Eschweiler - David Leukert glänzt im Kulturzentrum Talbahnhof

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David Leukert glänzt im Kulturzentrum Talbahnhof

Von: ran
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Erziehungsprobleme: David Leukert. Foto: Röchter

Eschweiler. Sie sind schon herzallerliebst, die lieben Kleinen. Doch sie bringen das Leben ihrer Erzeuger oft auch ganz schön durcheinander. Unter der Überschrift „Eltern/Deutsch - Deutsch/Eltern - Erziehung und andere Kampfsportarten“ klärte Kabarettist David Leukert im gut besuchten Talbahnhof seine Zuhörer über eine ganz besondere Spezies Mensch auf und plauderte dabei auch aus dem Nähkästchen.

Schließlich ist der in Berlin-Steglitz lebende selbst Vater eines 17-jährigen Sohnes.

Vor allem gelte es zu unterscheiden zwischen konservativen, liberalen und progressiven Eltern. Deren Einstellungen würden bereits kurz nach der Geburt des Nachwuchses deutlich. Während die Konservativen mit den Worten „Gott sei Dank, ein Junge“ deutlich ihre Präferenzen zeigten und liberale Eltern immerhin einräumten „Wir hätten uns aber auch über ein Mädchen gefreut“, blieben progressive Eltern offen für alles: „Das soll er/sie später selbst entscheiden.“

Für die letztgenannte Gattung Eltern sei darüber hinaus das Kind von Beginn an ein Erwachsener. Dies werde in Sätzen wie „Joaquin, würdest du mal bitte in dich hineinhorchen, ob du gewickelt werden möchtest“ deutlich, erklärte der ein klein wenig „blitzlichtscheue“ Comedian, der kurz darauf auf ein wahrlich brisantes Thema zu sprechen kam. Die männliche Schwangerschaft! „Die Diagnose Schwanger´ wirft für den Mann existenzielle Fragen auf. Kann ich eine Familie ernähren? Bin ich wirklich der Vater? Gibt es Kinderwagen mit Chromrädern?“ Manche werdende Väter begäben sich auch auf die Suche und fänden das Weite. Ebenso investierten schwangere Männer verstärkt in ein Edelmetall mit Namen „Hüftgold“. Problem: „Der Bauch verschwindet nach neun Monaten keinesfalls von selbst.“

Gar furchtbare Folgen könnte das vermehrte Ausschütten weiblicher Hormone im männlichen Körper nach sich ziehen. Im Extremfall sage der Mann dann Sätze wie „Schatz, wir müssen reden.“ Doch mit der Geburt würden die Probleme keinesfalls kleiner: „Man möchte ja alles Unglück vom Kind fernhalten, kann aber den Besuch der Verwandtschaft nicht ewig hinauszögern.“

Sprachlich kämen zahlreiche Eltern ihren Kindern aber schon kurz nach deren Geburt sehr weit entgegen. Ein erster Schritt hin zur Gattung der „Super-Über-Eltern“, denen die „Früherziehung“ ihres Sprößlings über alles gehe: „Früh-Mathe, Früh-Latein, Früh-Quantenphysik, Frühstück. Nein für letzteres fehlt leider die Zeit“, so David Leukert.

Generell gelte zwar, etwas gegen die schwache Geburtenrate in Deutschland zu unternehmen. „Aber nicht um jeden Preis“, trat der Kabarettist auf die Bremse. Ein Problem für Eltern und Kinder stellten vor allem die unterschiedlichen Startvoraussetzungen dar. So könne das Lernen in Berlin-Neukölln durchaus zu einer echten Herausforderung werden. „Wie ich höre, schlägt er sich gut“, laute so manches Zwischenfazit eines Erziehungsberechtigten. Auf der anderen Seite liefere die Hauptstadt die Gelegenheit, den sogenannten „Berliner Plusquamperfekt“ zu erlernen: „Letzten Sonntag war ich im Zoo gewesen!“, nannte David Leukert auch gleich ein Beispiel. Überhaupt sei das mit der Bildung so eine Sache. „Als mein Sohn sich einmal eine Bundestagsdebatte auf Phoenix ansah, ging das nach hinten los! Nach dem Anschauen glaubte mein Sohn, in der Schule mit dem Nachbarn sprechen, reinrufen, Soduku spielen oder gänzlich fehlen zu dürfen.“ Die nächste hohe Hürde bei der Erziehung stelle dann die Pubertät dar.

„Würden sie mit einem Choleriker Backgammon spielen wollen, der ausrastet, wenn er verliert? Sehen sie, mein Sohn auch nicht“, hatte David Leukert die Lacher einmal mehr auf seiner Seite. Nach gut zwei Stunden endete der Parforceritt durch die Unbillen, die so mancher Zögling mit seinen Erzeugern durchmachen muss. Lautstarker, langanhaltender Applaus zeigten David Leukert, dass sich sein bisher 17 Jahre andauernder Kampf lohnt. Auch wenn der Comedian zu einer dramatischen Schlussfolgerung kommt: „Ich glaube, der Schutzheilige der Eltern heißt Sisyphus.“

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