

An einen bestimmten Auslöser, warum ausgerechnet der Wolf zum Liebslingstier wurde, kann sich Peter Nawrath nicht erinnern. „Ich habe schon damals alles zum Thema Wolf gelesen und Filme geschaut“, sagt Nawrath. Das schlechte Image hatte der Wolf schon damals. Bis heute hat sich in vielen Köpfen daran nichts geändert.

1980 zogen Nawraths Eltern von Schlesien nach Deutschland, rund ein Jahr später folgte der Sohn. „Ich war sozusagen als Pfand dort geblieben“, blickt Nawrath zurück. Die Familie lebte zunächst in Eschweiler, vor etwa neun Jahren wurde Dürwiß neue Heimat.

1991 trat Peter Nawrath der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe bei. Er hat die Mitgliedsnummer 64. Nur ein Jahr später trat er seine erste Reise zu den Wölfen an. Es ging in die USA, genauer geschrieben: nach Minnesota und Indiana. Sein Talent zu fotografieren, fand in diesen Tagen im Grunde seinen Ursprung. „Ich dachte damals, dass ich mir eine solche Reise vielleicht kein zweites Mal leisten kann“, sagt Nawrath. Also nahm er einen zweiten Job an, um noch mehr Geld zu verdienen. „Ich hatte damals eine 70-Stunden-Woche“, sagt Nawrath. Der Hintergrund: Aus der Sorge heraus, eine solche Reise nicht wieder antreten zu können, wollte er sich eine gute Fotoausrüstung zulegen, um viele Momenten festzuhalten.

Gesagt, getan: Peter Nawrath arbeitete hart, kaufte sich die Ausrüstung und hielt seine ersten Begegnungen mit Wölfen fest. An diese überwältigenden Momente denkt er noch heute gerne zurück. „Es war ein einschneidendes Erlebnis“, sagt er. Aufgeregt sei er gewesen, aber nicht ängstlich. Daran konnten auch die langen Eckzähne der Wölfe, mit denen sie problemlos einen menschlichen Arm durchbeißen können, nichts ändern.

In den USA werden die Wölfe seit vielen Jahren erforscht. Sie sind an Menschen gewöhnt. Peter Nawrath hat junge Wölfe ebenfalls schon aufgezogen und sie an Menschen gewöhnt. Angst vor den Tieren kennt Peter Nawrath nicht. Man dürfe sich eben nur nicht ins Rudelgeschehen einmischen. Will heißen: Man sollte nicht auf Wölfe zugehen. Das machen die Tiere schon von sich aus.

Die eine oder andere Begegnung ist im Lauf der Jahre im Gedächtnis geblieben. So fotografierte Nawrath einst ein Rudel. Plötzlich kam zunächst die Leitwölfin an ihm vorbei und leckte ihm über das Ohr, wenige Sekunden später stand plötzlich der Leitwolf vor ihm. „Eine imposante Erscheinung“, wie Nawrath noch heute auf Fotos feststellt. „Der Wolf stand direkt vor mir und drückte plötzlich seine Schnauze gegen mein Gesicht. Ich habe dann Geräusche gemacht. Der Wolf verharrte einige Sekunden – und zog weiter“, erinnert sich der Fotograf. Angst habe er nicht gehabt, sondern die Aktion des Tieres als Geste der Zuneigung verstanden.

Zurück zur ersten Reise und Nawraths Befürchtung, es könnte gleichzeitig die letzte gewesen sein: Wie man sich denken kann, kam alles ganz anders. Nawrath kam zurück, verkaufte sein Auto und legte sich ein günstigeres zu, damit er mit dem überschüssigen Geld zurück zu den Wölfen konnte. In den nächsten Jahren kehrte er mehrfach in die USA zurück, auch nach Kanada zog es ihn. Später kamen europäische Gebiete hinzu.

Etwa die Slowakei und die Niedere Tatra, nicht weit von der alten Heimat entfernt. In dieser Gegend verbrachte er als Kind oft die Ferien, war Wölfen also näher, als er damals dachte. Das galt übrigens auch 2004, als ein Wolf am Blausteinsee gesehen wurde. „Er wurde damals von der Polizei erschossen. Das hätte nicht sein müssen“, sagt Nawrath und ärgert sich, dass die Hilfe der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe nicht angenommen wurde.

Mit seiner Firma hatte er eine Übereinkunft getroffen, dass er Überstunden als freie Tage sammeln und nehmen durfte. Peter Nawrath ist gelernter Schlosser. Derzeit beim Prysmian-Kabelwerk, das wohl Ende des Jahres schließt.

Viel Geld ist im Lauf der Jahre für die Reisen draufgegangen. Auf „ein kleines Einfamilienhaus“ schätzt Nawrath die Ausgaben. Ausgaben, die er gerne getätigt hat und auch noch tätigt. Seit seine Tochter im Jahr 2000 geboren wurde, sind die Reisen etwas weniger geworden, und die Fotografie ist in den Vordergrund gerückt.

Peter Nawrath war nicht immer nur für die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe unterwegs. Auch für die Naturschutzorganisation WWF arbeitete er mitunter, etwa als er in Kanada Wolfswelpen beobachtete. Auch zu Symposien fährt er häufig. Die Arbeit als Fotograf kam eher nebenbei dazu. Durchaus mit Erfolg. So verkaufte er Bilder an die Firma Jack Wolfskin.

Träume hat er noch. Vor British Columbia gebe es eine Insel mit Wölfen, die völlig unberührt vom Menschen leben. Diese Tiere würde er gerne beobachten. Und er würde gerne ein Rudel europäischer Wölfe über mehrere Jahre begleiten...

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