Das Paradies im Garten definiert jeder anders

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Im Landhausgarten von Hildegar
Im Landhausgarten von Hildegard und Norbert Mertens in Röhe bietet jeder Quadratmeter neue Überraschungen und idyllische Anblicke. Wie etwa diese kleine Szene mit Veilchen, Wildbienenhotel und Ente.

Eschweiler. Das Wort von den verborgenen Paradiesen fiel öfter bei dieser Rundreise. Zwei Dutzend Gartenfreunde bestaunten, was normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist: die Hausgärten von Eschweiler Privatleuten.

Die Volkshochschule macht das bereits im vierten Jahr mit ihrer Aktion „Bürger öffnen ihre Gärten” möglich. Unter dem Motto „Die offene grüne Pforte” standen am Samstag fünf Gärten auf dem Rundreiseplan.

Wobei die Vorstellungen über das, was ein Gartenparadies ist, weit auseinander gehen können. Für Hermann Pütz aus Neu-Lohn etwa besteht das Paradies aus geometrisch exakten Rosenbeeten, umrahmt vom satten Grün eines Langflor-Rasens. Stundenlang könnte der Rosenfachmann über Schnitt, Pflege und Düngung von Rosenstöcken erzählen, über seltene Züchtungen und Farbvarianten.

440 Rosen, davon 220 Edelrosen und 155 Floribunda-Rosen, hat er in dem nur rund 500 Quadratmeter großen Garten hinter seinem Einfamilienhaus gepflanzt. Sie tragen Namen wie „Träumerei”, „Chinatown” und „Märchenkönigin”.

Im Frühjahr allerdings, so berichtete Hermann Pütz, zeigt dieser Garten ein völlig anderes Bild. Denn rings um die Rosen liegen unter der Erde mehrere tausend Knollen und Zwiebeln von Frühlingsblumen: Hyazinthen, Tulpen und Narzissen. „Im Frühling, sagen meine Nachbarn, sieht es hier aus wie auf dem Keukenhof in Holland.”

Eine ganz andere Art Paradies findet sich verborgen hinter den Bruchsteinmauern eines der ältesten Höfe in der Eschweiler Altstadt. Hier rieselt überall Wasser, Brunnen plätschern, Brücken und Brückchen schwingen sich über Bächlein ins satte Grün, Steinbänke laden zur Rast. Jenny Fernholz hat diesen Wassergarten als ein abgeschiedenes Idyll gestaltet. Die Besucher sind fasziniert.

Nicht nur gepflanzt, sondern auch geerntet wird in wieder einer anderen Art von Gartenparadies, im Hausgarten von Alfred Bach in Röhe. Praktisch und nützlich hat sein Garten zu sein: ein Teil Nutzgarten mit Bohnen, Beeren, Kohl und Möhren, ein Teil Rasen, auf dem man auch einmal Federball spielen kann.

Ein Teich mit künstlichem Fischreiher bildet den Mittelpunkt, das Ganze wird umrahmt von Blumen und Bäumen. „Wer möchte mal probieren?” fragt Alfred Bach und zieht ein paar garantiert biologisch einwandfrei angebaute Möhren aus dem sattbraunen lockeren Boden. Nur schnell am Brunnen die Erde abwaschen, reinbeißen: Lecker!

Praktisch und schön und auf keinen Fall perfektionistisch ist der Garten, den sich das Ehepaar Droste/Mentges, ebenfalls in Röhe, angelegt hat. Die fachkundigen Besucher sind besonders vom Kräutergarten gleich hinter dem Haus fasziniert.

Mit kleinen Buchsbaumhecken sind die Beete abgeteilt, ein wenig erinnert das an klösterliche Kräutergärten. Der langgestreckte große Garten geht in einen parkähnlichen „Urwald” über, wo die Eigentümer das Gras wuchern lassen können und ein Edelkastanienbaum Schatten bietet - ein Sommeridyll.

Geradezu atemberaubend dann der Nachbargarten gleich ein Haus weiter. Gartenkunst und Gartenbauverstand der Hobbyimker Hildegard und Norbert Mertens haben dort auf 1100 Quadratmetern einen üppigen bienenfreundlichen Landhausgarten entstehen lassen, ein paradiesisches Füllhorn seltener Blumen, Obst- und Gemüsesorten. Jeder Quadratmeter der klassisch viergeteilten Gartenanlage bietet Überraschungen und Entdeckungen.

Norbert Mertens berichtet von seinem Bemühen, fast vergessene Sorten zu erhalten und anzubauen. In seiner Beerensammlung etwas wachsen Japanische Weinbeeren und Tayberry-Riesenhimbeeren. Seltene Apfelbäume wie „Finkenwerder Herbstprinz” und „Purpurroter Cusinot” bieten so reichliche Ernten, dass die Familie eine kleine Apfelsaftproduktion betreiben kann. Ausgewählte Rosensorten unter anderem des englischen Züchters David Austin bestimmen das Bild im vorderen rechten Gartenfeld.

Im Kräuter- und Küchengarten kultiviert die Familie Mertens alte Stangenbohnen-Sorten wie „Dicke Braune” und „Berner Landfrauen”, umgeben von Bauernblumen, Dahlien, Zuckererbsen, Pastinaken und alten Wickensorten. Stauden wie Herzgespann, Baldrian und Honigdistel gibt es hier zu entdecken, Bäume wie die Türkische Kirschpflaume und die Birnenquitte. Für Singvögel, Fledermäuse und Wildbienen sind Nisthilfen auf dem Grundstück verteilt. Auf einer Obstwiese im hinteren Teil stehen 20 Bienenkästen - „unser zeitaufwändigstes Hobby”, sagt Mertens.

Fachsimpelei beim Wein

Der Garten, so berichtet Norbert Mertens, steht unter dem Motto „Es wird durchgeblüht”. Der Blütenreigen beginnt schon Anfang Februar mit Schneeglöckchen und Christrosen-Hybriden, er endet erst im November mit Staudenherbstastern, Sedum und Knöterich. Die Pflanzenauswahl ist zu 85 Prozent auf die Nahrungsbedürfnisse der Bienen abgestimmt, sie können nämlich nur einfache oder halbgefüllte Blüten nutzen.

Chemische Pflanzenschutzmittel sind tabu, gedüngt wird mit Kompost und Gesteinsmehl. Im Kalttreibhaus, wo er die ein- und zweijährigen Pflanzen und die kälteempfindlichen Zier- und Nutzpflanzen anzieht, wachsen im Sommer seltene samenechte Tomatensorten heran. Mertens hat über hundert Tomatensorten in seinem Samenarchiv, die er aus Platzgründen gar nicht alle jährlich anbauen kann.

Zum Abschlussgespräch setzten sich die Teilnehmer der Volkshochschul-Exkursion im Gartenhaus eines der sicher schönsten Eschweiler Gärten zusammen, im Park des Anwesens „Wüstenhof” von Brigitte und Klaus Bäumel im Stadtteil Kinzweiler. Bei Wein und einem kleinen Imbiss gab es dort bis in den Abend hinein fach- und sachkundige Gespräche voller guter Tipps für Gartenliebhaber.

Pflanzen-Tauschbörse fällt diesmal aus

Der für Samstag, 9. Juli, 10 bis 12 Uhr, vorgesehene Gartenflohmarkt auf dem Hof hinter dem VHS-Gebäude, Kaiserstraße 4a, fällt aus: Es gab nicht genug Angebot an Pflanzen, die in diesem Frühjahr vom einen Garten in den nächsten hätten wechseln können.

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