Der Bovenberger Wald ist für alle da

Von: Andreas Gabbert
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Im Dialog: Matthias Kortz (lin
Im Dialog: Matthias Kortz (links) ärgert sich darüber, dass Gehbehinderte und Familien mit Kinderwagen den Bovenberger Wald nicht problemlos betreten können. Auch Reiter sind mit der Situation nicht glücklich, ihre Wege wurden Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Der Wald ist für alle da. Ob zur Entspannung, zum Pilze sammeln, zum Wandern oder zum Reiten - den Wald darf jeder betreten, unabhängig davon ob er sich in Privatbesitz befindet oder nicht.

Ausnahmen gibt es nur wenige, zum Beispiel in Dickungen, Forstkulturen oder dort wo Bäume gefällt werden. Das ist im Forstgesetz für Nordrhein-Westfalen so geregelt. Gleich im zweiten Paragraf heißt es : „Das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung ist auf eigene Gefahr gestattet.” Und da damit nicht nur feste Wege gemeint sind, nutzt es auch nichts, Fußgängern das Betreten des Waldes nur auf festen Wegen zu gestatten.

Aber genau das suggerieren die Schilder im Bovenberger Wald, die der Besitzer, die Nimulux AG aus Luxemburg, dort aufgestellt hat. Doch damit nicht genug. Seit dem Wechsel des Eigentümers vor rund drei Jahren sind zu den vorhandenen Sperranlagen neue Schranken hinzugekommen, und das ärgert Matthias Kortz gewaltig.

Der 64-Jährige ist regelmäßig im Bovenberger Wald unterwegs und hat schon öfter beobachtet, wie Gehbehinderte oder Familien mit Kindern hilflos vor den Schranken stehen - drüber oder drunter her klettern können sie nicht, und an den Seiten führt auch nicht immer ein Weg vorbei. Dort wuchern oft Brennnesseln und Dornensträucher, oder aber man ist gezwungen durch einen Graben zu steigen, der meist von Reifen- und Hufspuren zerpflügt ist und der sich bei Nässe in ein Schlammloch verwandelt.

Das ist aber nicht das einzige Ärgernis. Denn bei den Holzarbeiten wurden auch die Reitwege zerstört. Diese enden jetzt meist im Nichts. Stattdessen sind Fußgänger und Reiter nun oft auf den selben Wegen unterwegs. „Für Fußgänger muss es doch wenigstens eine Passage geben”, sagt Kortz und schüttelt verständnislos den Kopf.

„Das geht so nicht”

Während er an einer der Schranken steht und die Probleme schildert, nähert sich ein Reiter. Der bleibt kurz vor dem Hindernis stehen und nimmt dann den Weg durch den Graben. Der Mann, der im Bovenberger Wald schon seit über 30 Jahren ausreitet, und Matthias Kortz kommen ins Gespräch. „Das liegt an den Wegen, die sind kaputt, wir Reiter können nichts dafür”, sagt er.

Johannes Frings vom Regionalforstamt Rureifel-Jülicher-Börde sieht das ähnlich. Die Untere Landschaftsbehörde der Städteregion habe seinerzeit mit Einverständnis des früheren Eigentümers und in Abstimmung mit dem Forstamt die Reitwege angelegt, um Konflikte zwischen Wanderern und Reitern zu vermeiden. Was zerstört worden sei, müsse nun wieder hergerichtet werden, sagt Frings. „Das geht so nicht.”

Auch die Verbotsschilder, auf denen auch Frings als Kontaktperson genannt wird - ohne sein Einverständnis, müssten entfernt werden. Man habe den Eigentümer schon vor längerer Zeit darauf hingewiesen, die Schilder zu entfernen. Auch die Situation an den Schranken sei so nicht hinnehmbar. „Man kann den Leuten nicht zumuten, durch den Seitengraben zu laufen”, sagt Frings.

Nicht seine Aufgabe

„Da müssen sie falsch informiert sein”, sagt der Geschäftsführer der Nimulux AG, Jürgen Nießen, als er mit der Situation in seinem Wald konfrontiert wird. Man käme überall an den Schranken vorbei, das habe er selbst mit einem Kinderwagen getestet. Wenn aber etwas nachzubessern sei, wäre dies überhaupt kein Problem.

Im Fall der zerstörten Reitwege sieht er sich allerdings nicht in der Pflicht. Er sei nicht zum Unterhalt der Wege verpflichtet, das sei nicht seine Aufgabe und das stehe auch so in den Verträgen. Man versuche die Wege nicht zu beschädigen. „Aber wenn ich Holz rücken muss, kann ich darauf nicht immer Rücksicht nehmen. Dann ist das leider so”, sagt Nießen.

Bisher habe ihn aber auch niemand auf die genannten Probleme angesprochen, erklärt der Unternehmer leicht verärgert. Deshalb habe er bislang auch keine Veranlassung gesehen etwas an der Situation zu ändern. „Warum kommt keiner auf mich zu? Ich bin immer zu einem Treffen bereit, um über Probleme zu reden.”
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